Abwasser
Jahrhundertprojekt erfolgreich abgeschlossen: Der Ausbau der Aadorfer Kläranlage kostet 1,8 Millionen Franken weniger als budgetiert

Die 23 Delegierten aus den vier Verbandsgemeinden des Abwasserzweckverbandes Lützelmurgtal genehmigten am Dienstagabend Jahresrechnung, Budget und zwei Bauabrechnungen.

Kurt Lichtensteiger
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Die Aadorfer Kläranlage während der Ausbauarbeiten

Die Aadorfer Kläranlage während der Ausbauarbeiten

Bild: Olaf Kühne, 30. März 2021

Verbandspräsident Matthias Küng dankte allen Beteiligten am nicht alltäglichen Projekt. «Auch wenn vieles gemacht ist, so stehen noch Optimierungen und Verbesserungen an, was im Budget 23 zum Ausdruck kommt. Investitionen gibt es noch bis 2027», sagte der Aadorfer Gemeindepräsident. Überlegungen habe man sich zur Fotovoltaikanlage gemacht, so etwa zu einem Solarfaltdach, doch sei es nicht per se die Aufgabe einer ARA, Strom zu produzieren. Angesichts der heutigen Ausgangslage sei das Thema aber nicht vom Tisch.

Verbands- und Gemeindepräsident Matthias Küng

Verbands- und Gemeindepräsident Matthias Küng

Bild: Kurt Lichtensteiger

Die Investitions- und Erfolgsrechnung des mehrjährigen Projekts wurde von den Delegierten aus den Verbandsgemeinden Aadorf, Eschlikon, Bichelsee-Balterswil und Hagenbuch ebenso einstimmig genehmigt wie das Budget 2023. Etwas schwieriger zu beurteilen war hingegen die Bauabrechnung zur generellen Entwässerungsplanung (GEP).

Zum günstigen Zeitpunkt

Vor 50 Jahren ist die Aadorfer Kläranlage gebaut worden. Im Jahr 2016 begann die Planung mit Einbezug der Biologie. Im November 2018 schloss sich die vierte Stufe an, die Elimination der Mikroverunreinigung (EMV). Baustart dazu war vor drei Jahren, nämlich am 20. August 2019. Baukommissionspräsident Bruno Lüscher orientierte anhand von eindrücklichen Bildern über die Baugeschichte. Man habe damals die Kosten für ein Solarfaltdach mit einer Grösse von 600 Quadratmetern und Kosten von 400’000 Franken als nicht wirtschaftlich erachtet. Aus energietechnischen Gründen sehe das heute allerdings anders aus, meinte auch er.

Wöchentliche Bausitzungen, 53 Nachträge und 652 Rechnungsbelege zeigen unter anderem auf, welch gerüttelt Mass Arbeit auf den Schultern der Baukommission lag. Der Präsident dankte dann allen am Bau der topmodernen Anlage Involvierten und zeigte sich erfreut, dass keine Unfälle zu verzeichnen waren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 14,1 Millionen Franken, woran sich das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit rund 5 Millionen beteiligt. Man habe somit rund 1,8 Mio. Franken besser abgeschlossen als geplant.

Eher kein Trinkwasser

Die Ausführungen zum neuen Kostenverteiler zeigten keine grossen Abweichungen. Ein Lob gab es schliesslich von Otmar Fäh vom Amt für Umwelt: Er ist überzeugt, dass das überarbeitete Gewässerschutzgesetzt eingehalten werden kann und dies auch auf längere Sicht. Zudem sei es weitsichtig gewesen, ein Notstromaggregat zur Stromversorgung für Notzeiten angeschafft zu haben.

Am Wanderweg bei der Kläranlage steht ein Brunnen. Ob das fliessende Wasser aus dem Hahn wirklich Trinkwasser ist, muss eher verneint werden. «Es ist sehr gut gereinigt. Zu 80 Prozent sind die Chemikalien eliminiert, aber eben nicht vollständig», sagte Fäh. Eine Tafel soll auf den Sachverhalt hinweisen.

Der Edelstahlbrunnen am Ende der Kläranlage.

Der Edelstahlbrunnen am Ende der Kläranlage.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Danach wurden Dario Holenstein, Gemeinderat aus Bichelsee-Balterswil, für Jacqueline End in die Betriebskommission gewählt. Ebenso Florian Hauser, Hagenbuch, als Ersatz für Bernhard Peter.

Nach anderthalb Stunden hatten die Versammlungsteilnehmenden einen erweiterten Apéro verdient. In aufgeräumter Stimmung, denn in Bälde kann aus der Baukommission eine Festkommission gebildet werden. Dies im Hinblick auf das grosse Einweihungsfest «50 Jahre Kläranlage Aadorf» am 2. und 3. Juni 2023.

Stefan Schärer, Ralf Luchsinger und Hans Müller sind für die ARA Lützelmurgtal zuständig

Stefan Schärer, Ralf Luchsinger und Hans Müller sind für die ARA Lützelmurgtal zuständig

Bild: Kurt Lichtensteiger