Regio Wil
Wäre eine Aktiengesellschaft ein Modell für Wil West? Weshalb die Regio Wil neue, innovative Ansätze fordert

Die Zukunft des Wirtschaftsraums Wil West bleibt für die Regio Wil ein zentrales Anliegen. Jetzt sind kreative Ideen gefragt, hiess es an deren Delegiertenversammlung. Die Regio Wil will dabei nicht aussen vor bleiben, sondern die Kräfte bündeln und sich aktiv einbringen.

Andrea Häusler
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Die Mitgliedsgemeinden der Regio Wil wollen sich dafür engagieren, dass die Regierungen für Wil West eine Lösung finden, welche ohne die Erschliessungsmillionen aus dem Kanton St.Gallen auskommt.

Die Mitgliedsgemeinden der Regio Wil wollen sich dafür engagieren, dass die Regierungen für Wil West eine Lösung finden, welche ohne die Erschliessungsmillionen aus dem Kanton St.Gallen auskommt.

Bild: PD

Seit dem Nein des Souveräns zum 35-Millionen-Kredit für die Arealerschliessung Wil West am 25. September ist klar: Der Kanton St.Gallen ist nicht mehr Entwickler, sondern nur noch Besitzer der 12,4 Hektaren grossen Landwirtschaftsfläche auf Sirnacher bzw. Münchwiler Gemeindegebiet. Während der Kanton Thurgau das Generationenprojekt vorantreiben und das Gebiet einzonen will, ist weiterhin unklar, was der Kanton St.Gallen mit seinem Land anzufangen gedenkt. Als bisher einzige Optionen nannte die Regierung den Verkauf oder ein Horten. Der Entscheid liegt letztlich beim Kantonsparlament.

Vorschnell verkaufen? Horten? Für Regio-Wil-Präsident Lucas Keel braucht es Alternativen. Lösungen, die Wil West auch ohne die St.Galler Erschliessungsmillionen ermöglichen. Dafür sei aber das Engagement der Region nötig, sagte er an der Delegiertenversammlung der Regio Wil vom Donnerstag in Kirchberg. «Die Abstimmung hat gezeigt, dass es nicht genügt, wenn unsere Gemeinden nicht dagegen sind, quasi im Schlafwagen mitfahren», sagte Keel.

Commitment zuhanden der Regierungen

Die Gemeinden sollen eine aktive Rolle übernehmen. Für dieses Anliegen weibelte Keel persönlich, besuchte Gemeinderatssitzungen, leistete Überzeugungsarbeit. Und er initiierte mit dem Vorstand ein Commitment, in dem die Erwartungen der Mitgliedsgemeinden an die Politik und die Regierungen definiert sind. Die Forderung: Wil West muss auf ein höheres Niveau gebracht und weiterentwickelt werden – nachhaltig für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft.

Ob das Commitment von allen Gemeinden unterzeichnet wird, bleibt abzuwarten. Die Feedbacks aus der Versammlung waren zwar überwiegend positiv, doch es gab auch kritische Stimmen. Etwa aus Niederbüren, einer jenen Gemeinden, die den Erschliessungskredit abgelehnt hatten.

Input «Aktiengesellschaft»

Zurückhaltend gab sich Regierungsrätin Susanne Hartmann, die vor zu hohen Erwartungen warnte. Sie sagte:

«Der Handlungsspielraum bezüglich Innovation ist klein.»

Wichtig sei, dass der Entwicklungsschwerpunkt realisiert werde – auch ohne St.Gallen.

Beitragsstruktur angepasst

Die Regio Wil budgetiert für 2023 ein Defizit von 92’150 Franken. Für die Jahre bis 2026 sieht der Finanzplan Verluste in vergleichbarer Grössenordnung vor. Dies bei einem Gesamtbudget von rund 1,5 Millionen Franken.

Die Delegierten bewilligten am Donnerstag eine Reduktion der Mitgliederbeiträge für Gemeinden ausserhalb des Aggloperimeters von 7.50 auf 6.50 Franken je Einwohnende. 

Ausserdem hiessen sie die neue Leistungsvereinbarung mit dem WirtschaftsPortalOst für weitere vier Jahre gut. (ahi)

«Es gäbe schon Möglichkeiten», sagt Lucas Keel später auf Nachfrage, und nannte als Beispiel die Gründung einer Aktiengesellschaft durch den Kanton. «Diese gibt pro Quadratmeter eine Aktie aus und die Regio-Gemeinden haben die Möglichkeit – im Verhältnis zur Einwohnerzahl – Aktien zu erwerben und, nach Ablauf der Zeichnungsfrist, weitere dazuzukaufen.» Wobei sich die Gemeinden jede Aktie an das vom kantonalen Raumkonzept vorgegebene Entwicklungsziel anrechnen lassen könnten.

Eine Win-win-Situation

Wie sich der Vorschlag, den Keel explizit als «reinen Denkanstoss» qualifiziert, auf die Gemeinde Uzwil auswirkte, erklärt er in Zahlen.

Für die Erschliessung von 120'000 Quadratmeter Land in Wil West rechnete der Kanton St.Gallen mit 35 Millionen Franken – also 291 Franken je Quadratmeter. Zeichnete Uzwil mit seinen 13’500 Einwohnern anteilsmässig Aktien, kosteten diese vier Millionen Franken. Keel sagt:

«13'500 Quadratmeter entsprechen etwa der Fläche, die wir mit der neuen Ortsplanungsrevision an der Gupfenstrasse einzonen würden.»

Für einen Verzicht Uzwils zu Gunsten einer zentralen Ansiedlung von Industrie- und grossen Gewerbe-Arbeitsplätzen gebe es gute wirtschaftliche, verkehrstechnische und ökologische Argumente.

Unternehmen, die sich in Wil West ansiedeln wollen, konkretisiert Lucas Keel, könnten von der Immobiliengesellschaft, vom Kanton und den Regionsgemeinden, Aktien und damit Nutzungsrechte am Areal erwerben. «Dabei bliebe das Eigentum am Gesamtareal immer in einer Hand.» Und noch etwas, hebt Keel hervor:

«Wil West bliebe nicht eine reine Kantonsaufgabe, sondern würde zu einem regionalen Vorhaben.«

Und schliesslich habe die Idee den Vorteil, dass der Ertrag aus dem Kapital «Grundstück» in der Region und bei der Öffentlichkeit bleibt.