Thurgau
Kanton schliesst Stromlücke: Grosse Solarstromanlagen werden rentabel

Die Abteilung Energie fördert dieses Jahr gezielt grosse Fotovoltaikanlagen, die keinen hohen Eigenverbrauch decken. Damit schliesst der Thurgau eine Lücke im Förderprogramm des Bundes. In Affeltrangen ist eine der ersten sieben geförderten Anlagen entstanden. Ihre Besonderheit: Die Anlage ist eingemietet bei einem Unternehmen, das über ein geeignetes Dach verfügt.

Thomas Wunderlin
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Medientermin in Affeltrangen: Auf dem Dach der Lagerhalle wird dank kantonaler Förderung Solarstrom produziert.

Medientermin in Affeltrangen: Auf dem Dach der Lagerhalle wird dank kantonaler Förderung Solarstrom produziert.

Benjamin Manser

Scheunen und Bauernhäuser werden im Thurgau oft von streifenförmigen Solarstromanlagen verziert. Die Eigentümer nützen die Dachflächen nicht voll aus.

Der Grund: Grosse Fotovoltaikanlagen (FV) konnte man bisher trotz Bundesförderung nur bei einem hohen Eigenverbrauch amortisieren. Diese Lücke schliesst der Kanton Thurgau dieses Jahr mit seinem eigenen Förderprogramm.

Er fördert als erster Kanton den Bau grosser FV-Anlagen ab einer Produktionsspitze von 100 Kilowattpeak (kWp). Der Eigenverbrauch darf nicht mehr als 20 Prozent betragen.

Die Abteilung Energie setzt 1,2 Millionen Franken dafür ein; Kaufprämien für Elektroautos gibt es hingegen keine mehr.

Solarpanelplantagen sind unerwünscht: Die FV-Anlagen müssen auf einer bebauten Fläche stehen, wie Rainer Jahnke, Sachbearbeiter der Abteilung Energie, an einer Sommermedienfahrt am Dienstag sagte.

Beträchtliche Unterschiede der Produktionskosten

Bisher sind sieben Projekte berücksichtigt worden, wie Abteilungsleiter Andrea Paoli sagte. Pro Quartal stehen 300'000 Franken zur Verfügung, mit denen die Projekte mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis unterstützt werden.

Gemessen wird dieses an den Kosten pro kWp. Bei den eingereichten Gesuchen schwanken diese zwischen 794 und 1580 Franken pro kWp.

Die Medienorientierung fand auf dem Areal des Bauunternehmens Hofmann&Fisch an der Märwilerstrasse in Affeltrangen statt, wo auf dem Dach einer Lagerhalle eine der sieben Anlagen steht.

Sie umfasst rund 1500 Quadratmeter und liefert Strom für 70 Haushalte. Das Bauunternehmen hat nur einen Eigenverbrauch von 1,5 Prozent.

Eine Besonderheit der Anlage ist, dass sie nicht den Eigentümern des Dachs gehört. Willy Langenegger, Inhaber der Swiss Photovoltaik GmbH aus dem st.gallischen Kriessern, hat die FV-Anlage finanziert und erbaut.

Willy Langenegger, Erbauer von Fotovoltaikanlagen.

Willy Langenegger, Erbauer von Fotovoltaikanlagen.

Benjamin Manser

Für das Dach der Lagerhalle hat er einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren abgeschlossen. Das Bauunternehmen erhält 2000 Franken Miete pro Jahr und Strom zu einem reduzierten Tarif.

Langenegger hat nach eigenen Angaben 350'000 Franken investiert. 90'000 Franken davon hat er vom Förderprogramm erhalten. Bei einer Einspeisevergütung von 7 Rappen pro kWh bringt ihm die Anlage jährlich 21'000 Franken ein, wie er vorrechnete.

Kleinere Reparaturen berücksichtigt, werde die Anlage in 13 bis 15 Jahren amortisiert sein. Was danach hereinkomme, sei die Rendite. Regierungsrat Walter Schönholzer betonte:

«Ohne kantonale Förderung wäre die Anlage nicht gebaut worden.»

Langenegger bestätigte: «Die Amortisation hätte fünf Jahre länger gedauert.» Laut Paoli umfassen die bisher bewilligten Gesuche 2,1 MWp (1000 kWp); bis Ende Jahr würden es 4 MWp sein, was dem Verbrauch von 900 Haushalten entspreche.

Nächstes Jahr wird das Programm angepasst

Die bisher nicht bewilligten Gesuche erhalten im jeweils folgenden Quartal eine neue Chance. Nächstes Jahr wird der Kanton Thurgau das Förderprogramm neu ausrichten, denn auch der Bund will jetzt grosse Anlagen fördern. Paoli wies darauf hin, dass der Solarstromanteil im Thurgau 10 Prozent betrage, während er im Kanton St.Gallen nur 4 Prozent ausmache.

«Für eine ganzjährige Stromversorgung aus erneuerbarer Energie müssten weitere Quellen erschlossen werden», sagte Regierungsrat Schönholzer. Im Thurgau komme dafür vor allem Windenergie in Frage, wobei er das Projekt Wellenberg erwähnte: «Die Stromproduktion aus Sonne und Wind ergänzen sich optimal.»