Mensch im Zentrum
Familientradition, Fehlalarme und Freundschaften: Nach über 30 Jahren quittieren zwei Langjährige ihren Dienst bei der Feuerwehr Müllheim-Pfyn

Mit dem Abschied von Meinrad Herzog und Peter Siegwart verliert die Feuerwehr Müllheim-Pfyn den Chef des Verkehrsdiensts sowie einen Feuerwehrsoldaten. Beide wirkten über 30 Jahre in der örtlichen Organisation mit. Jetzt blicken sie zurück auf ihre Anfänge, schwierige Momente und positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Kim Ariffin
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Meinrad Herzog und Peter Siegwart, zwei Langjährige der Feuerwehr Müllheim-Pfyn.

Meinrad Herzog und Peter Siegwart, zwei Langjährige der Feuerwehr Müllheim-Pfyn.

Bilder: Ralph Ribi

Für die Allgemeinheit wollte er sich schon immer einsetzen. Während Meinrad Herzogs Jugend war sein Vater im Feuerwehrdienst und meinte eines Tages: «Heute ist eine Feuerwehrübung, du kannst gleich mitkommen!» Diese relativ unspektakuläre Übung, die rund zehnmal pro Jahr stattfindet, überzeugte Herzog, in die Feuerwehr einzutreten. So fing er 1985 als damals 19-Jähriger bei der Feuerwehr Müllheim an. Weil die Unterlagen dazu fehlen, begann seine Karriere offiziell erst drei Jahre später. Sein Interesse an der Arbeit wuchs stets. Es sei ein fortlaufender Prozess gewesen, wie der heute 55-Jährige erklärt. Er sagt:

«Ich lernte relativ schnell, dass die Kameradschaft am wichtigsten ist und man einander helfen soll.»
Meinrad Herzog, langjähriger Chef Verkehrsdienst bei der Feuerwehr Müllheim-Pfyn.

Meinrad Herzog, langjähriger Chef Verkehrsdienst bei der Feuerwehr Müllheim-Pfyn.

Bild: Ralph Ribi

Mit dieser Einstellung schaffte er nach vielen Jahren Erfahrung den Aufsteig zum Chef des Verkehrsdiensts. Am jährlichen Feuerwehrabend fand Herzog die grösste Freude. Gemeinsam mit allen Mitarbeitenden und deren Angehörigen sassen sie zusammen und blickten auf das jeweilige Jahr zurück. Der Müllheimer erklärt: «Es war schön, wenn möglichst wenige Einsätze vonnöten waren, weil ansonsten immer jemand oder etwas zu Schaden kam.»

Meinrad Herzog: Einsätze frühmorgens wegen technischer Probleme

Im Laufe seiner Karriere machte Herzog sowohl positive als auch negative Erfahrungen. Brandmeldeanlagen sorgten immer wieder für Ärger. Wenn in einer anliegenden Firma der Alarm losging, war meistens nichts Ernsthaftes passiert. Dies sei immer ärgerlich gewesen, weil die Feuerwehrtruppe sich spontan um drei oder vier Uhr morgens versammeln musste und sich am Ende dann herausstellte, dass der Alarm durch ein technisches Problem ausgelöst wurde. Als schöne Erinnerung bleibt Herzog die Dankbarkeit aus der Bevölkerung. Diese zeigte sich in diversen Formen, zum Beispiel mit einem Brief, einer Zeichnung oder auch mit einem Lächeln. Solche Momente zeigten für ihn die grösste Wertschätzung gegenüber seines Dienstes.

Während früher sowohl Müllheim als auch Pfyn jeweils ihre eigene Feuerwehr unterhielten, bildeten sie vor rund zwölf Jahren eine Einheit und arbeiten seither zusammen. Trotzdem besitzen beide Gemeinden bis heute noch ein eigenes Feuerwehrdepot. Dies findet Herzog etwas problematisch:

«Meiner Meinung nach wäre es einfacher, wenn unsere Feuerwehr sich gemeinsam in einem zentralen Depot treffen würde.»

