Kreditvorlage
Rammbock, Seilwinde, Öltiger: Feuerwehr Frauenfeld soll drei neue Fahrzeuge erhalten – für zwei legt der Stadtrat einen Antrag von 0,84 Millionen Franken vor

Für die Formation der Feuerwehr Frauenfeld beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat einen Kreditantrag für zwei Ersatzfahrzeuge in Höhe von rund 840'000 Franken. Ein weiteres Fahrzeug sowie ein Teil der Kosten trägt die Gebäudeversicherung.

Samuel Koch
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Blick in die Fahrzeughalle der Feuerwehr Frauenfeld an der Marktstrasse.

Blick in die Fahrzeughalle der Feuerwehr Frauenfeld an der Marktstrasse.

Bild: Andrea Stalder

Über 250 Mal heulten alleine im vergangenen Jahr die Sirenen in der Stadt auf, als bei der Feuerwehr Frauenfeld (FWFF) Alarme eingingen und das Korps ausrücken musste. Wie zuletzt mehrere Male Anfang diesen Februar. Zunächst brannte auf einem Sitzplatz eines Wohnhauses in der Äusseren Stammerau eine Gasflasche. Wenige Tage später rückte ein Grossaufgebot zu einem Brand im Wohnhaus über der Migros Zeughausstrasse aus. Und dann war da noch der Einsatz wegen des Wasserschadens im Schulhaus Reutenen, als unbekannte Täter für eine Überschwemmung sorgten.

Für solche Einsätze und in Zukunft noch viele mehr unterhält die FWFF von Kommandant Ursin Camenisch ihre Fahrzeugformation, die nun Zuwachs erhalten soll. So legt der Stadtrat dem Gemeinderat eine Botschaft zur Ersatzbeschaffung von zwei Modulfahrzeugen mit einem Antrag für einen Bruttokredit in Höhe von gesamthaft 839'600 Franken vor. In diesem Preis enthalten sind ein neues Ölwehrfahrzeug (Ersatz für Murgo 24 für 534'200 Franken) sowie ein neues Zubringerlöschfahrzeug als Modul- und Lüfterfahrzeug (Ersatz für Murgo 23 für 305'400 Franken).

Ursin Camenisch, Kommandant der Feuerwehr Frauenfeld (FWFF).

Ursin Camenisch, Kommandant der Feuerwehr Frauenfeld (FWFF).

Bild: Reto Martin

Mannschaftstransporter zahlt die Gebäudeversicherung

Um Bruttokredite handelt es sich deshalb, weil sich die Thurgauer Gebäudeversicherung an einem knappen Drittel der Kosten beteiligen soll, wie es dem Stadtrat mündlich zugesichert ist. Ausserdem übernimmt der Kanton die vollen Kosten für den Kauf eines Mannschaftstransporters für das bisherige Pulverlöschfahrzeug (Murgo 25), das nach Rücksprache mit der Gebäudeversicherung keinen Ersatz bedarf. Der Kauf des Transporters ist allerdings nicht Teil der aktuellen Botschaft aus dem Departement für Finanzen und Zentrales von Stadtpräsident Anders Stokholm.

Anders Stokholm, Stadtpräsident und Vorsteher des Departements für Finanzen und Zentrales.

Anders Stokholm, Stadtpräsident und Vorsteher des Departements für Finanzen und Zentrales.

Bild: Andrea Stalder

Beim Ölwehrfahrzeug ist ein identischer Ersatz vonnöten, zumal dieses nebst dem Transport von schwerem Material auch als Rammbock zum Schutz der Mannschaft am Einsatzort eingesetzt werden soll, wofür bisher das Pulverlöschfahrzeug diente. Das Zubringerlöschfahrzeug hingegen wird kleiner als das bisherige, wodurch es flexibler und wendiger einsetzbar sei. Der Mannschaftstransporter wiederum soll die Kapazitäten bei Nachalarmierungen und die Mobilität für externe Ausbildungen steigern, heisst es in der Botschaft.

Bisherige Fahrzeuge steht seit 1998 im Einsatz

Gesamthaft soll die FWFF also drei neue Fahrzeuge erhalten, die als neue Murgo die drei seit 1998 im Einsatz stehenden ersetzen. Zuletzt hat die Stadt vor drei Jahren die Formation mit einem neuen Schlauchverleger und einem neuen Verkehrsfahrzeug erweitert.

Die zuletzt angeschafften Fahrzeuge der Feuerwehr Frauenfeld: links der Schlauchverleger, rechts das Verkehrsfahrzeug.

Die zuletzt angeschafften Fahrzeuge der Feuerwehr Frauenfeld: links der Schlauchverleger, rechts das Verkehrsfahrzeug.

Bild: PD (21.12.2020)

Die jetzige Beschaffung begründet der Stadtrat mit der Schwierigkeit, mit steigendem Alter der Fahrzeuge «Ersatzteile zu beschaffen». Denn so würden die Unterhaltskosten steigen. Zudem würden die ausgedienten Fahrzeuge nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Als Beispiel nennt der Stadtrat fehlende Sicherheitsgurte, «was gerade bei Dringlichkeitsfahrten für die Sicherheit der Mannschaft wichtig wäre». Und er schreibt:

«Zudem erfüllen diese Fahrzeuge nicht mehr die gestiegenen Anforderungen an den flexiblen Einsatz für die zunehmenden Unterwetterereignisse.»

Das der städtischen Fachkommission Sicherheit vorgelegte Strategiepapier entspreche den zukünftig zu erwartenden Schadenereignissen auf dem Frauenfelder Stadtgebiet und im Stützpunktbereich.

Ölwehrfahrzeug (Bruttokosten von 534’192 Franken):

In einem Quartett zeichneten folgende technische Angaben das Ölwehrfahrzeug aus:

  • Lastwagen mit 18 Tonnen Gewicht mit Aufbau und Hebebühne
  • Doppelkabine für sechs Feuerwehrleute
  • Sechs Modulwagen für Material und Rollenhalterungen für Folien und Vlies
  • Seilwinde mit Seillänge von 50 bis 80 Metern sowie Zugkraft von 50 bis 80 Kilonewton
  • Generator ab Nebenantrieb inklusive Lichtmast auf dem Dach
  • Bindemittel-Streugerät (Öltiger) mit Anschlagpunkten vor und hinter dem Fahrzeug, womit der bisherige Streuanhänger ersetzt wird
  • Klappbares Verkehrsleitsystem

Modul- und Lüfterfahrzeug (Bruttokosten von 305’330 Franken):

Das Modul- und Lüfterfahrzeug besticht durch diese technischen Fertigkeiten:

  • Lastwagen mit zirka 12 Tonnen mit Aufbau und Hebebühne
  • Normale Kabine für drei Feuerwehrleute
  • Sechs Modulwagen mit seitlichen Rollläden für Lüfter und Schlauchmaterial
  • Generator mit Lichtmast auf dem Dach

Die Gesamtkosten übersteigen die Finanzkompetenzen des Stadtrates von 300'000 Franken, weshalb nun der Gemeinderat über die Beschaffung der neuen Feuerwehrfahrzeuge befinden muss. Wann das Geschäft ins Stadtparlament kommt, steht noch nicht fest.