Glosse
«Mosttröpfli»: Lieber auf Nummer sicher

«Die Zukunft war früher auch besser», pflegte der deutsche Komiker Karl Valentin zu sagen. Tatsächlich ist es mit der Zukunft so eine Sache. Man weiss nicht, was sie bringt. Ist das nun gut oder schlecht?

Hans Suter
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Eine klare Botschaft der SP Schweiz.

Eine klare Botschaft der SP Schweiz.

Sandra Ardizzone/LTA

Für die Optimisten ist die Hoffnung auf grossartige Chancen ein unerschöpflicher Quell für Glücksgefühle. Pessimisten hingegen tun sich schwer mit der Unvorhersehbarkeit und quälen sich mit bedrückenden Gefühlen, genährt aus Unsicherheit und Angst.

Für Optimisten wie Pessimisten gilt: Im Gegensatz zur Vergangenheit kann man die Zukunft gestalten. Genau das hat die Sozialdemokratische Partei (SP) des Kantons Thurgau vor. Sie will die Zukunft nicht einfach dem Zufall überlassen. Ihre nächste Mitgliederversammlung am 23. August ist deshalb vor allem der Zukunft gewidmet und umfasst zwölf Traktanden. Gleich viele wie Apostel, was ein Zufall sein mag. In der Vergangenheit ist die SP nicht sonderlich durch Nähe zur Kirche aufgefallen. Ein bisschen Support «von oben» kann aber auch Genossinnen und Genossen nicht schaden.

Ob wohl aus diesem Grund die Mitgliederversammlung mit Zukunftsstrategien im katholischen Pfarreizentrum Arbon stattfindet? Wenn die Sozialdemokraten schon mal in der Pfarrei St.Martin sind, soll das Himmlische vorsichtshalber gleich ganz durchdekliniert und die Versammlung im Martinsaal abgehalten werden. Lieber auf Nummer sicher, mag man denken.

Immerhin gilt der Heilige Martin oder Martinus als Schutzpatron mehrerer Berufsgruppen wie der Winzer, Weber und Schneider. Zudem kümmert er sich der frommen Überlieferung nach um Bettler, Soldaten und Haustiere. Da passt vieles zusammen: die Bettler zum SP-Leitmotiv «Für alle statt für wenige», die Soldaten zu den Kommunalwahlen 2023 und die Haustiere zur Martinigans.