GLOSSE
Warum der Schwinger Domenic Schneider die Landeshymne ignorierte

Diese Woche im ResTZucker zwei Thurgauer: Der eine hat Alain Bersets Direktnummer, der andere kennt die Nationalhymne nicht.

David Angst
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Domenic Schneider vor dem Schlussgang am Brunnen.

Domenic Schneider vor dem Schlussgang am Brunnen.

Sven Thomann

Der Amriswiler Robin Spiri hat eine Mission. Er will im Herbst 2023 in den Nationalrat. Der Mann ist die Speerspitze von «Aufrecht Thurgau», einer Vereinigung, welche die Coronamassnahmen als absoluten Stumpfsinn bezeichnet. Spiri will nun erreichen, dass auch im Bundeshaus nie mehr Masken getragen werden müssen.

Zum Bundesrat hat Spiri schon einen guten Draht. Oder zumindest ist es ihm bereits gelungen, Bundesrat Alain Berset anzurufen. Das schafft ja nicht mal die französische Luftraumüberwachung. Diese hatte ein falsches Kennzeichen verwendet, Spiri hingegen hatte Bersets Direktnummer. Sehr zugänglich soll Berset allerdings auch bei Spiri nicht gewesen sein. Jedenfalls hetzte er diesem danach die Bundespolizei auf den Hals. Im ergebnisorientierten Lobbyieren kann Spiri also noch Fortschritte machen.

Der letzte Samstag war für den Schwinger Domenic Schneider ein spezieller Tag. Zuerst verlor er im Sägemehl seinen Ehering. Später den Schlussgang. Der Ring kam zum Glück wieder zum Vorschein. Das grosse Gschtürm ging aber erst am Dienstag los. Im «Blick» stand, Schneider habe die «Nationalhymne ignoriert». Was war passiert? Als vor dem Schlussgang der Schweizer Psalm abgespielt wurde, schritt er zum Brunnen, um sich abzukühlen, statt stramm zu stehen. Das grenze an Landesverrat, finden gemäss «Blick» «Teile der Schwinger-Gemeinde» (die wahrscheinlich alle westlich von Aarau beheimatet sind).

Schneider selber wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Wahrscheinlich hatte er gar nicht bemerkt, dass es sich bei diesem Stück um die Nationalhymne handelt. In Friltschen hat man wohl noch keine Kenntnis davon, dass seit 1961 nicht mehr «Rufst du mein Vaterland» diese Funktion innehat. Sicher ist nur dies: Beim Thurgauerlied wäre ihm das nicht passiert.