Glosse
Machen wir fifty-fifty, ich bezahl trotzdem nichts

Die Schönholzerswiler wollen nicht blöd aussehen. Das überlassen sie lieber dem Kanton. Eine Glosse von Thurgau-Redaktor Silvan Meile.

Silvan Meile
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Silvan Meile, Redaktor Ressort Thurgau.

Silvan Meile, Redaktor Ressort Thurgau.

Bild: Reto Martin

Heute zählt eine Abmachung nichts mehr. Den jüngsten Beweis liefert die Gemeinde Schönholzerswilen. Weil eine ihrer Wasserleitungen brach, kam ein Damm ins Rutschen und beschädigte eine Kantonsstrasse. Damm und Strasse mussten erneuert werden.

«Machen wir fifty-fifty», soll der Kanton mit der Gemeinde vereinbart haben. Die Schuld an der Misere trägt unbestritten Schönholzerswilen mit seiner lecken Wasserleitung.

Das kantonale Tiefbauamt schickte schliesslich die Rechnung von 300'000 Franken nach Schönholzerswilen, dem halben Betrag der Dammsanierung. Doch dort, wo man jetzt wieder zweispurig durchs Hagenwilertobel fahren kann, ist man nicht mehr bereit, den eigenen Anteil zu bezahlen. Denn die Versicherung der Gemeinde weigert sich, das Portemonnaie zu öffnen. Sie sage, die Angelegenheit sei verjährt, lässt Schönholzerswilen den Kanton wissen.

Ein solches Verhalten hat Marco Sacchetti, Generalsekretär beim kantonalen Departement Bau und Umwelt, noch nie erlebt. Das erstaunt. Bisher herrschte im Thurgau die Meinung, Sacchetti sei schon so lange in der kantonalen Bauverwaltung, dass er schon alles erlebt hat.

Das Geld aus der Gemeindekasse zu nehmen und die Vereinbarung einzuhalten, kommt für Schönholzerswiler Gemeindepräsident Ernst Schärrer nicht in Frage. «Dann sähen wir ja schön blöd aus», sagt er. Doch das sieht er falsch. Für die Schönholzerswiler sieht es schön blöd aus, weil sie sich hinter ihrer Versicherung verstecken und nun auf der Anklagebank Platz nehmen müssen.

Jetzt muss das Gericht klären, ob der Anspruch des Kantons verjährt ist. Bei Strassenprojekten ist das naturgemäss eine schwierige Frage. Für Grüne und Grünliberale ist ja bereits die Volksabstimmung für den Bau der BTS/OLS verjährt. Sie sagen sich: «Bund und Kanton sähen ja schön blöd aus, wenn sie diese Strassen noch bauen.»