Thurgau
Kunst kommt von Kaufen: Wie das Kunstmuseum seine Sammlung erweitert

Die Ankaufskommission des Thurgauer Kunstmuseums zeigt sich wohlwollend zu jungen Künstlern, will aber nicht fürsorgerisch wirken.

Dieter Langhart
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Hans Jörg Höhener, Mitglied der Ankaufskommission.

Hans Jörg Höhener, Mitglied der Ankaufskommission.

Ralph Ribi

Das Kunstmuseum in der Kartause Ittingen ist der wichtigste Sammler von Thurgauer Kunst. In der aktuellen Ausstellung «Neue Kollektion – Kunst hier und jetzt» sind Werke von rund zwei Dutzend Kunstschaffenden zu sehen, die in den letzten vier Jahren erstanden worden sind.

Über das Wie, Wo und Warum gaben am Dienstagabend zwei Mitglieder der Ankaufskommission Auskunft vor rund fünfzig Interessierten: Hans Jörg Höhener und Alex Hanimann; verhindert war Katharina Ammann.

Sie haben keine leichte Aufgabe, müssen «das Beste» für die Sammlung erwerben, doch was genau ist gute Kunst? «Wir reiben uns lange, bis wir entscheiden», sagt Höhener, ehemals Präsident der Thurgauischen Kunstgesellschaft und Stiftungsrat der Kulturstiftung Thurgau. Hanimann bringt als Künstler und Dozent weitere Perspektiven ein:

«Sie sollen einander befruchten und die eigene Sichtweise relativieren.»
Alex Hanimann, Mitglied der Ankaufskommission.

Alex Hanimann, Mitglied der Ankaufskommission.

Ralph Ribi

Die Kommission gehört zum Beirat des Kunstmuseums und erhält Mittel aus dem Lotteriefonds. Sie besucht Ausstellungen, geht in die Ateliers von Kunstschaffenden im Thurgau oder mit einem engen Bezug zum Kanton.

Der Austausch, die Diskussion miteinander seien wichtig, sagen beide. Wie die Kommission vorgehe, fragt Museumsdirektor Markus Landert, der das Gespräch moderiert. «Wir wollen Lücken schliessen und berücksichtigen primär junge Thurgauer Kunst, die wir im Auge behalten und fördern wollen», sagt Höhener.

«Unsere Richtlinien verbieten aber einen fürsorgerischen, sozialen Aspekt. Wir wollen fördern – und herausfordern.»

Die Ankaufskommission ersteht Werke auch in Galerien. «Sie sind wichtige Kunstförderer und brauchen Unterstützung», sagt Hanimann. Gekauft wird auch beim Kunstverein Frauenfeld und bei der Werkschau Thurgau. Die Kommission führt eine Liste, die laufend aktualisiert wird, damit «niemand vergessen wird».

Die Liste beschränke sich nicht auf den Kanton, enthalte auch Weggezogene, da in den Ostschweizer Kantonen keine Kunstausbildung bestehe. Und natürlich können sich Kunstschaffende melden und ihr Dossier einreichen.

Landert fragt nach den Kriterien für künstlerische Qualität. Der Inhalt und das Formale, das in Gesprächen festgestellt werde, bestätigen beide. Oft stehe ein Gefühl am Anfang, das dann verbalisiert und festgemacht werde: Austausch, Auseinandersetzung, Entscheid. Der Entscheid, betont Höhener, falle erst nach einem Ausstellungs- oder Atelierbesuch. Und:

«Junge Kunstschaffende bekommen mehr Wohlwollen – ältere müssen mehr bieten.»

Was die Kommission ankaufe, solle möglichst sichtbar, also öffentlich zu sehen sein, statt im Depot des Kunstmuseums vergessen zu gehen.

In vier Jahren Kunst für 450'000 Franken erworben

Die Kunstsammlung des Kantons Thurgau wächst seit 1941 stetig, und das Kunstmuseum zeigt sie alle paar Jahre her. Auch die aktuelle Schau «Neue Kollektion – Kunst hier und jetzt» ruft auf zur Auseinandersetzung mit der Frage, was künstlerische Qualität heute ausmacht und welche Fragen Werke zurzeit aufwerfen.

50 Zuschauer interessierten sich für die Ankaufspolitik des Kunstmuseums.

50 Zuschauer interessierten sich für die Ankaufspolitik des Kunstmuseums.

Ralph Ribi

Die 27 gezeigten Positionen aus den vergangenen vier Jahren haben insgesamt 450'000 Franken gekostet, sagt Landert und fragt: «Sind sie repräsentativ?» Hanimann bejaht, Höhener relativiert:

«Manches zeigt die Schwierigkeiten der Räume im Kunstmuseum auf und hängt auch von der Zusammensetzung der Ankaufskommission ab.»

Hanimann nickt: «In unserer Kommission kommen verschiedene Perspektiven vor – Ausgewogenheit ist wichtig, aber auch ein Killer.» Nach den Highlights in der Ausstellung gefragt, erwähnt Hanimann Almira Medaric, die sich stark weiterentwickelt habe, und Höhener prophezeit dem Fotografen Sebastian Stadler eine spannende Zukunft.

Landerts Frage «Wer und was fehlt noch?» ist rhetorisch gemeint – die Liste der Ankaufskommission bleibt geheim. «Was wir investieren, ist Risikokapital für die Zukunft», sagt Hans Jörg Höhener. «Wir entdecken Künstler nicht, wir fördern sie.»