Schule
Der Thurgauer Grosse Rat diskutiert über Sexualaufklärung an der Schule

Die Aufklärung über sexuelle Themen ist wichtig, darin sind sich die Thurgauer Kantonsräte einig. Nicht aber darüber, wie und wo sie stattzufinden hat.

Roman Scherrer
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SP-Kantonsrätin Nina Schläfli hat mit ihrer Interpellation die Diskussion über die Sexualaufklärung angestossen.

SP-Kantonsrätin Nina Schläfli hat mit ihrer Interpellation die Diskussion über die Sexualaufklärung angestossen.

Bild: Andrea Stalder

Der Grosse Rat spricht über Sex. Auslöser dafür ist eine Interpellation von Nina Schläfli (SP, Kreuzlingen) zum Thema Sexualaufklärung an Thurgauer Schulen. Sie stützte sich unter anderem auf die Expertengruppe Sexualaufklärung, welche Defizite bei Deutschschweizer Kantonen feststellte. Sie fände es wichtig, dass an der Volksschule mehr externe Fachpersonen beigezogen würden. Und die Aufklärung soll «verpflichtender ausgestaltet» werden.

Kantonsrätin Cornelia Hauser (Grüne)

Kantonsrätin Cornelia Hauser (Grüne)

Bild: Andrea Stalder

Letzteres wünschen sich auch die Grünen «in allen Bereichen» der Sexualaufklärung, wie Cornelia Hauser (Weinfelden) sagte. «Die FDP möchte die Schulen und Lehrer ermutigen, bei Bedarf nicht zu zögern, Expertise hinzu zu holen», sagte Kristiane Vietze (Frauenfeld) im Namen ihrer Fraktion.

EDU-Kantonsrat Daniel Frischknecht

EDU-Kantonsrat Daniel Frischknecht

Bild: Andrea Stalder

Wo die Sexualaufklärung stattzufinden hat, darüber waren sich die Kantonsrätinnen und -räte nicht einig. «Starke Väter und Mütter sollten aufklären», sagte Oliver Martin (SVP, Leimbach). Dieser Meinung ist grundsätzlich auch die EDU, wie Daniel Frischknecht (Romanshorn) in Vertretung für Fraktionskollege Lukas Madörin (Weinfelden) zu verstehen gab. Im Gegensatz zu Schläfli sehe man keinen Bedarf, in der Schule LGBTQIA+-Themen zu behandeln. Es sei wichtig, dass sich Kinder mit Fragen über andere Sexualitäten beschäftigen, konterte Marco Rüegg (GLP, Gachnang).

Schule und Eltern in der Pflicht

SVP-Kantonsrätin Judith Ricklin

SVP-Kantonsrätin Judith Ricklin

Bild: Andrea Stalder

Marina Bruggmann (SP, Salmsach) sieht nebst den Eltern auch die Schule in der Pflicht. Überlasse man die Aufklärung nur den Eltern, seien die Unterschiede riesig, so Petra Merz-Helg (Mitte, Weinfelden). Die Schulen klärten schon lange auf, so Judith Ricklin (SVP, Kreuzlingen). Mehr Geld zu sprechen, sei unnötig.

EVP-Kantonsrätin Doris Günter.

EVP-Kantonsrätin Doris Günter.

Bild: Andrea Stalder

Doris Günter (EVP, Winden) sähe mehr Geld in der Elternbildung gut investiert. Die Pädagogische Hochschule habe die Pflicht, die Lehrpersonen in diesem Bereich entsprechend auszubilden, sagte Jürg Marolf (Mitte, Romanshorn).

Bildungsdirektorin Monika Knill.

Bildungsdirektorin Monika Knill.

Bild: Andrea Stalder

«Die Lehrpersonen sind sich der Verantwortung in diesem Bereich sehr wohl bewusst», sagte Bildungsdirektorin Monika Knill. Es gebe keine systematische Überprüfung, wie die Vermittlung erfolge. Über die Schulaufsicht könne man aber bei den Schulen durchaus mal nachfragen, wie das Thema Sexualaufklärung aufgegriffen werde.