Ukraine-Krieg
Defibrillatoren, Verbandsmaterial und Medikamente: Aadorfer Firma Procamed unterstützt Hilfslieferung an polnisch-ukrainische Grenze

Im Auftrag einer privaten Stiftung rüstete die Aadorfer Firma Procamed fünf Ambulanzfahrzeuge mit Rettungsmaterialien aus. Diese wurden an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht.

Kurt Lichtensteiger
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Die Ambulanzen werden beladen und befinden sich bereits in der Ukraine.

Die Ambulanzen werden beladen und befinden sich bereits in der Ukraine.

Bilder: Kurt Lichtensteiger

Zwei Mercedes-Fünftönner, gelbe Ambulanzfahrzeuge mit Zürcher-Nummernschild, erweckten an der Schulstrasse beträchtliches Aufsehen. Nicht wegen eines Unfalls, sondern wegen einer überraschenden Ausnahmesituation. Über den vergangenen Samstagmittag wurden die bereitstehenden Fahrzeuge nämlich von Procamed-Angestellten eifrig bis unters Dach beladen. Und zwar mit Defibrillatoren, Wiederbelebungsgeräten, Patientenmonitoring, Infusions- und hochkomplexen Anästhesiegeräten, Inkubatoren, Sauerstoff-Barren, Verbandsmaterial und Medikamenten, vor allem Insulin. So weit, bis das Transportgewicht 1.2 Tonnen erreicht hatte.

Dann, nach 36-stündiger ununterbrochener 36-stündiger Arbeit, machten sich am frühen Nachmittag die unerschrockenen Fahrer mit der lebensrettenden Ladung auf den Weg zur polnischen Grenze. Mit dem einzigen Ziel im Fokus: Leben retten. Gut 1500 beschwerliche Kilometer lagen noch vor ihnen. Die derzeitige Lufttemperatur um die Nullgradgrenze war kein Nachteil, hätten doch bei Wärme gewisse Medikamente gekühlt werden müssen.

Risiko fährt mit

Es ist anzunehmen, dass die freiwillig tätigen Chauffeure, es sollen überwiegend Männer aus Ex-Jugoslawien sein, die das Kriegselend einst aus eigener Anschauung selbst erfahren hatten am vergangenen Wochenende am Bestimmungsort ankamen. Dort, an der polnisch-ukrainischen Grenze, sollen die Fahrzeuge mit deren Inhalt von ukrainischen Ärzten übernommen werden. Dann geht es mit den ukrainischen Abnehmern ab durch ukrainisches Kriegsgebiet.

Die Hilfsgüter werden verpackt.

Die Hilfsgüter werden verpackt.

Bild: PD

«Die Fahrer aus der Schweiz werden wohl danach per Taxi ab der Grenze und darauf ab Warschau mit dem Flugzeug zurückkehren. Die beiden Fahrzeuge hingegen, für diese ist das Gefahrenpotenzial weit grösser. Sie sind vor Bombenangriffen keineswegs gefeit», sagte Sascha Prohaska, Mitglied der Geschäftsleitung der Firma Procamed, in der Schweiz eine der grössten Ausrüster von Rettungstechnik, mit dem Kerngeschäft Defibrillatoren. Ob schliesslich all das Material für Spital und Ambulanzen im Kriegsgebiet an der erwünschten Stelle angekommen ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.

Gemeinsam Leben retten

«Schon am 12. März hat ein ähnliches Unternehmen mit drei Fahrzeugen den risikoreichen Auftrag erfüllt. Pausenlos sind die Fahrzeuge bis zur polnischen Grenze durchgefahren, rund 20 Stunden. Im Notfall können Ruhezeiten doch mal obsolet werden», sagte Prohaska. Finanziell und ideell möglich gemacht hat die risikoreiche Aktion eine private Stiftung, die gern Gutes tut, deren Namen jedoch an dieser Stelle ungenannt sein soll. Mehrere 100’000 Franken habe diese grosszügige Stiftung aufgewendet, um Leben zu retten.

Bis unters Dach wurden die gebrauchten und umgerüsteten Ambulanzen beladen.

Bis unters Dach wurden die gebrauchten und umgerüsteten Ambulanzen beladen.

Bilder: Kurt Lichtensteiger

Zweifellos eine mutige und selbstlose Tat, die das Leid der Kriegsopfer erleichtern soll. Mitten im Boot in dieser Solidaritätswelle ist auch die Aadorfer Firma Procamed, geführt von Sascha Prohaska und dessen Sohn Marc. Sie boten Gewähr dafür, die immensen logistischen Probleme innert kurzer Zeit zu lösen, einschliesslich aller damit verbundenen bürokratischen Auflagen. Keine Hauruckübung, sondern angesichts der Vorlaufzeit mit einer Meisterleistung.