BISCHOFSZELL
Podiumsdiskussion mit Regierungsrat Walter Schönholzer: Gute Netzwerke sind bei der Stellensuche hilfreich

Wie können ältere Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess gehalten respektive wieder in diesen integriert werden? Damit beschäftigte sich das «Kompass-Forum» in Bischofszell.

Christof Lampart
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Regierungsrat Walter Schönholzer, Jérôme Müggler, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, Unternehmerin Monika Laib, Georg Weidmann, Laufbahnberater Georg Weidmann und Kompass-Präsident Roman Salzmann.

Regierungsrat Walter Schönholzer, Jérôme Müggler, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, Unternehmerin Monika Laib, Georg Weidmann, Laufbahnberater Georg Weidmann und Kompass-Präsident Roman Salzmann.

Bild: Christof Lampart (Bischofszell, 9. März 2022)

Das Netzwerk-Forum für Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Arbeitsintegration stand in diesem Jahr unter dem Motto «Triple A: Ältere Arbeitskräfte aktivieren». In seiner Begrüssung wies Joachim Brunnschweiler, Mitglied der gastgebenden Geschäftsleitung von Kompass Arbeitsintegration, am Mittwochabend darauf hin, was sie zum Thema bewogen habe. Gerade «Kompass» habe in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass ältere und wenig qualifizierte Arbeitnehmer sich kaum oder nur sehr schwer wieder in den Arbeitsprozess eingliedern lassen.

Der auf die Vermittlung von älteren Arbeitnehmern spezialisierte Laufbahnberater und Coach Georg Weidmann erklärte, dass er einst selbst die bittere Erfahrung gemacht habe, nicht mehr gebraucht zu werden. Aus seiner Erfahrung heraus sei, neben dem Willen zum lebenslangen Lernen, auch heute noch unabdingbar, dass man zum einen konsequent sein Netzwerk aufbaue, zum anderen sich aber auch vermehrt frage, ob man im Alter immer noch das gleiche leistungsfähige Alphatier sein müsse wie in jungen Jahren. Vielmehr tue es vielen gut, Erfahrung weiter- und Verantwortung abzugeben. Aber natürlich könne sich diese gesuchte Achtsamkeit nicht jede(r) finanziell leisten.

Schönholzer: Auf den Rat der Gattin gehört

In der Podiumsdiskussion, die von Kompass-Präsident Roman Salzmann geleitet wurde, gab der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer zu, dass auch er – beim Wechsel von der Privatwirtschaft in die Politik – Angst vor dem Sprung ins «kalte Wasser» gehabt habe. Dass er den Mut dazu hatte, im Jahr 2006 Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg zu werden, verdankte Schönholzer seiner Frau: «Sie sagte: Mach das, denn schlimmer kann es eigentlich nicht werden», erklärte Schönholzer schmunzelnd. Nichtsdestotrotz hatte er mit der Umstellung anfänglich zu kämpfen, wie er einräumte:

«Am Anfang war ich überfordert, aber heute arbeite ich mehr als früher.»

Die Amriswiler Floristik-Unternehmerin Monika Laib fand es wichtig, «auch Menschen eine Chance zu geben, die bei der Anstellung noch nicht alle Voraussetzungen erfüllen». Sie habe wiederholt wertvolle Erfahrungen mit solchen Mitarbeiterinnen gemacht. Was für sie umso wichtiger sei, weil ihre Branche schon länger an einem Nachwuchsmangel leidet.

Müggler: Mal ein Bier trinken gehen

Der Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, Jérôme Müggler, erkannte aktuell für Arbeitssuchende in der Ostschweiz eigentlich eine gute Ausgangslage, denn «viele unserer Mitgliederfirmen leiden unter Fachkräftemangel und wären froh, wenn sie diese Stellen besetzen könnten». Generell sei es aber sehr wichtig, dass man sich als Arbeitnehmer frühzeitig ein Netzwerk schafft, auf das man später vielleicht einmal bauen kann. Müggler zeigte sich überzeugt:

«Wer ein Netzwerk pflegt, mal mit jemanden ein Bier trinken oder Mittagessen geht, findet viel
leichter eine neue Stelle.»

Daniel Wessner, Leiter des Thurgauer Amts für Wirtschaft und Arbeit, erklärte, dass neueste Studien zeigten, dass viele Unternehmen den Arbeitseifer und das Wissen vieler älterer Mitarbeiter schätzen, ihnen zugleich aber gegenüber jüngeren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Nachteile in Informatikkenntnissen, Lernbereitschaft und Flexibilität bescheinigten.