Mammern
Vorzeitiges Gold: Tröpfel-Damen vom Untersee ergattern für nichtalkoholischen Essensbegleiter eine Auszeichnung

Sansbulle heisst das neue Getränk der Firma Tröpfel aus Mammern. Der Essensbegleiter besteht aus Regenttrauben, Haskap- und Aroniabeeren. Dafür haben die Macherinnen bereits vor dem Verkaufsstart eine Goldmedaille erhalten. An ihrem Firmenstandort erzählen sie, was es dazu braucht und welche Ziele sie noch verfolgen.

Samuel Koch Jetzt kommentieren
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Esther Schäfer schaut Patricia Dähler beim Einschenken zu.

Esther Schäfer schaut Patricia Dähler beim Einschenken zu.

Bild: Tobias Garcia

«Wer trinkt, fährt nicht. Wer fährt, trinkt nicht! Tröpfel trinkt man nicht, Tröpfel geniesst man!» Dieser Spruch prangt an der Wand in den Räumlichkeiten der Tröpfel GmbH von Esther Schaefer und Patricia Dähler an der Hauptstrasse Mammern in Richtung Steckborn unterhalb der Neuburg.

Die nichtalkoholischen Getränke aus regionalen Zutaten sind nicht neu. Seit 2015 setzen sich die Tröpfel-Damen vom Untersee für Trinkgenuss ohne Alkohol ein. Ihr neuestes Getränk heisst Sansbulle und hat erstmals bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart am Dienstag eine Goldmedaille abgestaubt, jene des Schweizer Wettbewerbs für Regionalprodukte.

Drei Medaillen für den Bezirk

Der Schweizer Wettbewerb für Regionalprodukte hat Ende September zum neunten Mal Auszeichnungen verliehen. Unter den Preisträgern für ausgezeichnete Produkte befinden sich drei aus dem Thurgau, allesamt aus dem Bezirk Frauenfeld. Gold erhält die Tröpfel GmbH aus Mammern mit ihrem Sansbulle-Essensbegleiter. Silber geht an Elly Hilzinger aus Gachnang für ihre Konfitüre, Bronze ans Schloss Herdern für ihre süsssaure Thurgauer Sauce. (sko)

Alle Infos unter: www.concours-terroir.ch

Sansbulle – prämierter Saft ohne Alkohol und ohne Kohlensäure.

Sansbulle – prämierter Saft ohne Alkohol und ohne Kohlensäure.

Bild: Tobias Garcia

Auf direkten Wunsch der Gastronomen

Dähler zeigt einen Aktenkoffer mit den neuesten Produkten. Sie tourt derzeit von Gastrobetrieb zu Gastrobetrieb, um Sansbulle bekannt zu machen. «Wir haben immer wieder den Wunsch gehört, etwas Nichtalkoholisches für während des Essens rauszubringen – quasi einen Wein ohne Alkohol», sagt sie. Die Idee für den Namen kam Schaefer wie so oft in einem Geistesblitz. Sansbulle heisst aus dem Französischen übersetzt: ohne Blasen respektive ohne Kohlensäure. Französisch ausgesprochen: sans bulle. Das neue Getränk, das zumindest von der Farbe her einem Wein ähnelt, ist das erste aus dem Hause Tröpfel ohne Kohlensäure. Schaefer sagt:

«Die Leute sollen die Wahl haben, auf Alkohol zu verzichten, ohne diskriminiert zu werden.»

Entstanden ist die Idee durch eine Anfrage eines Rebbauers aus dem Luzernischen, der Haskapbeeren vertreibt. Regenttrauben bilden die Basis für Sansbulle, «fürs Schwere, fürs Süsse, fürs Bodenständige», wie Dähler sagt. Das Aroma der hingegen säurehaltigen Haskapbeere ergänze sich perfekt. Und zum Schluss haben Schaefer und Dähler mit der Aroniabeere einen für sie perfekten Abgang gefunden. «Ich weiss, wie man mit Spritzen umgeht», erzählt Dähler als gelernte Krankenschwester und lacht. In unzähligen Tests im Glas ist die jetzige Mischung entstanden, «die perfekte Symbiose», wie Schaefer und Dähler sagen.

Schaefer und Dähler in ihrem kleinen Verkaufsladen.

Schaefer und Dähler in ihrem kleinen Verkaufsladen.

Bild: Tobias Garcia

Eine perfekte Ergänzung sind auch Schaefer und Dähler, die seit 16 Jahren zusammenarbeiten und ihrem Geschäft seit 2015 in einem Vollzeitpensum nachgehen. Schaefer stammt aus Mammern und kümmert sich dabei ums Administrative, ums Lager mit dem kleinen Verkaufsladen und ums Marketing. Dähler wohnt in Lanzenneunforn und zeichnet für den Verkauf und den Kontakt zur Kundschaft verantwortlich. Die ersten Rückmeldungen für den Sansbulle sind positiv, weiss Dähler zu berichten. «Sie finden das Getränk sexy, mit einem leicht wandelbaren Aroma», sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Absatz von jährlich rund 55'000 Flaschen

Nebst den klassischen Tröpfeln in verschiedenen Geschmacksrichtungen und dem Kingwer mit Kürbis sowie Ingwer haben die beiden Unternehmerinnen längst auch die Paes-Linie lanciert. Jedes Jahr gehen rund 55'000 Flaschen über den Ladentisch, wobei in Mammern lediglich die Büros und das Lager eingemietet sind. Abgefüllt werden die Flaschen mittlerweile bei Robert Irsslinger in der Bonau. Schaefer sagt:

«Dass wir einmal so gross werden, war nie geplant.»

Regionalität haben sie sich dennoch gross auf die Fahne geschrieben, so beziehen sie ihre Rohstoffe ausschliesslich von regionalen Anbietern aus der Schweiz und wollen nach eigenen Angaben weiterhin faire Preise an ihre Lieferanten zahlen. «Dafür verlangen wir Topqualität», sagt Dähler. Selbst ein Übernahmeangebot von Grossisten haben die Tröpfel-Damen längst ausgeschlagen. «Wir wollen gesund und nachhaltig wachsen, möglichst ohne Klumpenrisiko», sagt Schaefer.

Von Sansbulle erhoffen sie sich gerade nach Corona, was bei ihnen im Gegensatz zu anderen Branchen nicht als Krisenzeit in Erinnerung bleibt, dass es weiter aufwärts geht. Nebst dem Versuch von neuem wollen sie vor allem an Bewährtem festhalten. So stehen etwa weiterhin ihre privaten Telefonnummern auf der Etikette jeder einzelnen Flasche. Stalker haben sie bisher jedenfalls keine gemeldet. Dafür erzählt Dähler von einer schönen Erinnerung, als ihr am letzten Silvesterabend ein wildfremdes Kind angerufen und sich bedankt hat. Sie sagt: «Das hat mich riesig gefreut.»

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