Arbon
Von Papier bis Beton: Das Atelier im Arboner Bildstock öffnet für eine Gruppenausstellung

Wo einst Stanzautomaten produziert wurden, entstehen heute Skulpturen. Anita Staedler öffnet ihr Atelier im Arboner Bildstock für eine Gruppenausstellung. Es ist bereits die dritte.

Max Eichenberger
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Anita Staedler und eine ihrer Wampen.

Anita Staedler und eine ihrer Wampen.

Max Eichenberger

Das Atelier mit seinen grossen Fensterflächen ist lichtdurchflutet, der Raum weiss getüncht und hoch. Er wirkt grosszügig. Arbeitsmaterialien, Maquetten und Figuren in verschiedenen Stadien setzen Farbakzente. Es ist der Arbeitsort von Anita Staedler im Bildstock. Hier kreiert sie ihre filigranen bis wuchtigen Objekte. Sie sagt:

«Ich liebe das Sichtbarmachen von Vorstellungen, von Bildern im Kopf, von Gefühlen aus dem Herzen.»

Das Werkzeug sind ihre Hände. Damit bearbeitet Anita Staedler eine Vielzahl von Materialien: Gips, Draht, Zement und Sandstein, Holz, Styropor, Schaumstoff und Stoff.

Übergang von der Industrie zu Kultur und Wohnen

Der rohe Holzklötzliboden verrät einen Teil der gewerblich und industriell geprägten Geschichte der Liegenschaft. Hier wurde früher gestickt. Bis die Firma Bruderer den Betrieb nach Frasnacht verlegte, hatte das Unternehmen noch mitten im Wohnquartier Stanzautomaten für den Weltmarkt hergestellt. Später folgten verschiedene Zwischennutzungen, Räume dienten als Lager.

Auch die Kultur bekam ihren Platz darin. Zunächst, nachdem Rolf Staedler die ehemalige Fabrikliegenschaft in den Neunzigerjahren erworben hatte, erhielt der Verein Triebwerk Gastrecht. Die Adresse wurde ein Szenenhotspot der jungen Kultur in der ganzen Region. Endo Anaconda und viele andere gaben hier ein Stelldichein.

Es gibt in Arbon Parallelen, wo die Kultur die Industrie beerbte. Man erinnert sich an das Xang in der ehemaligen Forster-Beizerei. Heute stehen dort zwischen Breitehof und Bahnlinie Wohnblöcke. Und das ehemalige Saurer-Presswerk ist heute Kulturzentrum und Eventhalle. Bei der Transformation hatte auch dort Rolf Staedler die Hände im Spiel.

Dritte Gruppenausstellung auf 300 Quadratmetern

Im Bildstock hatten die Staedlers in den Umbau der eigenen Liegenschaft investiert. Es entstanden Loft-ähnliche Wohnungen. Integriert wurden das Atelier und Ausstellungsräume. Anita Staedler sagt:

«Unser Credo war: räumliche Grosszügigkeit.»

An ihrer Wirkungsstätte organisiert sie dieses Wochenende bereits die dritte Gruppenausstellung.

Vor zehn Jahren fand die Gruppe im damaligen Studienumfeld in Winterthur zusammen, wo man sich ein- oder zweimal im Monat immer noch trifft, den Austausch pflegt und Inspiration schöpft. Dabei gehen Patricia Krebs, Klemens Pasoldt, Doris Signer, Marianne Strebel, Charlotte Widmer und Anita Staedler im künstlerischen Ausdruck ganz eigene Wege. Das finde sie spannend und befruchtend, sagt die Gastgeberin.

Spiegelbildlich umfassen die auf einer Fläche von 300 Quadratmetern versammelten Werke ein breites Spektrum von Stilrichtungen, verarbeiteter Materialien und Techniken. Thematisch gibt es keine Vorgaben. Vorherrschend sind Skulpturen und Plastiken – von «Dreidimensionalität» spricht denn auch Anita Staedler bei ihren Werken. Von papierner Leichtigkeit bis zur monumentaler Betonskulptur erstreckt sich die Bandbreite der ausgestellten Arbeiten.

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Ausstellung Atelier Bildstock, Bildstockstrasse 5, Arbon. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 12./13. März, 11 bis 18 Uhr.