Thurgau
«Die Schweiz hat energiepolitisch ein Eigentor geschossen»

Der Frauenfelder Energie-Publizist Armin Menzi warnt in Sachen Energieversorgung vor einem «weiter so wie bisher». Man müsse die Energieversorgung in ganz Europa komplett neu denken.

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Armin Menzi.

Armin Menzi.

Bild: Nana Do Carmo

Laut Armin Menzi ist die Energiebranche so stark in Bewegung, wie er es noch nie erlebt habe. Und das will etwa heissen. Menzi, Jahrgang 1954, war jahrelang Informationsbeauftragter der Schweizer Stromwirtschaft.

Die Schwierigkeit bei der Bereitstellung von Strom sei, dass er nicht beliebig hergestellt und verbraucht werden könne. «Wird zu viel produziert, so verbrennt das Netz, wird zu wenig produziert, so bricht es zusammen», erläuterte Menzi an der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft Thurgau (AWG).

Mit 60 Prozent Wasserkraft sei die Schweiz zwar potenziell gut aufgestellt. Doch das könnte sich, da das Schweizer Stromnetz ein Teil des europäischen Stromnetzes und dieses auch von Energie-Importen aus dem EU-Raum abhängig sei, ändern. Denn mit dem Abbruch der EU-Rahmenvertragsverhandlungen habe die Schweiz energiepolitisch ein Eigentor geschossen.

Viele Massnahmen, geringer Nutzen

Die Massnahmen, welche Bund und Parlament beschlossen hätten, um der Energiekrise Herr zu werden – wie beispielsweise die Erhöhung der Grimsel-Staumauer um 23 Meter, die Förderung grosser Freiflächen für Solaranlagen in den Hochalpen oder den Rettungsschirm für systemkritische Stromunternehmen wie die Axpo – seien zwar gut, aber nur wenig mehr als ein Tropfen auf dem heissen Stein.

Einschränkungen im Energiekonsum seien unumgänglich, doch dort, wo es am meisten brächte, praktisch unmöglich. Denn die Idee von «rotierenden Netzabschaltungen» könne, so Menzi, in der Industrie nicht funktionieren. Für Private möge es möglich sein, dass sie alle acht Stunden mal vier Stunden ohne Strom sein könnten. Aber in der Industrie sehe dies anders aus. «Je nach Branche kann es nach vier Stunden Stromunterbruch bis zu drei Wochen gehen, bis alles wieder so läuft, wie vor dem Unterbruch.» (red)