Spatenstich
Eine neue Landi in Sirnach – dass es nur ein Provisorium wird, liegt an Wil West

Fünfzehn Jahre lang hat die Landi nach einem neuen Standort für die Wiler Filiale gesucht. Nun erfolgte der Spatenstich in unmittelbarer Nähe zum Entwicklungsprojekt Wil West.

Jochen Tempelmann
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Visualisierung zur künftigen Filiale der Landi in Gloten, Sirnach.

Visualisierung zur künftigen Filiale der Landi in Gloten, Sirnach.

Pd

«Was lange währt, wird endlich gut.» Mit diesen Worten leitete Ueli Kellenberger, Geschäftsführer der Landi Thur AG, am Mittwoch den Spatenstich für die neue Landi-Filiale Wil-Sirnach ein. Wenn alles rundläuft, wird die neue Filiale im Weiler Gloten auf Sirnacher Gemeindegebiet an der Autobahn Mitte Juni 2023 eröffnet.

Wie ein Blick auf die Karte zeigt, ist es indirekt auch ein kleiner erster Spatenstich für Wil West: Sollte das Standortentwicklungsprojekt auf Thurgauer Boden nach dem Nein zur Finanzierung vom St.Galler Stimmvolk doch noch umgesetzt werden, würde die Landi in unmittelbarer Nähe zur neuen Autobahnausfahrt und dem geplanten Gewerbegebiet liegen.

Alte Landi in Wil wird geschlossen

Die Eröffnung der neuen Filiale wird gleichzeitig das Ende für die bisherige Filiale in Wil sein. Auch wenn die ehemalige Getreidemühle für die regionale Geschichte der Landi grosse Bedeutung habe, wie Ueli Kellenberger betont, sei die Ladenfläche nicht mehr zeitgemäss.

Ueli Kellenberger, Geschäftsführer der Landi Thur AG.

Ueli Kellenberger, Geschäftsführer der Landi Thur AG.

Bild: PD

Deswegen plant die Landi Thur AG, welche die Filialen entlang der Thur im Kanton St.Gallen betreibt, schon seit langem einen Neubau. «Schon vor fünfzehn Jahren haben wir dem Lehrling bei der Landi in Wil gesagt, er würde seine Lehre vielleicht woanders abschliessen», erzählt Kellenberger. Die Suche nach einem neuen Standort zog sich aber in die Länge: Bei früheren Planungen hatte Wil West noch einen Strich durch die Rechnung gemacht, da die Gebietsentwicklung noch mit zu vielen Unsicherheiten behaftet war.

Zwischenzeitlich plante man einen Standort in Bronschhofen. Diese Pläne wurden Anfang des Jahres jedoch fallen gelassen, nachdem sich die Pläne für Wil West konkretisiert hatten und klar wurde, dass die Landi nach Sirnach zieht. Auch dort hat man sich schon lange Gedanken um eine mögliche Landi gemacht. Bereits 2009 gab die Bevölkerung grünes Licht für die Umzonung der bislang landwirtschaftlich genutzten Parzelle an der Autobahn. Schon damals hatte man dabei eine Landi im Hinterkopf.

Dass nun die St.Galler Landi Thur AG einen Laden im Thurgau eröffne, sei dennoch etwas Besonderes, betont Kurt Baumann, Gemeindepräsident von Sirnach, anlässlich des Spatenstichs:

«Diese Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze ist wegweisend für Projekte wie Wil West.»

Wil West wirft seine Schatten voraus

Beim Bauprojekt der Landi kommt man um die grossen Pläne zur Standortentwicklung nicht herum. Auf die Kundschaft, die Wil West bestimmt anlocken wird, sei die Landi aber nicht angewiesen, erklärt Ueli Kellenberger: «Die Landi lebt von den Kunden aus der Region.» Wil West hin oder her.

Das Areal der Landi liegt im Weiler Gloten. Auf der anderen Seite der Autobahn soll Wil West entstehen.

Das Areal der Landi liegt im Weiler Gloten. Auf der anderen Seite der Autobahn soll Wil West entstehen.

Bild: PD

Natürlich wäre es schön, eine Autobahnausfahrt direkt nebenan zu haben, ergänzt Kellenberger. Der Kreisel, den aktuelle Konzepte zu Wil West für die Ausfahrt zeigen, würde teilweise auf der Parzelle der Landi zu liegen kommen. Man habe den Bau jedoch extra so geplant, dass sich die derzeit geplante Ausfahrt und das Geschäft nicht in den Weg kommen.

Ein Provisorium für zehn Jahre

Doch wie sich zeigt, ist die Planungssicherheit im zukünftigen Entwicklungsgebiet dann doch noch nicht so hoch: Die neue Filiale ist als Provisorium für zehn Jahre geplant. «Diese aussergewöhnliche Vorgehensweise ist notwendig, da die Zufahrtswege fürs Projekt Wil West noch nicht final festgelegt sind», heisst es dazu aus der Zentrale der Laveba-Genossenschaft, Mehrheitseignerin der Landi Thur.

Spatenstich zur neuen Landi-Filiale Wil-Sirnach: Vertreterinnen und Vertreter der Landi Thur AG, der Laveba, des Architekturbüros und der Gemeinde Sirnach eröffnen symbolisch die Baustelle.

Spatenstich zur neuen Landi-Filiale Wil-Sirnach: Vertreterinnen und Vertreter der Landi Thur AG, der Laveba, des Architekturbüros und der Gemeinde Sirnach eröffnen symbolisch die Baustelle.

Bild: Jochen Tempelmann

Sollte die Landi also doch im Weg stehen, wird das Provisorium wieder abgerissen – so das Zugeständnis an die Behörden. Andernfalls kann die Nutzung auf insgesamt fünfzehn Jahre ausgedehnt werden. Wenn sich das Grossprojekt konkretisiert hat, soll auf jeden Fall eine dauerhafte Lösung folgen.

Nach eineinhalb Jahrzehnten Planungsanlauf folgt also ein Provisorium für zehn Jahre. Landi-Thur-Geschäftsleiter Ueli Kellenberger ist trotzdem zufrieden:

«Ich bin glücklich darüber, dass es eine gute Lösung gibt.»

Gewiss wird der Neubau zeitgemässer sein als die alte Liegenschaft in Wil. Das Schwyzer Architekturbüro Strüby Konzept AG hat einen modernen Bau entworfen, der viel Holz verwendet. Dieses kommt entsprechend dem Regionalitätskonzept der Landi ausschliesslich aus der Schweiz. Auf rund 1700 Quadratmetern sollen so etwa 7000 Artikel im Innen- und Aussenverkauf angeboten werden.