Neuer OL-Cheftrainer Kilian Imhof: «Wenn nötig, werde ich die Betreuung der Hubmanns aufgeben»

Nach über zehn Jahren Pause zu Gunsten der Familie übernimmt der Thurgauer Kilian Imhof wieder eine Spitzenposition im Orientierungslauf. Er wird ab 2020 Cheftrainer des Schweizer Elitekaders.

Matthias Hafen
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Kilian Imhof (links) im Gespräch mit Simon Niggli-Luder. 2006 war der Thurgauer noch Nationaltrainer im Orientierungslauf. Nach einer längeren Pause kehrt Imhof Anfang 2020 als Cheftrainer Elite zum nationalen Verband Swiss Orienteering zurück. (Brigitte Wolf/Photopress/Otepää, Estland, 9. Mai 2006)

Kilian Imhof (links) im Gespräch mit Simon Niggli-Luder. 2006 war der Thurgauer noch Nationaltrainer im Orientierungslauf. Nach einer längeren Pause kehrt Imhof Anfang 2020 als Cheftrainer Elite zum nationalen Verband Swiss Orienteering zurück. (Brigitte Wolf/Photopress/Otepää, Estland, 9. Mai 2006)

Was können Sie tun, um die Schweiz im OL auch künftig an der Weltspitze zu halten?

Die Voraussetzungen, sprich die Strukturen von Swiss Orienteering, sind heute schon besser als in führenden Nationen aus dem Norden. Dies, weil bei uns der nationale Verband mehr Gewicht hat, im Norden sind es die einzelnen Clubs. Wichtig ist, dass wir die jungen Sportler gut integrieren und ausbilden – nicht zuletzt für künftige Arbeiten im Trainerbereich. Das bedeutet viel Arbeit, aber so wird die Schweiz langfristig in den ersten drei Nationen des OL-Sports bleiben.

Kilian Imhof (Bild: PD)

Kilian Imhof (Bild: PD)

Mit Daniel und Martin Hubmann stammen zwei aktuelle Aushängeschilder wie Sie aus dem Hinterthurgau.

Das freut mich natürlich besonders. Auch, weil ich sie schon seit Jahren persönlich betreue.

Gibt es da künftig keine Interessenskonflikte?

Doch. Etwa, was die Selektionen betrifft. Meine Doppelrolle müssen wir intern besprechen. Ich will auch wissen, was unsere Spitzenathleten dazu meinen. François Gonon, der Nationaltrainer der Männer, hat mir signalisiert, dass er es begrüssen würde, wenn ich die Hubmanns weiterhin betreue. Aber wenn es gewünscht wird, werde ich die Betreuung aufgeben.

Daniel Hubmann ist 36-jährig. Wie lange können wir uns noch ob der Erfolge der «Hubmänner» erfreuen?

Das Hochleistungsalter im OL liegt etwa zwischen 25 und 35 Jahren. Einer wie Daniel Hubmann kann aber auch mit 40 noch eine WM-Medaille gewinnen. Die Heim-WM 2023 in Flims könnte ein wichtiger Termin in seiner Karriere sein. Zumal es seine erste WM in der Schweiz sein würde. 2003 in Rapperswil-Jona stand er nicht im Aufgebot, 2012 in Lausanne war er verletzt.

Und Martin Hubmann?

Er ist erst 30 Jahre alt und wird wohl noch ein paar Jahre erfolgreich weitermachen.

Hinter den Thurgauer Brüdern kommt im Leistungsbereich aus der Ostschweiz fast niemand nach. Die Post geht in der Region Bern, im Mittelland und rund um Zürich ab. Weshalb?

Das liegt auch daran, dass die nationalen Leistungszentren in Bern und Zürich stehen. Aber es ist richtig: Im Leistungsbereich muss man in der Region Nordost wieder mehr investieren.

Wurde es verpasst, Nachwuchs heranzuziehen?

Im Breitensport erfreut sich der Orientierungslauf in der Ostschweiz grösster Beliebtheit – nicht zuletzt dank der Öpfel-Trophy im Kanton Thurgau. Die Clubs arbeiten also gut und immerhin war die Ostschweiz an der Junioren-WM und der Jugend-EM vertreten. Talente, die es an die Weltspitze schaffen können, fallen aber auch in der Schweiz nicht vom Himmel.