Thurgau
Endlose Planungen: Das Tiefbauamt hat genug geflickt, jetzt werden Strassenbeläge ersetzt

An der Frauenfelder Promenade wird als Sofortmassnahme der Belag ersetzt, ebenso im Erzenholz, in Felben und in Ermatingen. An allen vier Orten sollten die Strassen in einem umfassenden Projekt saniert werden. Doch die Planungen ziehen sich hin. Das kantonale Tiefbauamt will nicht immer nur einzelne Löcher füllen.

Thomas Wunderlin
Drucken
Der beschädigte Belag auf der Schaffhauserstrasse im Frauenfelder Erzenholz wird ersetzt.

Der beschädigte Belag auf der Schaffhauserstrasse im Frauenfelder Erzenholz wird ersetzt.

Thomas Wunderlin

Eine Strasse kann sanierungsbedürftig sein, auch wenn sie keine tiefen Löcher aufweist. Das ist der Fall bei den Ortsdurchfahrten Erzenholz, Felben und Ermatingen sowie bei der Frauenfelder Promenade. Auf geplante umfassende Sanierungsprojekte kann dort aber nicht länger gewartet werden, meint das kantonale Tiefbauamt.

Der Regierungsrat hat deshalb als Sofortmassnahme einen Auftrag für Belagsarbeiten an eine Arbeitsgemeinschaft der Convia Frauenfeld und der Toldo Rickenbach für 1,77 Millionen Franken vergeben, wie er letzte Woche mitteilte:

«Stellenweise haben die Kantonsstrassen kleinere Löcher, Risse, Belagsdurchbrüche oder sie sind uneben.»

Die Schäden könnten Velofahrer gefährden und die Lärmbelästigung der Anwohner verstärken. Kantonsingenieur Andy Heller erklärt:

Kantonsingenieur Andy Heller.

Kantonsingenieur Andy Heller.

Reto Martin
«Durch die Risse läuft Wasser hinein und der Koffer wird zerstört. Die Folgeschäden sieht man von aussen nicht.»

Unter Koffer versteht man die ungebundene Tragschicht einer Strasse, meist aus Kies oder Schotter. Am besten geschützt sei eine Strasse, wenn ihre Oberfläche dicht sei, sagt Heller. Einzelne Löcher würden jeweils kurzfristig ausgebessert. Doch solche kleineren Schäden träten je länger, je öfter grossflächig auf.

Sofortmassnahme geht sieben Zentimeter in die Tiefe

Als Sofortmassnahme wird nun die oberste Belagsschicht auf eine Tiefe von sieben Zentimetern ersetzt. Im Rahmen der umfassenden Projekte wird der Belag dereinst bis auf eine Tiefe von 20 Zentimetern erneuert; ausserdem werden die Querschnitte für den Langsamverkehr optimiert, Randsteine neu verlegt, Schutzinseln errichtet, Parkplätze aufgehoben, Spuren verengt oder anders geführt.

An der Frauenfelder Promenade beispielsweise wird nun der Belag auf 150 Metern zwischen dem Café Promenade und dem ehemaligen Huber-Verlag ersetzt. Die Neugestaltung der Promenade ist Teil eines Projekts des Frauenfelder Agglomerationsprogramms, wo Stadt und Kanton die Projektarbeiten laut Heller intensiv vorantreiben:

«Trotzdem dauert das noch eine Weile. Machen wir uns nichts vor.»

Projekte des Agglomerationsprogramms betreffen auch den 1,2 Kilometer langen Abschnitt der Schaffhauserstrasse im Erzenholz und den 1 Kilometer langen Abschnitt der Hauptstrasse in Felben. Im Erzenholz geht es unter anderem um Verbesserungen für den Langsamverkehr, wofür Landerwerb nötig ist. In Felben hatte die Gemeindeversammlung 2017 ein Umbauprojekt der Hauptstrasse abgelehnt. Die Planung ist jetzt wieder aufgenommen worden, um Mängel zu beheben, eventuell Trottoirs zu verlängern und Schutzinseln einzurichten.

Heller sagt: «Für eine Projektentwicklung braucht es heute sieben Jahre.» Manchmal auch länger: «Die Planung für die Sanierung der Romanshornerstrasse in Kreuzlingen hat vor 14 Jahren begonnen; jetzt baut man.» Die Romanshornerstrasse sei je länger, je mehr zu einem Ärgernis geworden:

«Es war die himmeltraurigste Strasse, wir haben nur immer geflickt und dafür viel Geld ausgegeben.»

Noch nicht definitiv entschieden ist, ob der 500 Meter lange Abschnitt der Ermatinger Hauptstrasse zwischen Vinorama und Spar als Sofortmassnahme einen neuen Belag erhält. Das Tiefbauamt führt noch Verhandlungen mit der Gemeinde, die eventuell den Ersatz der Werkleitungen nicht mehr aufschieben kann.

Mit der Sanierung nicht zugewartet wird auf der Seestrasse zwischen Steckborn und Berlingen, obwohl hier mittelfristig eine umfassende Neugestaltung geplant ist. Unter anderem soll der Radweg anders geführt und – wo sinnvoll – die Strassenführung korrigiert werden, wozu Landerwerb nötig ist. Auch das Seeufer soll aufgewertet werden. Berlingen, Steckborn und das kantonale Tiefbauamt führen dazu in den kommenden Monaten erst mal eine Studie durch.

Dennoch wird die Convia im Auftrag des Kantons für 1,38 Millionen Franken schon zwischen September und November einen 2,2 Kilometer langen Abschnitt der Seestrasse richtig sanieren – nicht nur als Sofortmassnahme die oberste Belagsschicht ersetzen.

Um mit der Strassensanierung zu warten, gibt es laut Heller keinen Grund. Zur Debatte stehen werden vor allem Massnahmen für den Veloverkehr und Anpassungen von kurzen Strassenabschnitten.

Gemeinden wehren sich gegen Übernahme der Kantonsstrassen

Das Tiefbauamt hat sich das Ziel gesetzt, jährlich 30 Kilometer der Kantonsstrassen mit einer Gesamtlänge von 741,3 Kilometern zu sanieren oder durch eine Sofortmassnahme mindestens die Oberflächen zu ersetzen. Für die Strassen wird ein Lebenszyklus von 25 Jahren angenommen. Bei Flüsterbelägen hat man noch wenig Erfahrung; Heller geht von zehn bis 15 Jahren aus.

Gerne wollte der Kanton 171 Kilometer Kantonsstrassen den Gemeinden abtreten. Auf die Sanierungen hätte dies keinen Einfluss gehabt, da der Kanton den Gemeinden auch die nötigen Mittel dafür überwiesen hätte, wie Heller sagt. Die Gemeinden wehren sich jedoch gegen die Übertragung. Das Geschäft ist im Grossen Rat hängig.