So wäre es auch leichter, miteinander zu kooperieren und Ideen auszutauschen. Herzogs letzter Tag in der Feuerwehr war an Silvester. Wie er erzählt, sei es ein komisches von Wehmut geprägtes Gefühl gewesen. Er habe viel Herzblut in sein Hobby investiert, weswegen der Abgang nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sei. Schmunzelnd fügt er an, dass sein Abgang auch eine positive Seite habe: «Wenn ich so lange Freiwilligenarbeit geleistet habe, kann ich mir jetzt auch ein paar freie Abende gönnen.»

Peter Siegwart: Nervöse Ankunft auf dem Schadenplatz

Peter Siegwart aus Pfyn war über 30 Jahre lang Teil der Feuerwehr. Direkt nach dem Militär wechselte er in die Feuerschutzuniform und arbeitete als Maschinist und Fahrer bei der Feuerwehr. Als Landwirt war er fast jederzeit erreichbar, auch bei Einsätzen tagsüber. Familientradition nennt Siegwart die Feuerwehr, weil sowohl sein Vater als auch sein Grossvater Dienst leisteten. 2006 gelang Siegwart die Wahl in den Pfyner Gemeinderat, wo er 13 Jahre lang für das Ressort Sicherheit zuständig war. Dazu sagt der 54-Jährige lachend:

«Als Gemeinderat war ich sogar meinem Kommandanten übergeordnet.»

Mit dem lokalen Samariterverein lernten die Feuerwehrsoldaten, wie mit Notfällen umzugehen ist. Sie simulierten zum Beispiel den Umgang mit Bewusstlosigkeit, Knochenbrüchen, Rauchvergiftungen und Panikanfällen.

Peter Siegwart (4. v. l.) bei einer Besprechung mit der Feuerwehrmannschaft nach einem Einsatz wegen eines Kaminbrandes.

Peter Siegwart (4. v. l.) bei einer Besprechung mit der Feuerwehrmannschaft nach einem Einsatz wegen eines Kaminbrandes.

Bild: PD

Anfangs fand er es etwas schwierig, sich in der Feuerwehr einzuleben. Wenn man jung sei, habe man noch weniger Erfahrung und sei somit unsicherer während eines Einsatzes. Besonders die Phase, wenn die Feuerwehr beim Schadenplatz ankam und sich der Situation anpassen musste, machte ihn anfangs nervös. Mit steigendem Alter fühlte er sich zunehmend sicher und konnte die Arbeit ruhig angehen. Im Laufe seines Diensts machte Siegwart überwiegend positive Erfahrungen. Viele Betroffene bedankten sich nach einem Einsatz in Form einer Karte, einige kamen auch persönlich bei ihm vorbei. Dass er irgendwann mit seinem Dienst aufhört, wusste er schon länger. Siegwart sagt:

«Ich habe versprochen, dass ich mit der Feuerwehr weitermache, solange ich im Gemeinderat bin.»
Peter Siegwart, Landwirt und ehemaliger Feuerwehrsoldat sowie Gemeinderat Sicherheit in Pfyn.

Peter Siegwart, Landwirt und ehemaliger Feuerwehrsoldat sowie Gemeinderat Sicherheit in Pfyn.

Bild: Ralph Ribi

Dieses Versprechen hielt er auch ein und hängte, nachdem er 2019 mit dem Gemeinderat aufgehört hatte, bei der Feuerwehr noch zwei Jahre an. Der Austritt aus dem Gemeinderat habe ihm einiges erleichtert, zumal die Sitzungen der politischen Behörden jeweils am Montagabend über die Bühne gingen, gleichzeitig wie die Feuerwehrübungen.

Während viele seiner Kollegen seinen Rücktritt bedauern, ist es für Siegwart die richtige Zeit, kürzerzutreten. Er sagt: «Ich konnte viel profitieren, gerade auch weil der Umgang mit anderen Menschen im Zentrum stand.»

Peter Siegwart (2. v. l.) bei einem Tag der offenen Tür der Feuerwehr Müllheim-Pfyn hinter dem Verpflegungsstand.

Peter Siegwart (2. v. l.) bei einem Tag der offenen Tür der Feuerwehr Müllheim-Pfyn hinter dem Verpflegungsstand.

Bild: PD