Parteispitze
Marina Bruggmann heisst die neue Thurgauer SP-Präsidentin

Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Thurgau steht ganz im Zeichen des Präsidentinnenwechsels. So geraten die drei Parolenfassungen schon fast in den Hintergrund, werden aber nichtsdestotrotz intensiv diskutiert. Der Höhepunkt dann ganz zum Schluss: Die neugewählte Kantonalparteipräsidentin, Marina Bruggmann.

Christof Heer
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Marina Bruggmann übernimmt das kantonale Parteipräsidium von Nina Schläfli.

Marina Bruggmann übernimmt das kantonale Parteipräsidium von Nina Schläfli.

Bild: Christoph Heer

Die Thurgauer SP wählt eine neue Parteispitze. Knapp 60 Genossinnen und Genossen füllen am Freitagabend die Aula der Kantonsschule bis auf den letzten Platz. Es steht ein Präsidiumswechsel an.

Während sich Marina Bruggmann, nach eigenen Angaben, mit etwas Nervosität herumschlägt, zeigt sich die abtretende Parteivorsitzende Nina Schläfli gelassen. Das ändert sich jedoch schlagartig.

Kaum ergreift Nationalrätin und Vizepräsidentin der Thurgauer SP Edith Graf-Litscher das Wort zum Traktandum «Verabschiedung Präsidentin Nina Schläfli», zeigen sich bei Schläfli erste kleine Tränchen. «Bei derart viel Applaus und Dank, fällt es mir schwer, die Tränen zurückzuhalten», sagt die scheidende Präsidentin.

Fünfeinhalb Jahre hatte sie den Vorsitz der Thurgauer SP inne – eine anstrengende und zuweilen mit schlaflosen Nächten bespickte Amtszeit. «Das stimmt. Es gab unschöne Momente, persönliche Konflikte und ein etwas verloren gegangener Schwung. Doch das Positive überwiegt allemal. Wir sind auf nationaler Ebene sichtbarer geworden, haben Akzente gesetzt und haben den Mitgliederbestand in meiner Amtszeit um rund zehn Prozent erhöhen können», sagt Schläfli. Aktuell zählt demnach die SP Thurgau 720 Mitglieder; Rekord.

Das politische Naturtalent

Nina Schläfli tritt nun aber nicht von der politischen Bühne ab. «Ich werde weiterhin mitwirken und mithelfen, unsere Partei zu positionieren», gibt sich Schläfli kämpferisch. Es sei lediglich ein Abschied von einem Amt, nicht von der SP, sagt die weiterhin politisierende Kantonsrätin. Für Edith Graf-Litscher ist klar: «Nina ist ein politisches Naturtalent. Sie ist ein Inbegriff für soziale Gerechtigkeit, sie ist stets hervorragend strukturiert, hat viel Herzblut und Engagement in das Amt investiert.»

Doch wo ein Abschied ist, da ist auch ein Neustart. So wird die Salmsacher Kantonsrätin Marina Bruggmann als neue Parteipräsidentin gewählt; einstimmig und mit grossem Applaus. Die zweifache Mutter will fortan die Geschicke der Partei leiten und insbesondere auch die Anliegen der Bevölkerung auf- und ernst nehmen. Die SP soll zuverlässig und stark sein. Sie soll die Jungen fördern und man werde Dialoge, innerhalb und ausserhalb der Kantonalpartei, suchen, sagt die neue Vorsitzende.

Sandrine Nikolic-Fuss ist als Vertreterin in den Parteirat der SP Schweiz gewählt worden.

Sandrine Nikolic-Fuss ist als Vertreterin in den Parteirat der SP Schweiz gewählt worden.

Bild: Ralph Ribi

Parolenfassung: Zweimal Ja, einmal Nein

Die SP Thurgau fasst an ihrem Parteitag mit klaren Mehrheiten die Parolen zu den vorliegenden nationalen Abstimmungen vom 15. Mai. Zur «Änderung des Bundesgesetzes über die Filmproduktion und Filmkultur» empfehlen die Genossen einstimmig die Ja-Parole. Zur «Änderung des Bundesgesetzes über die Transplantation von Organen, Geweben und Zellen, dem Transplantationsgesetz» soll der Stimmbürger ebenfalls ein Ja in die Urne legen. Und der «Bundesbeschluss über die Genehmigung und die Umsetzung des Notenaustausches zwischen der Schweiz und der EU betreffend der Verordnung über die Europäische Grenz- und Küstenwache und zur Aufhebung der Verordnungen», soll nach dem Gusto der SP abgelehnt werden. (ch)

Marina Bruggmann, neugewählte Thurgauer SP-Präsidentin.

Marina Bruggmann, neugewählte Thurgauer SP-Präsidentin.

Bild: Tobias Garcia

Frau Bruggmann, warum Sind Sie in der Politik aktiv?

Marina Bruggmann: Als Pflegefachfrau liegen mir gesundheits- und sozialpolitische Themen sehr am Herzen. Als unser erstes Kind zur Welt kam, wurde mir bewusst, wie schwierig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, gerade auch in einer Führungsaufgabe. Da gibt es noch viel zu tun.

Welches sind Ihre Ziele als neue Präsidentin der SP Thurgau?

Als Parteipräsidentin möchte ich das Zusammenleben zwischen verschiedensten Menschen und Kulturen fördern und Vorurteile verringern. Die junge Generation soll gehört, motiviert und miteingebunden werden. Ich möchte engagierte Mitglieder stärken und voranbringen.

Ein Wort zu ihrer Vorgängerin Nina Schläfli.

Nina ist ein politisches Naturtalent. Eine grossartige Persönlichkeit, welche ich für ihr Wirken sehr schätze. Sie hat unserer Partei, in ihren fünfeinhalb Jahren als Präsidentin, viel neuen Schwung verliehen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihr.