Bauen
«Das war schon immer ein Traum von mir»: Wie das Schulmuseum den Pisébau stärker thematisieren will

Das Amriswiler Schulmuseum hat eine aussergewöhnliche Bauweise. Es wurde seinerzeit aus Stampflehm gebaut. Um seinen Besuchern dieses ganz besondere Baumaterial näherzubringen, hat das Schulmuseum zwölf sogenannte Stampflehmboxen als «Müsterli» gekauft.

Luca Hochreutener
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Yvonne Joos neben den frisch erworbenen Stampflehmboxen. Sie sollen Teil eines neuen Workshops werden.

Yvonne Joos neben den frisch erworbenen Stampflehmboxen. Sie sollen Teil eines neuen Workshops werden.

Bild: Luca Hochreutener

Ein Jubiläum steht vor der Tür: Seit bald 20 Jahren gibt es das Amriswiler Schulmuseum. Es bietet verschiedene Vermittlungsangebote zur Schulgeschichte an, und zwar für Schulklassen, Gruppen oder auch Einzelpersonen. «Weil Schule so vielfältig ist, haben wir sehr viele Freiheiten», sagt Co-Geschäftsleiterin und Chefin der Kulturvermittlung Yvonne Joos-Halter. So thematisiert das Schulmuseum in seinen Ausstellungen auch öfters die besondere Bauweise des Gebäudes. Das Haus wurde nämlich vor 176 Jahren aus Pisé beziehungsweise Stampflehm errichtet.

«Anlässlich unseres bevorstehenden 20-Jahre-Jubiläums haben wir uns selbst ein kleines Geschenk gemacht, sagt sie.» Um den Besucherinnen und Besuchern diese besondere Baumethode näherzubringen, haben sie nämlich vor kurzem einen Klassensatz Stampflehmboxen geliefert bekommen.

«Seit 20 Jahren ist es ein Traum von mir, den Besucherinnen und Besuchern zu zeigen, wie man so ein Haus baut.»

Ihr Ziel sei es, dass die Besucherinnen und Besucher so praxisnah den Stampflehmbau erleben und nachmachen können. «Wir haben bereits eine Ecke, wo der Stampflehmbau erklärt wird», sagt Joos-Halter und zeigt auf ein Loch in der Wand, welches man durch eine Plexiglasscheibe betrachten kann. Durch die Scheibe sieht man den getrockneten Lehm und den Putz. Daneben hängt eine Tafel, auf der steht, dass solche Stampflehmbauten früher überhaupt keinen guten Ruf hatten. Von einem «Arme-Leute-Haus» oder sogar «Dreckshaus» sei damals die Rede gewesen. Zu unrecht, meint Joos-Halter. Das möchte sie mit Hilfe eines neuen Angebots vermitteln.

«Leider ist es oft so, dass man die Kinder mit Theorie langweilt.»
So sieht das Innere einer Mauer aus Stampflehm nach 120 Jahren aus.

So sieht das Innere einer Mauer aus Stampflehm nach 120 Jahren aus.

Bild: Luca Hochreutener
In diesem alten Buch wird über die Pisé-Bauart eher abschätzig berichtet.

In diesem alten Buch wird über die Pisé-Bauart eher abschätzig berichtet.

Bild: Luca Hochreutener

Lehmboxen für Praxis-Workshop

Künftig wird es nicht mehr nur bei dieser Theorie bleiben. «Beim Fachaustausch mit dem Ziegeleimuseum in Chams, berichteten sie uns von ihrem neuen Angebot», sagt Joos-Halter. «So erfuhren wir erstmals von diesen Stampflehmboxen». Von den Verantwortlichen des Ziegeleimuseums erhielt sie den Kontakt zum Schreiner Patrik Meier. Kurzerhand baute er zwölf von diesen Boxen für das Schulmuseum. Das Ergebnis lässt sich sehen: «Die Boxen sind sehr hochwertig und gut verarbeitet», sagt Joos-Halter.

So sieht ein fertiger Lehmblock aus.

So sieht ein fertiger Lehmblock aus.

Bild: Luca Hochreutener

Sie funktionieren folgendermassen: Die Stampflehmmischung wird in die Box gefüllt. Dann können die Besucherinnen und Besucher so lange mit einem Hammer und einem eckigen Holzstück auf den Lehm klopfen, bis er gut genug verdichtet ist. Das kann dann schon etwas dauern: «Der Workshop über den Stampflehm dauert 90 Minuten. Etwa 45 Minuten davon wird gestampft», sagt Joos-Halter.

Der Lehm wird dann trocknen gelassen. Das Ergebnis ist ein Würfel, der aus demselben Material besteht, wie die Gemäuer des Schulmuseums. «Die Würfel können in einem weiteren Schritt auch Ausgangspunkt für Kunstobjekte sein», sagt Joos-Halter. Im Rest des Workshops erfahren die Besucherinnen und Besucher noch mehr über diese Bauweise und deren Besonderheiten.

Mit diesen Werkzeugen wird der Lehm gestampft.

Mit diesen Werkzeugen wird der Lehm gestampft.

Bild: Luca Hochreutener

Der Lehmbau erlebt eine Renaissance

Laut Joos-Halter kommt dieses Angebot genau im richtigen Moment. «Der neue Lehrplan 21 der Thurgauer Volksschule enthält den Schwerpunkt ‹Bauen und Wohnen›», sagt sie. «Dieser Workshop eignet sich gut für Klassen, die das gerade in der Schule durchnehmen. Vielleicht auch im Rahmen einer Projektwoche.»

Zudem erlebe die Lehmbauweise aktuell eine Renaissance. «Kürzlich wurde ein Haus komplett mit seinem eigenen Aushub gebaut», sagt Joos-Halter, die sich auch privat gerne damit beschäftigt. Auch das Ricola Kräuterzentrum in Laufen sei ein Stampflehmbau. «Der Lehm hat seine Bewährungsprobe trotz seines schlechten Rufs schon lange bestanden», sagt sie. Und genau das möchte sie den Besucherinnen und Besuchern künftig auch vermitteln. Ab Mai steht das Angebot im Amriswiler Schulmuseum zur Verfügung.