Asylwesen
«Das Sozialhilferisiko ist vergleichsweise hoch»: Studie über Soziallasten der Stadt Arbon kommt zu einschlägigen Resultaten – insbesondere in Bezug auf Flüchtlinge

Noch immer weist Arbon die höchste Sozialhilfequote im Kanton aus: Rund 3,6 Prozent, während der kantonale Durchschnitt bei 1,4 Prozent liegt. Die Stadt hat deshalb eine umfassende Studie in Auftrag gegeben. Und die Berner Fachhochschule stellt ihr ein sehr gutes Zeugnis aus.

Tanja von Arx
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Eingang zum Sozialamt.

Eingang zum Sozialamt.

Max Eichenberger (17. März 2017)

Ein erstaunliches Statement. «Arbon übernimmt bei der Unterstützung von Geflüchteten bedeutende mehr Verantwortung als die anderen Thurgauer Städte.» Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Berner Fachhochschule. Die Stadt selbst hat diese in Auftrag gegeben, weil sie im kantonalen Vergleich immer noch die rote Laterne trägt: Trotz massiver Verbesserungen weist Arbon die höchste Sozialhilfequote auf, laut der aktuellsten Zahlen rund 3,6 Prozent, während der kantonale Durchschnitt bei 1,4 Prozent liegt (unsere Zeitung berichtete).

Mehr Zentrumsfunktion als andere Städte des Kantons

Grundsätzlich hält die Analyse, betreffend die Jahre 2011 bis 2019, fest, dass sich die Situation in den letzten beiden Jahren entspannt habe. Dies insbesondere wegen des verbesserten Arbeitsmarktes. «Allerdings ist die hohe Sozialhilfequote keine Folge der Arbeitsmarktentwicklung», so die Studienleiterinnen. Sondern Arbon sei eine von zwei Kernstädten der Agglomeration Arbon–Rorschach, sprich eine Stadt, die «mehr Zentrumsfunktion» als andere Städte des Kantons übernehme. Weiter: Unterstützungsangebote in den Bereichen Integration, Bildung und Kinderbetreuung, die für Personen mit einem höheren Sozialhilferisiko besonders wichtig sind, seien in Arbon verbreiteter.

«Zudem ist in Arbon der Anteil an Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen bedeutend höher als in anderen Städten.»

Dieser habe sich zwischen 2015 und 2019 nochmals enorm erhöht.

«Arbon zählt über einen Drittel aller Flüchtlinge des Kantons»

Michael Hohermuth, Stadtrat Arbon.

Michael Hohermuth, Stadtrat Arbon.

Chris Mansfield

Laut Stadtrat Michael Hohermuth, Ressort Soziales und Gesellschaft, zählt Arbon denn mehr als einen Drittel aller Flüchtige des Kantons. Die Studien-Unterlagen fahren fort:

«Wegen verschiedener Hürden wie Sprache, niedriger Bildungsstand oder Nichtanerkennung der Bildungsabschlüsse haben Geflüchtete und nachgezogene Familienmitglieder oft Schwierigkeiten, eine existenzsichernde Erwerbsarbeit zu finden.»

Diese Personen hätten in einer Notlage weniger Möglichkeiten, auf private Unterstützung etwa durch Angehörige zurückzugreifen. «Daher ist das Sozialhilferisiko vergleichsweise hoch.»

Weitere Vergleichszahlen der kantonalen Dienststelle für Statistik unter statistik.tg.ch, Rubrik «Soziales und Gesundheit».