Offene Verwaltungsdaten
Der Datensatz zum Badeplatz: Der Kanton Thurgau veröffentlicht Behördendaten über neues Portal

Mit einem neuen Onlineportal fördert der Kanton Thurgau die Weiterverwendung von Verwaltungsdaten durch professionelle Anwender. Für Private ist das Kartenportal Thurgis attraktiver.

Thomas Wunderlin
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Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg, Daniela Koller, Koordinatorin des neuen Portals.

Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg, Daniela Koller, Koordinatorin des neuen Portals.

Bild: Tobias Garcia

Die Thurgauer Behörden kennen die Badeplätze im Kanton. Sie messen die Wasser- und Lufttemperatur an diesen Orten, ebenso die Wasserqualität und den Pegelstand. Ein privater App-Entwickler könnte solche Daten miteinander verknüpfen.

Martin Eugster, Leiter des Amts für Umwelt, nannte an einer Medienorientierung am Dienstag den fiktiven Badeplatz-Finder als Beispiel für einen Nutzen von Data.tg.ch, des neuen Onlineportals der kantonalen Verwaltung.

Die Dienststelle für Statistik stellt der Öffentlichkeit auf diesem Weg Daten zur Verfügung, die sich auf den Ämtern ansammeln. Die Verwendung ist kostenlos. Nur eine Quellenangabe wird verlangt.

Offene Verwaltungsdaten oder Open Government Data (OGD) sind laut der Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg «ein selbstverständlicher Teil einer modernen Verwaltung». Ihre Förderung zählt zu den Legislaturzielen des Regierungsrats. Neue Geschäftsmodelle sollen ermöglicht und ein Innovationsschub angeregt werden.

Aktueller Vergleich der Gemeindekennzahlen

Eugster könnte sich auch ein «Management-Cockpit» vorstellen, auf dem Gemeindepräsidenten laufend anhand von Kennzahlen sehen, wo ihre Gemeinde im Vergleich mit andern Gemeinden steht. Eine Zuzüger-App könnte den nach Steuerfuss und weiteren Faktoren best geeigneten Wohnort anzeigen.

Martin Eugster, Leiter des Amts für Umwelt.

Martin Eugster, Leiter des Amts für Umwelt.

Bild: Tobias Garcia

Behördendaten sollen auch für Zwecke verwendet werden, «die wir uns gar nicht vorstellen können», sagte Baldenweg. Data.tg.ch bietet kaum eine optische Aufbereitung an und ist deshalb für Laien wenig attraktiv. Dafür sind die Daten maschinenlesbar, damit sie von Apps abgerufen werden können.

Gemäss Baldenweg hatte der amerikanische Präsident Barack Obama die Veröffentlichung von Verwaltungsdaten gefördert. Auch die baltischen Staaten und die Stadt Wien machten sich einen Namen in diesem Bereich. Baldenweg:

«Die OGD-Bewegung steht noch am Anfang; sie hat ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft.»

In der Schweiz gehört der Thurgau zu den Vorreitern; seit 2017 publiziert er Daten über Opendata.swiss, die Plattform des Bundes. Diese wendet sich wie Data.tg.ch an professionelle Anwender. Thurgauer Daten sind dort aber manchmal nur schwer zu finden, sagte Daniela Koller, Koordinatorin des neuen Portals.

Thurgauer Behördendaten sind auch auf dem Thurgis-Kartenportal zu finden, das vom Amt für Geoinformation betrieben wird. Wegen der beschränkten Funktionalität ist es für professionelle Anwender jedoch nur bedingt geeignet.

Geplant ist, dass die Thurgauer Kantonsverwaltung alle ihre zur Veröffentlichung geeigneten Daten auf Data.tg.ch stellt. Von dort sollen sie direkt zu Opendata.swiss laufen und weiter zum entsprechenden Portal der EU.

Der Kanton Thurgau entrichtet nach Angaben Baldenwegs für die Verwendung des Portals Data.tg.ch eine jährliche Lizenzgebühr von 20'000 Euro. Dazu komme ein Arbeitsaufwand bei den Ämtern, sagte Eugster vom Amt für Umwelt. Man verwende jedoch nur bereits vorhandene Daten und erhebe keine neuen. Ein Portal wie Data.tg.ch betreiben auch die Kantone St.Gallen und Basel-Stadt.

Nicht veröffentlicht werden persönliche Daten, ausserdem solche, die dem Amtsgeheimnis unterliegen oder auf denen ein Urheberrecht besteht. Auf diese Punkte legt der kantonale Datenschützer Moritz Tanner Wert, der Beisitzer des verwaltungsinternen OGD-Ausschusses ist.

Austausch mit Nutzern ist erwünscht

Wer sich bei Data.tg.ch bedient, der muss sich nicht bei der Dienststelle für Statistik melden. Diese ist jedoch dankbar für entsprechende Meldungen. Koller lädt dazu ein, Fehler zu melden, um sie korrigieren zu können. «Ein Austausch mit den Nutzern ist uns wichtig», sagte Baldenweg. Erbeten sind auch Rückmeldungen zu Datensätzen, deren Veröffentlichung gewünscht wird.