Bauboom
Begehrtes Wohnen am Bodensee: Die Suva baut in Horn West für 51 Millionen drei Blöcke mit 119 Wohnungen – die meisten sind schon verkauft

In Horn West entstehen drei grosse Mehrfamilienhäuser. Auch die Migros zieht an dieser exklusiven Lage ein. Die Wohnungen mit Seeblick sind begehrt. Die kleine Gemeinde erhält also sehr viele neue Bewohnerinnen und Bewohner aufs Mal. Ist das rasante Wachstum gesund fürs Dorf?

Melissa Müller
Drucken
So soll die Überbauung aussehen, die Ende 2022 bezugsbereit ist.

So soll die Überbauung aussehen, die Ende 2022 bezugsbereit ist.

Visualisierung: PD

Zwischen Arbon und Rorschach entstehen am Ufer des Bodensees in Horn West drei Mehrfamilienhäuser des Neubauprojekts «Aurelia». Die Suva baut hier auf einer Fläche von 16'270 Quadratmetern für 51 Millionen Franken 80 Mietwohnungen und 29 Eigentumswohnungen. Im April war Baubeginn. Die meisten Eigentumswohnungen sind bereits reserviert oder verkauft. Die Neubauten befinden zwischen Sais und Fortimo-Überbauung, schräg vis-à-vis des Raduner-Areals.

Der Bezugstermin der Wohnungen ist ab Oktober 2022 geplant. Zielpublikum sind Familien, Paare und Singles des Mittelstandes, wie Mediensprecherin Natascha Obermayr von der Suva in Luzern sagt. «Ein Ort wie gemacht für die Familienplanung», wirbt die Vermarkterin Red Real Estate und schwärmt von der «kinderfreundlichen Gemeinde Horn» mit ihren zwei Kindergärten und mehreren Spielplätzen.

In blumigen Worten wird in einer Broschüre um Interessenten gebuhlt: «Ein neuer Tag bricht an. Sie öffnen die Augen, geniessen den Blick aus den raumhohen Fenstern und hören die Möwen draussen. Es fühlt sich wie Ferien an. Doch Sie sind hier zu Hause.»

Mit Balkon und Bootsplatz

Jede Wohnung verfügt über einen Balkon oder eine Terrasse. Nach Bedarf können im Erdgeschoss des Hauses B, das an der Seestrasse liegt, auch Bootsabstellplätze erstellt werden.

Die Mietpreise liegen bei 1300 Franken für eine 2,5-Zimmerwohnung und 2900 Franken für eine 5,5-Zimmer-Attikawohnung. «Wir rechnen mit einer guten Vermietung der Wohnungen», sagt Natascha Obermayr. Man erhalte laufend Anfragen von Interessierten.

Zwischen den Häusern ist auch Raum für Grünflächen.

Zwischen den Häusern ist auch Raum für Grünflächen.

Visualisierung: PD

Migros zieht ein

Nicht ganz so begehrt scheinen die Gewerbeflächen im Haus B zu sein. Die Detailhändlerin Migros ist zwar bereits gesetzt. Es sind aber noch drei weitere Gewerbeflächen frei, mit 832 Quadratmeter Fläche. Eine Gewerbefläche von 347 Quadratmetern kostet hier 5'900 Franken pro Monat, 169 Quadratmeter sind für monatlich 2'950 Franken zu haben.

Die Gebäude werden in aus Beton mit einer verputzten Aussendämmung und Flachdach erstellt. Geheizt wird mittels Wärmepumpen und Erdwärmesonden. Die Fassaden mit Klinkereinlagen in einem Betonraster sollen laut Suva an die industrielle Vergangenheit des Gebietes erinnern.

Kleines Dorf wächst rapid

Horn hat 2700 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Gemeinde boomt. Erst baute die Fortimo, nun die Suva, als Nächstes überbaut die Mettler2Invest AG das Raduner-Areal. Was bedeutet es für die Gemeinde, wenn auf einen Schlag Hunderte Personen zuziehen? Ist das rasante Wachstum gesund für so ein kleines Dorf? «Die Überbauungen sind ein Potenzial für die Gemeinde und locken viele neue Steuerzahler an», sagt Roland Ebneter, Immobilienentwickler bei der Mettler2Invest AG. Die Nachfrage an Wohnraum in den Seegemeinden sei hoch.

Immobilienentwickler Roland Ebneter von Mettler2Invest.

Immobilienentwickler Roland Ebneter von Mettler2Invest.

Bild: Reto Martin

Noch sei es teilweise schwierig, in den Horner Neubauten auch die Gewerbeflächen zu vermieten. Der Masterplan der Gemeinde schreibt einen Minimalanteil an gewerblicher Nutzung vor. Doch Ebneter ist zuversichtlich, dass auch das Gewerbe nicht lange auf sich warten lässt, wenn Menschen einziehen und die Neubauten sich mit Leben füllen. «Gut möglich, dass sich dann bald auch ein Coiffeur oder Arzt einquartieren.» So gesehen, bringe das Wachstum auch neue Arbeitsplätze ins Dorf.

Gemeindepräsident freut sich auf neue Steuerzahler

Auch Gemeindepräsident Thomas Fehr betont das «sehr grosse Potenzial» von Horn West als Gesamtareal. Dazu zählen nebst dem ehemaligen Raduner-Areal auch das Fortimo- und das Rimaplan-Areal. «Es ist das einzige grosse Entwicklungsgebiet mit einer hervorragenden Lage», sagt Fehr. Deshalb hat die Gemeinde vor zehn Jahren einen Masterplan zur Entwicklung des Gesamtgebietes erstellt. «Mit den bisherigen und aktuellen Bebauungen setzen wir diesen konsequent um.»

Gemeindepräsident Thomas Fehr.

Gemeindepräsident Thomas Fehr.

Bild: Ralph Ribi

Fehr verspricht sich davon eine «massvolle Zunahme der Bevölkerung»:

«Dabei hoffen wir auch, dass Familien mit Kindern in unser schönes Dorf ziehen und damit zur Stabilisierung der Schülerzahlen beitragen.»

Mit den bisherigen und noch geplanten Zuzügen von Geschäften werde das Angebot in der Gemeinde gesteigert. Es nütze dem gesamten Dorf, wenn durch zukünftige Steuerzahler der attraktive Steuersatz gestützt werde. Fehr hofft, dass auch die Dorfvereine profitieren und unter den Neuzuzügerinnen und Neuzuzügern neue Mitglieder gewinnen.