Müllheim
«Unterschiedliche Ansichten in Sachen Führung»: Versammlung bringt Knatsch in der Katholischen Kirche an die Oberfläche

Unstimmigkeiten an der Kirchgemeindeversammlung von Katholisch Müllheim: Die Rede ist von wenig Transparenz, schwindendem Vertrauen und mangelnden Fakten. Hinzu kommen Kritik an der Behörde, Ämterentzug für den Kirchpfleger und ein «überrissener» Kreditantrag.

Manuela Olgiati
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Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger an der Versammlung.

Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger an der Versammlung.

Bild: Manuela Olgiati

Der Haussegen hängt schief. Das ist am Mittwochabend an der Versammlung der katholischen Kirchgemeinde Müllheim im Saal unter der Kirche klar geworden. Gegen die Versammlungsführung des interimistischen Kirchenpräsidenten Giovanni Meli äusserte noch niemand der 20 anwesenden Kirchbürgerinnen und -bürger seine Einwände. Doch der Applaus blieb aus. Während anderthalb Stunden gab es kaum Transparenz zu den traktandierten Geschäften, ja gar mangelhafte Faktenlage.

Giovanni Meli, Interministischer Kirchenpräsident Müllheims.

Giovanni Meli, Interministischer Kirchenpräsident Müllheims.

Bild: Manuela Olgiati

Was ist passiert? In der Kirchenvorsteherschaft schwelen Personalprobleme. Ehemalige Kirchenbehördenmitglieder bemängeln das schwindende Vertrauen. Mehrere Anträge kommen aus den Reihen der Stimmberechtigten. Ungelöste Probleme verursachen Kosten: eines davon sind auflaufende Anwaltskosten bezüglich des Abgangs einer Sekretärin. Sie bewegen sich im vierstelligen Bereich. Kosten, die der Steuerzahler berappen soll.

Pater erschwert den Mitarbeiterinnen vieles

Kirchenpräsidentin Annamaria Votta gab im Frühling ihren Austritt aus der Kirchenvorsteherschaft. Meli sagte vor den offiziellen Geschäften:

«Es gab unterschiedliche Ansichten in Sachen Führung.»

Die Fronten verhärteten sich. Dem langjährigen Kirchenpfleger, René Dürler, drohte man bereits im August alle Ämter zu entziehen. Er weigerte sich und bleibt nun bis Mai 2022 im Amt. Gründe für den angedrohten Entzug wurden an der Versammlung jedoch keine genannt. Auch nicht, nachdem seine Ehefrau, Marianne Dürler nachhakte. Trotzdem durfte Dürler noch das Budget 2022 erklären.

René Dürler, Kirchpfleger.

René Dürler, Kirchpfleger.

Bild: Andreas Taverner

Toni Wäffler, ehemaliger Kirchenpräsident, stellte einen Rückkommensantrag auf ein früheres Protokoll, das seine Amtszeit falsch wiedergebe. Wäffler war 27 Jahre und acht Monate in der Kirchenbehörde, davon 17 Jahre und acht Monate als Kirchenpräsident.

Pater Jaroslaw Kwiatkowski spricht zu den Kirchbürgern. Auch er erntet Kritik.

Pater Jaroslaw Kwiatkowski spricht zu den Kirchbürgern. Auch er erntet Kritik.

Bild: Manuela Olgiati

Kirchbürgerin Ursula Herzog kritisierte das Vorgehen der Kirchbehörde scharf. Mitteilungen sollten unter den Traktanden abgehandelt werden, damit Stimmberechtigte sich äussern können, sagte die ehemalige Präsidentin der Schulen Müllheim. Herzog erhob schwere Vorwürfe gegen Pater Jaroslaw Kwiatkowski, der einigen Mitarbeiterinnen der Kirche vieles zusätzlich erschwere und manche gar «aus dem Dienst der Kirche stelle». Herzog informierte zudem, dass sie sich mit einem Schreiben an die höheren kirchlichen Instanzen der Katholiken gewandt habe, um diese Probleme angehen zu können.

Budget mit grossem Mehr bewilligt

Das Budget 2022 der katholischen Kirchgemeinde Müllheim schliesst bei einem Aufwand von rund 810'000 Franken und einem Ertrag von rund 720'000 Franken mit einem Verlust von 92'000 Franken ab. Das Budget mit einem unveränderten Steuerfuss von 20 Prozentpunkten wird gutgeheissen. (mao)

Die katholische Kirche Müllheim

Die katholische Kirche Müllheim

Bild: Manuela Olgiati

An der Kirchgemeindeversammlung gab es weitere harsche Kritik zur Investitionsrechnung. Urban Bernhardsgrütter, Geschäftsführer einer Holzbaufirma und Müllheimer Gemeinderat, bemängelte Fehler bei der Offertenvergabe an Handwerksbetriebe. Es geht um den Kreditantrag über die Sanierung am Pfarrhaus für gesamt 110'000 Franken. Für den Ersatz von neuen Fenstern sind 70'000 Franken, für die neue Küche 40'000 Franken veranschlagt. Das entfachte Diskussionen.

Mehrere Anträge wurden gestellt, um Kosten und die beiden Posten zu trennen. Dem Kreditantrag für den Ersatz aller Fenster im Pfarrhaus in der Höhe von 70'000 Franken stimmen die Kirchbürger mit 15 Ja-Stimmen zu. «40'000 Franken für eine Küche ist überrissen», sagte der ehemalige Kirchenpräsident Wäffler und verlangte die Offenlegung der Offerte. Thomas Brändle, zuständig für Liegenschaften, konnte sich lediglich auf vage Annahmen berufen. Deshalb fand der Antrag, eine neue Küche für später um einige Jahre zurückzustellen, mit zwölf Ja-Stimmen Zustimmung.