Arbon
«Zwei bis drei Millionen Franken waren viel zu wenig»: Warum der Wirt des «Roten Kreuzes» seine Liegenschaft der Stadt nicht verkaufen wollte

Seit Jahren ist die Stadt mit dem Inhaber des Hotel-Restaurants wegen der illegal erstellten Pergolen im Clinch. Um den ewigen Querelen ein Ende zu bereiten, war sie sogar zum Kauf der Liegenschaft bereit, wie jetzt bekannt wird. Die Verhandlungen sind am Preis gescheitert.

Markus Schoch
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Zum «Roten Kreuz» in Arbon gehört ein Hotel mit 20 Zimmern und einem Appartement sowie ein Restaurant.

Zum «Roten Kreuz» in Arbon gehört ein Hotel mit 20 Zimmern und einem Appartement sowie ein Restaurant.

Bild: Reto Martin

Was bisher geschah:

  • Seit 2004 führt Gionatan Capuano das «Rote Kreuz» in Arbon.
  • 2017 liess er ohne Bewilligung im Garten für 100'000 Franken zwei Pergolen bauen, um den Gästen Schutz vor Sonne und Regen zu bieten. Zudem richtete er eine neue Gartenbar ein.
  • Die Stadt bewilligte nachträglich die Pergola unter den Bäumen und verfügte, dass er die andere Pergola zurückbauen müsse.
  • Gegen diesen Entscheid erhoben sowohl Capuano als auch der Thurgauer Heimatschutz Beschwerde. Dem Wirt und Inhaber der Liegenschaft ging die Kompromisslösung zu wenig weit, dem Verband zu weit. Capuano will am liebsten nichts abbrechen, der Heimatschutz verlangt, dass alles wegmuss.
  • Zuerst befasste sich das Departement für Bau und Umwelt mit dem Rekurs und danach das Verwaltungsgericht, das am 3. März dieses Jahres entschied, dass beide Pergolen unter anderem aus Gründen des Ortsbildschutzes nicht bewilligungsfähig sind.
  • Damit ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Capuano zieht den Fall weiter ans Bundesgericht.
  • Am 3. Juni 2020 sprach die Stadt ein Nutzungsverbot für die beiden Sonnendächer und die Gartenbar aus. Das kantonale Departement für Bau und Umwelt (DBU) bestätigte diesen Entscheid. 
  • An seiner Sitzung vom 19. April dieses Jahres setzte der Stadtrat das Nutzungsverbot teilweise aus mit der Begründung, dass die Gastronomie besonders stark von den Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen ist. Capuano darf jetzt Gäste unter beiden Pergolen bewirten und den Sonnenschutz an beiden Orten ausfahren. Ihm ist es nur nicht erlaubt, die Gartenbar zu nutzen. 

Es war ein Scherz, als die «Thurgauer Zeitung» am 1. April schrieb, die Stadt Arbon habe die «Wunderbar» gekauft. Kein Scherz ist, dass die Stadt zur gleichen Zeit Verhandlungen mit Gionatan Capuano über den Erwerb des «Roten Kreuzes» führte, das ein paar hundert Meter weiter weg liegt und den Stadtrat ebenfalls seit Jahren auf Trab hält. Sie hätten sich aber nicht auf einen Preis einigen können, sagt der Inhaber und Betreiber des Gastrobetriebes beim Hafen. «Die Stadt wollte mir maximal 2 bis 3 Millionen Franken zahlen, was viel zu wenig ist.» Seine Liegenschaft mit gut laufendem Restaurant und Hotel habe eine Fläche von 2700 Quadratmetern an bester Lage direkt am See. Er habe sicher viel verlangt, aber das Angebot der Stadt sei zwei- oder dreimal zu tief gewesen.

Warum wollte die Stadt die Liegenschaft kaufen? Und was hatte sie damit vor? Auf diese und andere Fragen gibt es keine Antworten. Fabienne Egloff von der Stadtentwicklung sagt auf Anfrage lediglich:

Fabienne Egloff von der Stadtentwicklung.

Fabienne Egloff von der Stadtentwicklung.

Bild: PD
«Ich kann bestätigen, dass wir mit Herrn Capuano im Gespräch sind über die Gesamtsituation. Zum Inhalt äussern wir uns aber nicht.»

Dass die Stadt Capuano überhaupt ein Angebot machen konnte, haben die Arboner Stimmbürger im letzten November möglich gemacht. Sie sagten damals an der Urne mit grossem Mehr Ja zu mehr finanziellem Spielraum für den Stadtrat in der Bodenpolitik. Konkret verfügt die Behörde jetzt im Landkreditkonto über 10 Millionen Franken statt bloss über 3 Millionen Franken wie zuvor für den Kauf von strategisch wichtigen Arealen.

Der Wirt hält nichts von Geheimnistuerei

Capuano sieht keinen Grund, warum er ein Geheimnis aus den Verhandlungen mit der Stadt machen sollte. Sie hätten nichts ergeben, und für ihn habe sich auch sonst nichts grundsätzlich an der Situation geändert. Seit Jahren streitet er mit der Stadt über zwei Pergolen, die er illegal erstellen liess, weil er keinen anderen Weg sah, um sie bauen zu können.

Wegen dieser und einer zweiten Pergola ist Gionatan Capuano seit Jahren im Clinch mit den Behörden.

Wegen dieser und einer zweiten Pergola ist Gionatan Capuano seit Jahren im Clinch mit den Behörden.

Bild: Reto Martin

Das Verwaltungsgericht hat kürzlich entschieden, dass die beiden Konstruktionen für den Sonnen- und Regenschutz unter anderem aus Gründen des Ortsbildschutzes nicht bewilligungsfähig sind. Capuano ist nicht bereit, sich diesem Urteil zu beugen. Er zieht es weiter ans Bundesgericht.

Er fühle sich nach wie vor ungerecht behandelt, sagt der Wirt.

Gionatan Capuano.

Gionatan Capuano.

Bild: Markus Schoch
«Ich komme mir in Arbon als fremder Fötzel vor.»

Bei den geplanten gastronomischen Zwischennutzungen am See spiele der Ortsbildschutz offenbar anders als bei seinen Pergolen keine Rolle. «Es kann doch nicht sein, dass man mir Steine in den Weg legt und Stadt und Kanton gleichzeitig anderen den roten Teppich auslegen.» Er werde deshalb bei der Bewilligung der Projekte darauf pochen, dass für alle die gleich langen Spiesse gelten. Als Nachbar der neuen Konkurrenz auf dem Hafendamm und auf dem Aussichtsplatz kann Capuano durchaus ein Wort mitreden. Ein erstes Baugesuch für den Standort bei der Wetterstation (Coffee to go) legt die Stadt am Freitag auf. Die anderen würden in den nächsten Wochen folgen, sagt Markus Rosenberger, Leiter der Abteilung Freizeit/Sport/Liegenschaften.