Postkarten aus Frauenfeld für die ganze Welt

Carl und Gottwalt Walder waren talentierte Fotografen. Sie führten in Frauenfeld während Jahrzehnten eine Papeterie und einen Verlag für Postkarten. Ihnen widmet Lokalhistoriker Angelus Hux sein neuestes Buch.

Stefan Hilzinger
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Das einstige Restaurant Schweizerhof auf einer Walder-Postkarte. (Bild: PD)

Das einstige Restaurant Schweizerhof auf einer Walder-Postkarte. (Bild: PD)

Die Schwarz-Weiss-Aufnahmen der Frauenfelder Kartenverleger und Fotografen Carl und Gottwalt Walder erzählen Geschichten – und sie sind eindrückliche Dokumente des hiesigen Alltags zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Ein grobscholliger, steiniger Acker, irgendwo in der Region Frauenfeld. Zwei Ochsen unter dem Joch, ein einfaches Ledergeschirr verbindet sie mit einem einfachen Holzpflug. Den Tieren zur Seite steht der Vormann. Den Pflug hält der zweite Mann im Hintergrund. Ernst blicken die beiden Männer in die Kamera.

Diesen Aufnahmen – erhalten auf rund 200 Glasnegativen – widmet Angelus Hux, der Frauenfelder Lokalhistoriker und langjährige Archivar der Bürgergemeinde, den dritten Teil seines neuesten Werkes, das Mitte nächster Woche erscheint: «Sie schickten Frauenfeld in alle Welt» über Vater und Sohn Walder.

Eine Boombranche des frühen 20. Jahrhunderts

Druck und Verlag von Postkarten war um die vorletzte Jahrhundertwende eine richtige Boombranche. «Postkarten waren damals das, was heute das SMS ist», sagt Angelus Hux. Er listet in seinem Werk für die Zeit bis 1910 nebst Walder 14 weitere örtliche Kartenverleger auf. Später kamen andere dazu, wie die Fotografen Weber, Bär, Hiltbrunner und Beck.
Carl Walder lebte von 1847 bis 1917, Sohn Gottwalt von 1875 bis 1950. Letzterer blieb kinderlos und mit ihm verschwand der Name aus der Frauenfelder Geschäftswelt. Die Papeterie führte die Familie Hess weiter. Heute befindet sich dort an der Kirchgasse 7 ein Blumenladen und ein Geschäft für thailändische Spezialitäten.

Autor Aneglus Hux. (Bild: Helen Rohringer-Weber)

Autor Aneglus Hux. (Bild: Helen Rohringer-Weber)

Die Recherche nach biografischen Details sei schwierig gewesen, sagt Hux, der vor rund vier Jahren mit den Vorarbeiten zum Buch begann. «Es gibt in Frauenfeld fast niemanden mehr, der sich an die Walder erinnert», sagt Hux. Trotzdem ist ihm geglückt, manche Details zu Familie und zum persönlichen Wirken der beiden in Frauenfeld zusammenzubringen. «Einiges fand ich im Staatsarchiv in Herisau, wo ein Verwandter als Kantonsschullehrer tätig war». Doch mindestens so stark wie Details zu Lebensgeschichte lassen die vielen, im zweiten Teil des Buches vorgestellten Kartensujets das Wirken der beiden Fotografen und Verleger lebendig werden.

Eine Bilderbuch-Ansicht von Frauenfeld von vor 100 Jahren. (Bild: PD

Eine Bilderbuch-Ansicht von Frauenfeld von vor 100 Jahren. (Bild: PD

Von erhöhter Warte schweift der Blick vom Kreuzplatz über die niedere Vorstadt und die Bleiche Richtung Schloss. Links die Hauptpost mit der grünen Kuppel, dahinter die Kirchtürme. Weder Mensch noch Ross noch Automobil auf der Strasse.

Die handkolorierte Karte zeigt ein Bilderbuch-Frauenfeld von vor hundert Jahren. Eine frühe Postkarte aus dem Hause Walder, die man vielleicht Verwandten schickte, um einen Besuch anzukündigen, oder schlicht des Grüssens Willen. «Wenn ich schon nicht dort bin, darf ich doch ein Grüsschen schicken», heisst es am Rand der Karte.
«Menschen waren ihnen sehr wichtig», sagt Hux. Das zeigt sich teilweise auf den Kartensujets, etwa vom Militärbetrieb in der Garnisonsstadt, besonders aber in den Alltagsaufnahmen – wahren Augenweiden.