Berg
Krankheitsabsenz zeigt Schwachstellen auf: Berger Gemeinderat unterzieht sich Überprüfung

Im Gemeinderat von Berg gab es in der vergangenen Legislatur grosse Wechsel. Von der Besetzung vor 2019 sind heute nur noch zwei Gemeinderäte aktiv. Der krankheitsbedingte Ausfall von Präsident Thomas Bitschnau hat nun aufgezeigt, dass die Strukturen nicht ideal sind und überarbeitet werden müssen. Bruno Lüscher hilft bei diesem Prozess.

Mario Testa
Drucken
Der Gemeinderat von Berg: Robert Schneider, Daniel Schenk, Kristy Keller, Marcel Zollikofer, Gemeindepräsident Thomas Bitschnau, Margrit Streckeisen, Beat Keller und Gemeindeschreiber Hubert Bürge.

Der Gemeinderat von Berg: Robert Schneider, Daniel Schenk, Kristy Keller, Marcel Zollikofer, Gemeindepräsident Thomas Bitschnau, Margrit Streckeisen, Beat Keller und Gemeindeschreiber Hubert Bürge.

Bild: Mario Testa

Daniel Schenk und Beat Keller sind die einzigen Berger Gemeinderäte, welche schon in der vergangenen Legislatur im Rat sassen. Alle anderen kamen bei den Gesamterneuerungswahlen 2019 und einer Ersatzwahl 2021 neu hinzu, auch Gemeindepräsident Thomas Bitschnau. «Ein derartiger Erfahrungs- und Wissensverlust hinterlässt in jedem Führungsgremium Spuren», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung. Die Behörde habe daher beschlossen, ihre sowie die Gesamtorganisation der Gemeinde Berg zu überprüfen, sagt Thomas Bitschnau.

«Die Gemeinde ist stetig gewachsen, die Strukturen sind aber immer gleich geblieben.»

Schwachstellen in den Strukturen hat insbesondere auch die Abwesenheit von Thomas Bitschnau in den vergangenen Monaten aufgezeigt. Er hatte Ende September einen Herzinfarkt erlitten und war danach zwei Monate nicht arbeitsfähig und anschliessend nur in einem Teilpensum. «Während dieser Zeit haben meine Kollegen die Arbeiten übernommen und so sind wir über die Runden gekommen. Aber es bedeutete viel Zusatzaufwand und das ist nicht einfach im Milizsystem.»

Während seiner Abwesenheit habe man gesehen, dass der Gemeinderat gewisse Dinge überdenken müsse. «Gewisse Abläufe und eine verstärkte Digitalisierung beispielsweise», sagt der Gemeindepräsident. Seit zwei Wochen arbeitet Bitschnau wieder zu hundert Prozent «Ich fühle mich wieder topfit, hatte einen tollen Abschlussuntersuch.»

Interviews mit Gemeinderäten und Angestellten

Für die nun anstehende Überprüfung des Gemeinderats und der Gemeindeorganisation hat der Gemeinderat Bruno Lüscher beauftragt. «Er hat uns bereits Fragebogen zukommen lassen und wird nun auch mit allen Gemeinderäten und Schlüsselangestellten der Gemeinde Interviews führen», sagt Thomas Bitschnau. «Zum Schluss gibt es eine Auslegeordnung darüber, was man machen könnte. Aus dieser Analyse können wir dann unsere Schlüsse ziehen.»

Thomas Bitschnau, Gemeindepräsident Berg.

Thomas Bitschnau, Gemeindepräsident Berg.

Bild: Mario Testa

In welche Richtung allfällige Anpassungen gehen werden, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Vielleicht reichen gewisse Neueinteilungen, aber eventuell braucht es auch einen Ressourcenausbau. Da könnte eine externe Stimme natürlich zur Akzeptanz der Bevölkerung für allfällige Mehrkosten helfen.»

Für Bruno Lüscher als externen Berater habe sich der Berger Gemeinderat entschieden, da er als ehemaliger Gemeindepräsident von Aadorf Berufserfahrung mitbringe und die Situation in Berg objektiv analysieren könne. «Das ist sicher besser, als wenn das jemand Internes machen würde, der schon im Schema drin ist», sagt Thomas Bitschnau.

Gutes Einvernehmen im Gemeinderat

Vermittelt hat Bruno Lüscher der Verband Thurgauer Gemeinden. «Seit ich in Märstetten ausgeholfen habe, bin ich in einem Pool für solche Aufgaben drin», sagt Lüscher. Begonnen hat er seine Arbeit in Berg schon im Dezember mit einem langen Gespräch mit den Gemeinderäten. «Da habe ich gemerkt, dass die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ein gutes Einvernehmen haben untereinander. Aber ein so grosser Wechsel, wie er 2019 stattgefunden hat, ist natürlich nicht einfach aufzufangen.»

Bruno Lüscher.

Bruno Lüscher.

Bild: Reto Martin

Die Abwesenheit des Gemeindepräsidenten sei sicher ein Faktor gewesen, der Schwierigkeiten in der Arbeit der Exekutive offenbart hat, aber auch die Pandemie mit all den Einschränkungen habe die Situation verschärft. «Ich finde es daher schön, dass der Gemeinderat bereit ist, sich selber zu überprüfen.» Der Auftrag zur Analyse der Situation in Berg sei sehr interessant.

«Ich freue mich über das Vertrauen, das in mich gesetzt wird und dass ich einen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann.»

Die Situation in Berg sei mit jener im Märstetter Gemeinderat nicht zu vergleichen und doch mache es ihn nachdenklich, dass er überhaupt solche Aufträge bekomme. «Ich war 24 Jahre lang Gemeindepräsident und das ging gut. Und heute hört man immer häufiger von grossen Problemen, mit denen Gemeinderäte konfrontiert sind. Es sind neue Situationen, auch weil sich die Gesellschaft verändert hat», sagt Bruno Lüscher.