Nacht der Nächte
171 Salzissen to go: Wie die Frauenfelder Stadtkonstabler dem Bechtelisnacht-Blues entgegenwirken

Pandemiebedingt muss das Bechtelismahl der Stadtkonstabler auch heuer ausfällen. Durst oder Hunger leiden muss man abends aber nicht. Denn am Montagvormittag fand beim Rathaus unter freiem Himmel eine Portionenabgabe statt. Immer wieder holten auch Frauen für ihre Männer Wein, Wurst und Brot ab.

Mathias Frei
Drucken
Nathanael Hug holt drei Portionen ab. Andrej Rudolf Jakovac, Stephan Winkler, Obmann Christian Wälchli und Heinz Stübi von der Konstablerkommission bedienen ihn.

Nathanael Hug holt drei Portionen ab. Andrej Rudolf Jakovac, Stephan Winkler, Obmann Christian Wälchli und Heinz Stübi von der Konstablerkommission bedienen ihn.

Bild: Mathias Frei

Wein, Weib und Gesang, was weiland Reformator Luther schätzte, muss bei den Stadtkonstablern nicht sein. Sie sind schon mit Bürgerwein, einer Salzisse und einem Bürli zufrieden. Und weil ihr Bechtelismahl im Rathaus auch dieses Jahr wieder pandemiebedingt ausfällt, haben sie ihre Konstabler am Montagvormittag mit Salzissen to go eingedeckt. 151 Konstabler haben sich angemeldet, dazu kommen 20 Portionen für die Konstablerwitwen. Damit man sich das Bechtelismahl nach Hause holen kann.

Die Salzissen.

Die Salzissen.

Bild: Mathias Frei

Die erste Flasche Holderberger Müller-Thurgau ist offen. Denn um 10.40 Uhr ist es kalt zwischen Rathaus und Schloss. Obmann Christian Wälchli und seine Kommissionsmitglieder Andrej Rudolf Jakovac, Stephan Winkler und Heinz Stübi haben in der Gartenwirtschaft der Bürgerstube eine kleine Open-Air-Fassstrasse eingerichtet. Da kommt schon der nächste Konstabler: Nathanael Hug, Mitte-Gemeinderat. Also Masken hoch und Hygienehandschuhe an. Hug holt die Portionen für sich, seinen Bruder und seinen Vater. Jakovac streicht die Namen ab auf der Liste, Winkler versorgt mit Salzissen der Metzgerei Ankele, Wälchli ist der Mann fürs Brot vom Godi-Beck. Und Stübi ist für den Wein verantwortlich. Jakovac sagt:

«Das sind die Portionen 76 bis 78.»
Bürgerrätin Andrea Holfmann Kolb deckt sich für ihre Männer ein.

Bürgerrätin Andrea Holfmann Kolb deckt sich für ihre Männer ein.

Bild: Mathias Frei

Dann ist Bürgerrätin Andrea Hofmann Kolb an der Reihe. Sie steht für ihren Vater, ihren Mann und ihren Sohn – einen Jungkonstabler – an. Aufgenommen werde der Jungkonstabler dann 2023 offiziell, meint Obmann Wälchli. Hofmann Kolb wird die Salzissen am Dienstag zum Zmittag warm machen. Von der Konstablerwurst nascht sie nicht. Sie werde sich eine eigene Salzisse bei Ankele posten.

Aus dem Appenzellischen und aus Zürich kommen sie

Die Bürli.

Die Bürli.

Bild: Mathias Frei

Konstabler aus der Stadt Zürich und von der Goldküste stehen auf der Liste. Eine Frau aus dem Appenzellischen ist extra nach Frauenfeld gefahren. Sie deckt sich für ihren Mann und die Söhne ein, meint dabei:

«Hoffen wir, dass der Bechtelis nächstes Jahr wieder sein kann. Weil: Glatt war es immer.»
Heinz Stübi gibt einer Konstablergattin aus dem Appenzellischen Wein aus.

Heinz Stübi gibt einer Konstablergattin aus dem Appenzellischen Wein aus.

Bild: Mathias Frei

Dass sie bei fünf Portionen zehn Halbliter bekommt, hat sie nicht gewusst. Jetzt ist das Chörbli grad ein wenig schwer. Auf Voranmeldung hätte sie statt Pinot noir auch Müller-Thurgau haben können. Und für jene, die sich heuer mal ein wenig zurückhalten wollen, gäbe es auch Traubensaft (alkoholfrei) von Schloss Herdern.

Der älteste Konstabler, alt Obmann Dr. Max Müller, 96, hat seine Portion bereits abgeholt. Die älteste Konstablerwitwe ist die Frauenfelderin Hilde Derungs. Im März werde sie 106 Jahre alt, erzählt Stübi. Er bringt ihr Wein, Wurst und Bürli nach Hause.