Kemmental
«Das ist ein Raubzug auf Kosten des Gewerbes»: Landwirte wehren sich trotz enormer Schuldenlast gegen die Erhöhung der Wasserpreise

Die Stimmberechtigten haben an der Kemmentaler Gemeindeversammlung einen Objektkredit über 2,45 Millionen Franken für den Kauf des Werkhofs in Siegershausen genehmigt. Die geplante Erhöhung der Wasserpreise haben sie dagegen abgelehnt.

Emil Keller
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Die Gemeinde Kemmental kann die kantonalen Gebäude des Strassenunterhalts kaufen und künftig als Feuerwehrdepot und Werkhof benützen.

Die Gemeinde Kemmental kann die kantonalen Gebäude des Strassenunterhalts kaufen und künftig als Feuerwehrdepot und Werkhof benützen.

Bild: Reto Martin

«Im Werkhof wird es langsam eng», begründet Gemeindepräsidentin Christina Pagnoncini den Antrag des Gemeinderates, ein neues Gebäude an der Oberhoferstrasse 1 für den Werkhof zu kaufen. Auch die Kemmentaler Feuerwehr hat mehr Platzbedarf angemeldet. Derzeit ist der Kanton Thurgau noch Eigentümer der Liegenschaft direkt am Kreisel im Ortskern von Siegershausen. Doch 2023 wird die Gebietseinheit VI, welche sich um den Erhalt der Nationalstrasse kümmert, ausziehen.

Der Thurgauer Regierungsrat hat deshalb beschlossen, der Gemeinde Kemmental das Gebäude für 2,45 Millionen Franken zu verkaufen. Damit sei für den Werkhof reichlich Platz vorhanden. So viel, dass sogar die Zivilschutzregion Kreuzlingen als Mieterin mit einziehen könnte.

«Alleine am Wert des knapp 4500 Quadratmeter grossen Grundstückes mitten in der Wohn- und Gewerbezone merkt man, dass das Angebot sehr entgegenkommend ist.»
Christina Pagnoncini, Gemeindepräsidentin.

Christina Pagnoncini, Gemeindepräsidentin.

Bild: Reto Martin

Das sagt Pagnoncini am Montagabend an der Gemeindeversammlung und hebt damit Wert des Schnäppchens hervor. Diese Gelegenheit lassen sich die 118 anwesenden Stimmberechtigten dann auch nicht entgehen und heissen den Objektkredit einstimmig gut.

Das Wasser schwämmt Schulden an

Nicht so einhellig sind die Meinungen bei einer angedachten Gebührenerhöhung der Wasserversorgung. Die Technischen Betriebe Kemmental hatten im Vorfeld der Gemeindeversammlung zusammen mit einem Experten prognostiziert, wie sich die Finanzen der Wasserwerke in den kommenden Jahren entwickeln werden. Pagnoncini sagt:

«Bis 2035 hätten wir Schulden von acht Millionen Franken, das wollen wir unserer nächsten Generation nicht vermachen.»

Gründe für den Schuldenberg von heute schon fünf Millionen Franken seien stetig hohe Investitionen ins Wassernetz sowie steigende Auflagen für Betrieb und Unterhalt. Damit die Schulden zurückgehen, war angedacht sowohl die Grundgebühr als auch den Preis pro Kubikmeter um jeweils 50 Prozent zu erhöhen. Eine Idee, die vor allem bei den Gewerbetreibenden und Landwirten auf wenig Gegenliebe stösst.

«Das ist ein Raubzug auf Kosten des Gewerbes», sagt ein Stimmbürger. Mehrere Wortmeldungen zeugen vom Unmut, dass die privaten Haushalte angeblich nur wenig zur Kasse gebeten und die Grossverbraucher den Grossteil der finanziellen Sanierung tragen müssten. Ein Landwirt betont, dass er sehr zufrieden sei mit der Wasserversorgung durch die Gemeinde:

«Von heute auf morgen eine Preiserhöhung von 50 Prozent vorzuschlagen, geht jedoch nicht.»

Er plädiert dafür, eine andere Lösung auszuarbeiten, um die finanziellen Probleme zu lösen.

«Wir machen das nicht aus Freude, sondern um auch in Zukunft die Wasserversorgung sicherstellen zu können», verteidigt Vize-Gemeindepräsident Walter Ludwig die angedachte Gebührenerhöhung. Von einer Tarifanpassung will die Mehrheit jedoch nichts wissen und so lehnen die Stimmberechtigten den Antrag mit 69 zu 44 Stimmen ab.