Arboner Skateverein kämpft mit Schulden

Der Verein steht in der Kritik: Er hat nicht alle Rechnungen für den Bau der Anlage auf dem Seeparkareal bezahlt. Nun legen die Verantwortlichen die Gründe offen – und erhalten Rückendeckung des Stadtrates.

Annina Flaig
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Der Skaterpark auf dem Seeparkareal wird bereits wieder rege genutzt. (Bild: Donato Caspari)

Der Skaterpark auf dem Seeparkareal wird bereits wieder rege genutzt. (Bild: Donato Caspari)

In Arbon erwachen derzeit schlafende Hunde. Nach dem Bau der umstrittenen Skateranlage auf dem Seeparkareal blieb es fast vier Jahre lang ruhig. Jetzt gibt es wieder Aufruhr: Der Verein Skatepark sei gestrauchelt, steht in der lokalen Gratiszeitung «Felix» zu lesen. Er schulde der Firma Walo Bertschinger AG noch immer rund 40 000 Franken. Nun soll die Stadt in die Bresche springen und dem Verein finanziell unter die Arme greifen.

Das ruft die Kritiker wieder auf den Plan: Allen voran haben der Vogelschutzverein Meise und die SVP Arbon das Projekt bekämpft. Co-Präsident des Gegenkomitees war SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen. Er sagt: «Das Finanzierungskonzept war offenbar ungenügend. Nun zeigt sich, dass der Verein die Anlage eben doch nicht so führen kann, wie er es versprochen hatte.» Würde man die bestehende Leistungsvereinbarung für bare Münze nehmen, müsste die Anlage laut Vonlanthen nun zurück gebaut werden. So weit muss es laut Vonlanthen nicht kommen. «Aber der Stadtrat muss zumindest eingestehen, dass die Leistungsvereinbarung ein Papier ohne Bedeutung ist.»

«Jetzt wird wieder mit Dreck geworfen»

Am Pranger stehen unter anderem der ehemalige Präsident des Vereins, Jürg Schmid, sowie Jacob Auer, ebenfalls ehemaliges Vorstandsmitglied. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie sich aus der Verantwortung ziehen, indem sie sich aus dem Vorstand verabschiedet und den Jungen einen Schuldenberg überlassen haben. Die sieben neuen Vorstandsmitglieder sind alle zwischen 19 und 28 Jahre alt. «Die Jungen dürfen das jetzt auslöffeln», schreibt ein empörter Arboner in einer Email an die Thurgauer Zeitung.

«Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass es in Arbon Leute gibt, die nun wieder anfangen gegen eine tolle Sache mit Dreck zu werfen», sagt Jürg Schmid. Jacob Auer dementiert die Vorwürfe gegen ihn vehement: «Es stimmt nicht, dass wir die Jungen im Stich lassen.» Er selbst sei mit der Stadt und Walo Bertschinger im Gespräch und werde die Sache regeln.

Angedacht ist, dass der Verein der Walo Bertschinger AG vorschlägt, auf die Hälfte des ausstehenden Honorars (rund 20 000 Franken) zu verzichten. Die andere Hälfte der Schuld sollen die Stadt Arbon (18 000 Franken) sowie der Lotteriefonds des Kantons (4 000 Franken) übernehmen. Das steht auf einem internen Papier des Stadtrates, das zum Unmut von Auer nun an die Öffentlichkeit gelangt ist, bevor die Verhandlungen abgeschlossen werden konnten.

«Offenbar will jemand einen Skandal provozieren. Es gibt aber keinen», sagt der zuständige Stadtrat Hans Ulrich Züllig auf Anfrage. Er widerspricht auch den Aussagen von Andrea Vonlanthen: «Die Anlage ist nun seit fast vier Jahren in Betrieb. Keine der Befürchtungen haben sich bewahrheitet.» So sei der Skatepark stets sauber.

Ausserdem gebe es keinerlei Beschwerden, und das angrenzende Naturbiotop werde nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: «Die Anlage wird von einer breiten Bevölkerungsschicht gut frequentiert und hat das Areal enorm aufgewertet», sagt Züllig. Hinter der Anlage stehe ein intakter Verein mit einem guten Vorstand. «Davon habe ich mich selbst überzeugt.»

Verein erklärt die Finanzlücke

Laut Züllig trifft es denn auch nicht zu, dass das Finanzierungskonzept ungenügend gewesen sei. Vielmehr gebe es für die Finanzlücke zwei plausible Gründe: So sei ein Sponsor, der dem Verein Gelder in er Höhe von rund 20 000 Franken zugesichert hatte, von Arbon weggezogen. Die verbleibenden 20 000 Franken seien dadurch entstanden, dass ein nicht vorgesehenes Gerätehaus für Werkzeuge, Ersatzteile und dergleichen notwendig geworden sei. «Das Häuschen hat absolut Berechtigung», so Züllig. Er betont, dass der Verein Grossartiges geleistet und rund die Hälfte der insgesamt 386 000 Franken teuren Anlage selbst beigetragen habe (vgl. Kasten).

Stadtrat will Skaterpark übernehmen Allerdings ist es für den Verein offenbar schwierig, Geld einzunehmen, um den Betrieb zu sichern. Denn in der Leistungsvereinbarung mit dem Stadtrat ist laut Züllig festgehalten, dass der Park für die Öffentlichkeit zugänglich sein muss. «Anders als beispielsweise bei einem Tennisclub, kostet die Benützung der Anlage also keinerlei Eintritt», erklärt er. Der Stadtrat habe dem Verein deshalb vorgeschlagen, die Anlage der Stadt Arbon formal zu übertragen.»

Skater suchen nach Einnahmequellen

«Wir stehen dem Vorschlag des Stadtrates offen gegenüber», sagt der aktuelle Präsident Nicolaj Schmid. Der 26-Jährige ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jürg Schmid. «Wir haben zehn Jahre lang für diesen Park gekämpft. Aktuell sei der Vorstand daran, für Jugendliche Skate-Kurse aufzugleisen. «Damit versuchen wir finanzielle Ressourcen für den Unterhalt der Anlage zu schaffen.»

Der Vorstand sei motiviert. «Doch leider wird jede Gelegenheit wahr genommen, uns in der Luft zu zerpflücken.» Ihn und seine Freunde koste das viel Energie. «Aber wer sich an einem schönen Mittwochnachmittag dort unten aufhält, sieht, dass der Park all die Mühen Wert war und immer noch ist.»

Die Vorgeschichte

Der Skaterpark auf der Westseite des Arboner Seepark-Areals hat rund 400 000 Franken gekostet. Die Stadt hat die Anlage mit rund 170 000 Franken mitfinanziert und dem Verein die rund 800 Quadratmeter Land gratis zur Verfügung gestellt. Das Projekt war über Jahre hinweg hoch umstritten. Insbesondere die SVP und der Vogelschutzverein Meise bekämpften das Vorhaben und wollten den Bau der Anlage am See verhindern. Sie sammelten 800 Unterschriften und lancierten die Initiative «Keine Betonwüste auf dem Seeparkareal». Die Initiative wurde abgelehnt. Zwischen dem Verein Skatepark und dem Stadtrat besteht eine Leistungsvereinbarung mit Finanzierungs- Betriebs- und Rückbaukonzept. Die Anlage wurde im Juli 2015 eröffnet. Seither war die Kritik verstummt.