Grosser rat
Mehr Gastrobetriebe als vor 27 Jahren: Regierungsrat stellt kein Beizensterben fest im Thurgau

Gemäss einer Erhebung hat die Zahl der Gastgewerbebetriebe im Thurgau in der Zeitspanne von 1995 bis 2020 um 218 Einheiten zugenommen. Indes dürfte es zutreffen, «dass die Zahl der Betriebe in ländlichen Gegenden zurückging, weil viele sogenannte Landgasthöfe verschwanden», heisst es seitens der Regierung.

Hans Suter
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Kantonsrat Peter Dransfeld sorgt sich um die Thurgauer Beizenlandschaft.

Kantonsrat Peter Dransfeld sorgt sich um die Thurgauer Beizenlandschaft.

Bild: Andrea Tina Stalder (7.1.2021)

«Angesichts der gestiegenen Gesamtzahl kann aber nicht generell von einem Beizensterben im Kanton gesprochen werden. In einem staatlich nicht mehr regulierten Markt gelten die Regeln von Angebot und Nachfrage», schreibt der Thurgauer Regierungsrat in seiner Antwort auf die Einfache Anfrage «Beizensterben im Thurgau» von Kantonsrat Peter Dransfeld (Grüne, Ermatingen).

Bedürfnisklausel wurde aufgehoben

Bis zum Jahr 1996 wurden Patente für die Führung neuer Gastgewerbebetriebe mit Alkoholausschank nur erteilt, wenn ein besonderes Bedürfnis ausgewiesen war. Auf je 200 Einwohnerinnen und Einwohner war ein alkoholführender Betrieb zulässig. Zuständig für entsprechende Bewilligungen war das Departement für Justiz und Sicherheit (DJS). Per 1. Januar 1997 trat das aktuell geltende Gastgewerbegesetz in Kraft. Damit wurde die Bedürfnisklausel abgeschafft.

Entsprechend der damaligen gesetzlichen Regelung erhob das DJS bis und mit 1995 jährlich die Zahl der Gastgewerbebetriebe mit und ohne Alkoholausschank und publizierte diese im Amtsblatt. Die letzte Erhebung (Stand 31. Dezember 1995) ergab 1036 Betriebe mit Alkoholausschank und 92 Betriebe ohne Alkoholausschank – insgesamt 1128 Gastgewerbebetriebe. Seither wurden die Zahlen der Gastgewerbebetriebe vom DJS nicht mehr erhoben.

Regierungsrat erarbeitet Entwurf für ein modernes Gastrogesetz

Beim Lebensmittelinspektorat des kantonalen Laboratoriums, das für die Kontrolle der Gastgewerbebetriebe zuständig ist, waren per Ende 2020 total 1346 Betriebe verzeichnet. Anzumerken sei aber, dass sich eine Entwicklung von den traditionellen Restaurants zu den Take-away-Betrieben ergeben hat. Am 26. August 2020 hat der Grosse Rat die Motion «Ein moderneres Gastrogesetz – damit die Vielfalt bleibt» erheblich erklärt. Der Regierungsrat wird daher eine Vorlage zur Revision des Gastgewerbegesetzes vorlegen. Derzeit sei ein Entwurf für ein externes Vernehmlassungsverfahren in Vorbereitung.