Verena Herzog: «Ich bin gradlinig und bleibe es auch»

Serie «Ihre Wahl» (5/5): Die TZ trifft die Thurgauer Nationalräte an ihrem Lieblingsort: heute Verena Herzog (SVP).

Larissa Flammer
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SVP-Nationalrätin Verena Herzog geniesst auf dem Stählibuckturm in Thundorf den Weitblick. Bild: Reto Martin

SVP-Nationalrätin Verena Herzog geniesst auf dem Stählibuckturm in Thundorf den Weitblick. Bild: Reto Martin

Der Lieblingsort von Verena Herzog lockt mit einer fantastischen Weitsicht. Vom Stählibuckturm in Thundorf sieht die SVP-Nationalrätin bis ins Appenzellerland, wo ihre Eltern herkommen. «Auf der anderen Seite überblicke ich den wunderbaren Thurgau mit dem Seerücken. Seit meiner Heirat bin ich Bürgerin von Homburg.» Dort oben, in der Natur über Frauenfeld, tankt die Politikerin Kraft.

Vom Parkplatz des Restaurants Stählibuck führt Herzog steil den Hügel hinauf. Dabei erzählt sie von ihrem Wahlkampf:

«Es ist mehr Aufwand als vor vier Jahren. Sonst geht man vergessen, trotz intensiver Arbeit in Bern.»

Die Knochenarbeit sei aber das Einlesen in die Dossiers. Den Wahlkampf und den Kontakt mit der Bevölkerung bezeichnet sie als bereichernd. Beim Erklimmen der Stufen des Turms zeigt Herzog auf halber Höhe auf fünf Tritte, auf denen die Namen ihrer Familienmitglieder verewigt sind: die drei mittlerweile erwachsenen Kinder, der Ehemann und sie selber. Auf jeder der 148 Stufen sind Namen von Sponsoren eingraviert, welche die Totalsanierung im Jahr 2002 unterstützt haben.

Das Enkel-Hüten muss noch vier Jahre warten

Der Weitblick ist für die SVP-Nationalrätin auch in der Politik zentral: «Ich bin gefordert, nicht nur an die nächsten zwei bis drei Jahre zu denken, sondern auch an die nächsten Generationen.» Sicherheit ist dabei ihr zentrales Stichwort: stabile Familien, gute Bildung, sichere Sozialwerke, aber auch die Sicherheit im Land generell. «Unsere Eigenständigkeit und die direkte Demokratie dürfen wir nicht aufgeben», betont Herzog.

Zurück am Boden nach dem Fototermin in luftiger Höhe erzählt Herzog von ihrer Familie: «Sie bedeutet mir sehr viel und gibt mir Halt.» Die Politikerin arbeitet als administrative Geschäftsleiterin in der Kieferorthopädie-Praxis ihres Mannes.

Als ihre Kinder das Mittelstufen-Alter erreicht hatten, ist sie wieder in die Berufswelt eingestiegen. «Zuvor war ich in reduziertem Pensum Kindergarteninspektorin und einige Jahre lang vorwiegend für die Familie da. Das war mir wichtig», sagt Herzog. Daneben habe sie damals gemeinnützige Arbeit geleistet und so den Weg in die Politik gefunden. Sie hat sich etwa in der Schulbehörde und als SVP-Bezirkspräsidentin engagiert.

Ihre Familie habe das Glück gehabt, bei der Kinderbetreuung auch auf die Grosseltern zählen zu können. «Dafür hat meine Mutter später zweieinhalb Jahre lang bei uns gewohnt und ich konnte etwas zurückgeben.» Auch ihren Kindern möchte Herzog etwas zurückgeben. Sie verrät: «Nachwuchs ist bereits auf dem Weg.» Vorerst wird aber ihr Mann im Beruf etwas reduzieren und die Enkel hüten. Die 63-Jährige will sich nebst Beruf noch einmal vier Jahre voll in der Politik einbringen.

Swiss-Skills-Stiftung wollte sie überzeugen

«Angst ist immer ein schlechter Berater», sagt Herzog auf die Frage, ob sie wegen ihrer Wiederwahl schlaflose Nächte verbringt.

«Mit dem Klimahype ist aber alles etwas unberechenbar.»

Schliesslich zähle jedoch, was man geleistet habe. Gemäss einer Auswertung der «Sonntags-Zeitung» ist Herzog die einflussreichste Thurgauer Parlamentarierin in Bern. Der Stolz darauf ist ihr anzumerken.

Authentisch und direkt: So wirkt die Frauenfelderin während des Gesprächs und so wird sie auch als Politikerin wahrgenommen.

«Ich bin gradlinig und bleibe es auch, wenn es unbequem wird oder ich angeschwärzt werde.»

Damit spricht Herzog unter anderem ihren Verdingkinder-Vergleich an, der sie im Juli in die Schlagzeilen brachte. «Erst kürzlich habe ich wieder ein E-Mail von einem ehemaligen Verdingkind erhalten, das sich bei mir bedankte und verstanden hat, wie ich es gemeint hatte.»

Die Parlamentsarbeit macht Herzog Spass, wie sie sagt. Und sie ist aktiv. Zurzeit ist sie im Vorstand von zwei parlamentarischen Gruppen: Pflege sowie Kinder- und Jugendmedizin. Letztere hat sie vor etwa einem Jahr selber mitgegründet. In der Gesundheitskommission setzt sie sich für ein gutes, aber bezahlbares Gesundheitssystem sowie gegen den übermässigen Einsatz von Ritalin und gegen die Hanflegalisierung ein. Im Thema «Elektronische Patientendossiers» profitiert sie von ihrer beruflichen Erfahrung. In der Praxis ihres Mannes wird seit 32 Jahren mit elektronischen Daten gearbeitet.

In der Kommission Wissenschaft, Bildung und Kultur machte sich die gelernte Kindergärtnerin dafür stark, dass die Swiss-Skills auch künftig nur alle vier statt alle zwei Jahre stattfinden – um die regionalen Berufsmessen nicht zu gefährden.

«Das duale Bildungssystem ist mir sehr wichtig.»

Auch ein Besuch der Swiss-Skills-Stiftung bei ihr in Frauenfeld konnte die Politikerin nicht von ihrer Meinung abbringen.

Beim Abschied zückt Herzog ein Brillen- und Bildschirmputztüchlein – ihr Give-away im Wahlkampf. Ein guter Durchblick ist wichtig. Und passt zum Weitblick vom Stählibuckturm.