Unterstützungsgelder
«Es geht weiter, bis das Geld weg ist»: Stadt Frauenfeld hat bisher knapp die Hälfte aus Covid-19-Fonds zugesichert, unter anderem für eine Massage-App

Zur Abfederung der Pandemie äufnete die Stadt einen Fonds mit 1,26 Millionen Franken aus dem Gewinn der Rechnung 2019. Mittlerweile sind rund 230’000 Franken ausbezahlt, rund 580’000 Franken sind nach bewilligten Gesuchen zugesagt. Ein Teil der Steuergelder ist zu Markus Benz geflossen, der eine Massage-App entwickelt hat.

Samuel Koch
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Markus Benz zeigt im Eingangsbereich seiner Lifestyle-Massagepraxis, wie seine entwickelte Applikation funktioniert.

Markus Benz zeigt im Eingangsbereich seiner Lifestyle-Massagepraxis, wie seine entwickelte Applikation funktioniert.

Bild: Belinda Schmid

Eine kurze Registration und man ist drinnen. E-Mail, Name und Postleitzahl reichen und die App der Lifestyle-Massagepraxis in Frauenfeld steht allen Smartphone-Inhabern jederzeit zur Verfügung. Abrufbar sind Einzel- und Paarmassagen ebenso wie Trainingsübungen inklusive jeweiligem Video oder Fachartikel. Die Massage-App mit Anleitungen zu Nacken- oder Gesichtsmassagen an sich selbst oder jemand anderem hat Markus Benz entwickelt. Er sagt:

«Die Anwendung ist simpler als simpel.»
Selfmassagen für verschiedene Körperbereiche mit den jeweiligen Anleitungsvideos.

Selfmassagen für verschiedene Körperbereiche mit den jeweiligen Anleitungsvideos.

Bild: Screenshot

Wer also verspannt ist, an muskulären Beschwerden leidet oder einfach nur zu Hause trainieren will, kann sich virtuell rasch Hilfe bei Benz und seiner Mitarbeiterin Nicole Berger holen. Auf die Idee gekommen ist der Frauenfelder, der seine Massagepraxis seit 2012 betreibt, um für sein Geschäft mehr Leute zu erreichen. Die zahlreichen Anleitungsvideos hat Benz bisher alle selber produziert, was viel Zeit gekostet hat. Zudem hat er viel Geld investiert. «30’000 Franken sind die überschaubaren Kosten, mit den versteckten ist es wohl doppelt so viel», meint Benz.

Warum ist das wichtig? 30’000 Franken hat Benz aus dem städtischen Covid-19-Fonds erhalten. Den doppelten Betrag hat er ursprünglich beantragt. Die Lifestyle-Massage-App sei ein gutes Beispiel für eine innovative Idee, sagt Peter Koch. Der Leiter des städtischen Amtes für Kommunikation und Wirtschaftsförderung sitzt ebenfalls in der Fachjury, welche die Gelder aus dem Covid-19-Fonds spricht, der mit dem Gewinn der Rechnung 2019 geäufnet worden ist und zur Abfederung der pandemischen Auswirkungen dienen soll. Von den ursprünglich 1,26 Millionen Franken ist bisher knapp die Hälfte zugesagt. Koch sagt:

«580’000 Franken sind versprochen, bisher ausbezahlt jedoch erst 230’000 Franken.»
Peter Koch, Leiter Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Peter Koch, Leiter Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Bild: Kevin Roth

Das gründet daher, dass viele der Gesuchsteller ihre mit Steuergeldern unterstützten Investitionen noch nicht umgesetzt hätten, sprich, dass die Rechnungen der Drittdienstleister noch nicht eingetroffen seien, ergänzt Koch.

36 Gesuche insgesamt, eines über 40’000 Franken

Insgesamt sind bisher 36 Gesuche bei der Fachjury eingegangen mit einem total ersuchten Betrag von über einer Million Franken. Das ist aber inklusive der abgelehnten Gesuche, betont Koch. Bei einigen seien – wie bei Markus Benz – nicht die ganzen Beiträge, sondern lediglich Teile davon ausbezahlt worden. Lediglich ein Betrag über 40’000 Franken, wofür es einen Beschluss des Stadtrates benötigt, ist bisher eingegangen. «Der Betrag ist bewilligt, jedoch ist er bisher noch nicht ausbezahlt worden», sagt Koch, ohne aus Datenschutzgründen einen Namen oder eine Idee nennen zu wollen. Über Gesuche ab 300’000 Franken müsste der Gemeinderat entscheiden.

Die Fachjury sitzt monatlich zusammen, um Gesuche zu besprechen. Nur im November mussten keine neuen Anfragen behandelt werden, weshalb Koch weiterhin dazu aufruft, Ideen einzureichen, die den Kriterien entsprechen. Er sagt:

«Es geht weiter, bis das Geld weg und der Fonds leer oder die maximale Zeitspanne bis 30. November 2023 erreicht ist.»

Bisher stammen Gesuche vor allem aus Detailhandel und Gastronomie wie etwa der Foodtruck fürs Brauhaus Sternen oder die Erweiterung der Tanzschule «The Motion Factory» der Rock Academy. Langsam, aber sicher kämen auch vermehrt Ideen von Vereinen. Noch überhaupt keine Gesuche hingegen sind bisher aus der Industrie eingetroffen, wie Koch sagt.

Gewinn aus Rechnung 2020 nicht zur Diskussion

Grundsätzlich laufe es gut, es tröpfelten immer wieder einzelne Gesuche ein, resümiert Koch. Stadtpräsident Anders Stokholm pflichtet ihm bei. «Die Vielfalt ist erfreulicherweise recht gross. Noch wenig zum Zug gekommen sind Vereine, die aber auch kaum Gesuche gestellt haben», betont er. Auf die Frage, ob es im Stadtrat Überlegungen gegeben hat, auch den Gewinn aus der Rechnung 2020 (2,15 Millionen Franken) in den Covid-19-Fonds zu stecken, meint Stokholm:

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Bild: Michel Canonica
«Eine weitere Äufnung stand nicht zur Diskussion, da schon die Dotierung mit 1,2 Mio. Franken verhältnismässig grosszügig war.»

Der bisherige Verwendungsumfang stütze diesen Eindruck. Zudem budgetiert die Stadt für 2022 mit einem Defizit von rund 3,9 Millionen Franken und prognostiziert eine Steuerfusserhöhung per 2024.