Aadorf
«Eine angeregte Diskussion ist Ausdruck einer gelebten Demokratie» – In Aadorf ist Finanzlage angespannt, Steuerfuss wurde erhöht

Der Aadorfer Gemeinderat beantragte an der Gemeindeversammlung eine Erhöhung des Steuerfusses von 55 auf 61 Prozent. Mit Erfolg, aber nicht ohne Nebengeräusche.

Kurt Lichtensteiger
Drucken
Die Gemeindebehörde von Aadorf.

Die Gemeindebehörde von Aadorf.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Dass am Mittwochabend der Gemeindesaal angesichts der vorgelegten Steuerfusserhöhung gut gefüllt sein würde, war keine Überraschung. Im Vorfeld wiesen bereits Stammtischgespräche und ein Leserbrief auf den ungeliebten Sachverhalt hin. Beim Budget 2022 ging der Gemeinderat von erheblichen Mindererträgen bei den Steuern aus, Befürchtungen, die jedoch nicht eintrafen. Die Steuererträge hielten sich auf dem gewohnten Niveau.

Mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes in Aadorf steht 2023 ein grösseres Investitionsprojekt an. Zudem sind unaufschiebbare Strassensanierungen vorgesehen. Die latente hohe Verschuldung der Gemeinde hat den Gemeinderat deshalb dazu bewogen, den Steuerfuss von bisher 55 Prozent auf neu 61 Prozent anzuheben. Mit diesen Massnahmen könnten künftige Investitionen vermehrt selbst finanziert werden und ein Abbau der Schulden möglich machen. Gemäss der aktuellen Finanz- und Investitionsplanung soll ein Schuldenabbau ab dem Jahr 2026 realistisch sein.

Der Voranschlag sieht einen Aufwand von 21’059’700 Franken und einen Ertrag von 21’873’800 Franken vor, sodass ein Ertragsüberschuss von 814’000 Franken resultiert. Dass die Bruttoverschuldung einen kritischen Wert erreicht, bleibt unbestritten. Die Nettoinvestitionen im nächsten Jahr belaufen sich auf 4,3 Millionen Franken.

Zahlreiche Wortmeldungen

Gemeindepräsident Matthias Küng erläuterte im Detail den knapp 300 Stimmberechtigten das Budget 2023 und den Finanzplan 2024 bis 2027. Bei der anschliessenden Diskussion blieben kritische Fragen nicht aus: «Ich schätze eine angeregte Diskussion, denn sie ist Ausdruck einer gelebten Demokratie», bekräftigte Küng. All die auf ihn einprasselnden Fragen beantwortete er souverän, sachlich und einleuchtend. Und es waren in der Tat nicht wenige Wortmeldungen.

Schulgemeinde Aadorf

Im Vergleich zum Budget 2022 rechnet auch die Volksschulgemeinde für das kommende Jahr mit einem höheren Aufwand. Dies in einer Grössenordnung von rund 8 Prozent auf ein Total von 21,9 Millionen Franken. Grund hierfür sind die massiv höheren Schülerzahlen sowie Lohnanpassungen. Bei den Steuereinnahmen rechnet die Schulgemeinde mit einer Zunahme von rund 2,5 Prozent. Für die zukünftigen Investitionen in den Jahren 2024 bis 2028 stehen rund 38 Millionen Franken zu Buche. «Das bedeutet, dass der Steuerfuss ab 2024 wieder erhöht werden muss, damit die Verschuldung nicht zu stark ansteigt», so Schulverwalter Markus Büsser. Der Steuerfusses von 90 Prozent wurde von den 291 Stimmberechtigten ebenso genehmigt wie das Budget und die Investitionsrechnung. (kli)

Sie reichten von fehlendem Kostenbewusstsein im Gremium über Sparappelle, von Geld zum Fenster hinauswerfen bis zur Vergoldung von Strassen wie zum Beispiel in Weiern und Aawangen. Ein Votant plädierte dafür, dem Budget zuzustimmen, eine Vorfinanzierung jedoch abzulehnen, ein anderer den erhöhten Steuerfuss und das Budget abzulehnen. Ein weiterer befürwortete den Neubau des Feuerwehrdepots und erachtete die Sanierung des Bahnhofplatzes als unwichtig. Küng bewahrte stets Contenance und antwortete:

«Zum Teil handelt es sich um gebundene Vorgaben oder gesetzliche Auflagen. Wo wollen Sie sparen, bei der Verwaltung, der Kultur, der Bildung oder beim Verkehr? Sagen Sie es mir.»

Ein Antrag, über die Bücher zu gehen und in der Erfolgsrechnung 300’000 Franken einzusparen, wurde mit 164 Nein gegen 56 Ja abgelehnt. Auf die Vorfinanzierung von 500’000 Franken zu verzichten und für den Schuldenabbau zu verwenden, wurde mit 142 Ja gegen 100 Nein angenommen. Schliesslich setzte sich der Antrag des Gemeinderates durch: Die Erhöhung des Steuerfusses auf 61 Prozent wurde mit 176 Ja gegen 83 Nein angenommen. Ebenso das Budget 2023 mit Anpassung der Vorfinanzierung dank 181 Ja- und 63-Nein-Stimmen.

Versöhnlicher Schluss

Mit Beifall angenommen wurden zu Versammlungsbeginn die zehn Eingebürgerten. Unter dem Traktandum Varia wurde bekanntgegeben, dass das Munitionsdepot, im Baurecht der Bürgergemeinde, abgebrochen wird, zumal der Eisweiher für das Eislaufen nicht mehr gewartet wird. Eine neue Lagerhalle für Schnitzel soll an der Weiernstrasse einen Ersatz bieten. In der Causa «Ehemaliger Lindensaal» und insbesondere dem Gebäude der einstigen «Venus» herrsche nur bei den Anwälten nicht Funkstille.

Nächste bemerkenswerte Termine seien der Neujahrsapéro 2023 am 1. Januar um 17 Uhr und die Erneuerungswahlen der Gemeindebehörde am 12. März 2023. Mit der vorgängigen Schulgemeindeversammlung waren gut drei Stunden vergangen, ehe bei einem Apéro noch weiter diskutiert werden konnte.