Zuckerrübenpflanzer atmen auf: Es gibt einen Lichtblick

Der Anbau von Zuckerrüben wird für die Bauern interessanter. Für die Zuckerfabriken ist das auch nötig, damit sie nicht noch mehr Rüben importieren müssen.

Thomas Güntert
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Zuckerrübenproduzenten an der Informationsveranstaltung in Felben-Wellhausen.

Zuckerrübenproduzenten an der Informationsveranstaltung in Felben-Wellhausen.

Thomas Güntert

Schlechte Erzeugerpreise, Klimaeinflüsse und Pflanzenkrankheiten haben den Schweizer Zuckerrübenproduzenten in den letzten Jahren den Verleider gemacht. Seit 2017 ist die Anbaufläche von 20'000 Hektaren auf weniger als 17'000 Hektaren und die Anzahl der Rübenbauern von 5000 auf rund 4200 zurückgegangen.

Durch den zunehmenden Befall der Zuckerrübenkrankheit SBR ist in diesem Jahr insbesondere der Anbau in den grossen Rübenkantonen Bern und Waadt eingebrochen. Im Kanton Thurgau reduzierten sich die Anbauverträge für 2022 gegenüber dem Vorjahr von 2500 auf rund 1700.

Bund steht hinter den Zuckerrübenbauern

«Der National- und Ständerat hat sich klar für die Zukunft vom Zuckerrübenanbau in der Schweiz entschieden», sagte Josef Meyer, Präsident vom Schweizerischen Verband der Zuckerrübenpflanzer, zu den rund 80 Rübenbauern, die zur Infoveranstaltung nach Felben-Wellhausen kamen. Bis ins Jahr 2026 sind im Landwirtschaftsgesetz Einzelkulturbeiträge von 2100 Franken pro Hektare und ein Mindestgrenzschutz von 70 Franken pro 100 Kilogramm Zucker gesichert, was der Zuckerrübenbranche Planungssicherheit gebe. Durch die Branchenvereinbarung steigt der Grundrichtpreis für konventionelle Zuckerrüben um fünf Franken auf 50 Franken pro Tonne.

Anbau von Bio Zuckerrüben ist mühsam aber lukrativ

Die ökologischen Anbauformen Bio und IP Suisse werden zusätzlich mit 200 Franken pro Hektare gefördert. Meyer bemerkte, dass beim totalen Verzicht von Pestiziden zusätzlich Ressourceneffizienzbeiträge bis 800 Franken pro Hektare möglich seien. Der Richtpreis für Bio-Zuckerrüben liegt mit 158 Franken pro Tonne schon über dem dreifachen Erzeugerpreis der konventionellen Zuckerrübe.

Peter Imhof, Leiter vom Rübenmanagement bei der Schweizer Zucker AG, bemerkte, dass das Endprodukt für den Konsumenten das gleiche ist und der höhere Preis für den nachhaltigen Anbau bezahlt wird. «Das ist das gleiche wie beim Strom», sagte Imhof und betonte, dass Nachhaltigkeit gefragt ist, aber auch bezahlt werden muss.

Im Jahr 2021 wurde der Anbau nach Bio und IP-Suisse Richtlinien im Vergleich zum Vorjahr mit rund 3000 Hektaren mehr als verdoppelt. Die Zucker AG benötigt aber mindestens 1,6 Millionen Tonnen Zuckerrüben, die seit 2019 in dieser Menge in der Schweiz nicht mehr produziert wurden. Die fehlende Menge wird durch Importe aus Deutschland kompensiert. «In der Schweiz braucht es mehr Anbaufläche, Pflanzer und Rüben», betonte Imhof und wies auf die erfreuliche Entwicklung an der Londoner Zuckerbörse hin, auf der im letzten Jahr der Preis pro Tonne Zuckerrüben von 400 auf 500 Dollar gestiegen ist.