Amriswil
«Sie foppten mich wegen meiner roten Haare»: Ein pensionierter Lehrer erzählt im Schulmuseum Mühlebach von seinem ersten Schultag

Mit der Vernissage zur Ausstellung «Ein 1. Schultag» setzt das Amriswiler Schulmuseum auf einen kreativen und partizipativen Neuanfang.

Barbara Hettich
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Projektleiterin Rita Nüesch begrüsst die Gäste der Vernissage. Die Plätze waren aufgrund der Schutzmassnahmen begrenzt.

Projektleiterin Rita Nüesch begrüsst die Gäste der Vernissage. Die Plätze waren aufgrund der Schutzmassnahmen begrenzt.

Bild: Barbara Hettich (Amriswil, 16. Mai 2021)

Griffelschachtel und Schulerthek gab es zu Weihnachten, zur Schule durfte Felix Kottonau erstmals im April 1942. «Die Erinnerungen an meinen ersten Schultag sind lückenhaft», erzählt der pensionierte Lehrer aus Frauenfeld. Er wisse noch, dass seine Mutter ihn bis zum Schulhaus Lippoldswilen begleitet habe – eine Gesamtschule mit 25 Kindern von der 1. bis zur 8. Klasse.

Der pensionierte Lehrer Felix Kottonau erzählte von seinem ersten Schultag.

Der pensionierte Lehrer Felix Kottonau erzählte von seinem ersten Schultag.

Bild: Barbara Hettich (Amriswil, 16. Mai 2021)

Der erste Schultag habe ihn überrumpelt, auch wegen der grossen Buben, die ihn wegen seiner roten Haare foppten. Aber dann gab es im Unterricht viel Spannendes zu hören und zu sehen und mit Farbstiften durfte er ein Bild ausmalen. «Aha, das ist jetzt Schule», habe er bei sich gedacht und als die Mutter beim Mittagessen fragte, ob es ihm gefallen habe, war die Antwort ein klares Ja.

Solche und ähnliche Geschichten sind das Herzstück der neuen Ausstellung «Ein 1. Schultag» im Schulmuseum in Amriswil. Eine Pop-up-Ausstellung, die sich bis Ende Jahr mit der Partizipation der Ausstellungsbesucher weiterentwickeln soll, sagte Museumsleiterin Frauke Dammert bei der Eröffnung am Sonntagnachmittag. Sie dankte den Donatorinnen und Donatoren, die mit ihren Geschichten, Fotos und Objekten den Start ermöglicht hätten. «Wir fangen an, uns neu auszurichten, und Sie sind mit dabei.» Nach einem Aufruf habe das Museum sehr viel Material bekommen, ergänzte Projektleiterin Rita Nüesch:

«Es gibt aber immer noch Regale, die wir gerne mit Geschichten aus der Thurgauer Bevölkerung auffüllen und ergänzen möchten.»
Interessiert betrachten die Besucher die Exponate der Ausstellung. Noch gibt es freien Platz in den Ausstellungsregalen für Geschichten um den ersten Schultag.

Interessiert betrachten die Besucher die Exponate der Ausstellung. Noch gibt es freien Platz in den Ausstellungsregalen für Geschichten um den ersten Schultag.

Bild: Barbara Hettich (Amriswil, 16. Mai 2021)

Auch die Amriswiler Stadträtin Madeleine Rickenbach hat im Auftrag von Museumsleiterin Dammert in ihren Fotoalben nach Erinnerungen an den ersten Schultag gesucht. Sie sagte:

«Das hat mir viele gute Emotionen bereitet.»

Den Schuleintritt habe sie als ziemlich nüchtern und fremd erlebt, «man musste sich selbst durchwursteln». Das Schulsystem habe sich positiv entwickelt und dafür brauche es immer wieder die Reflexion in die Vergangenheit. Im Namen des Stadtrats und der Kulturkommission dankte sie dem Betriebsteam für seinen grossartigen Einsatz. Trotz langer Kulturdurststrecke habe man nicht aufgegeben und sich nicht entmutigen lassen.

Information zu Ausstellungen und Veranstaltungen: www.schulmuseum.ch