Interview
Von Kanada nach Rheinklingen: Christof Aeschbacher hat das «Tilia B&B» eröffnet – doch B&B hat er anders interpretiert

Während der Pandemie ein Gasthaus eröffnen: Das hat Christof Aeschbacher gewagt. Der gebürtige Weinfelder hat im April vor einem Jahr das «Tilia Bed & Bike» in Rheinklingen eröffnet.

Janine Bollhalder
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Eines von drei Zimmern: Das Rheinzimmer im «Tilia B&B».

Eines von drei Zimmern: Das Rheinzimmer im «Tilia B&B».

Bild: PD / Christof Aeschbacher

Was hat Sie dazu bewegt, das «Tilia B&B» zu eröffnen?

Christof Aeschbacher: Es ist ein lang gehegter Traum, den ich mir vor rund einem Jahr endlich erfüllen konnte. Es ist meine Leidenschaft, Leute zu bewirten und zu betreuen. Ursprünglich war der Plan, auszuwandern und in Kanada ein Bed & Breakfast zu führen. Das hat leider wegen des Visums nicht geklappt. Dann kam die Pandemie und gleichzeitig habe ich in Rheinklingen eine passende Immobilie gefunden. Das gab mir die Gelegenheit, etwas Neues anzugehen.

B&B steht normalerweise für Bed & Breakfast, in Ihrem Fall aber für Bed & Bike. Was hat es damit auf sich?

Christof Aeschbacher,Gastgeber «Tilia B&B».

Christof Aeschbacher,
Gastgeber «Tilia B&B».

Bild: PD

Direkt vor dem Haus führt ein Veloweg durch, im Sommer geradezu eine «Velo-Autobahn». Es ist Teil der Rhein-Route 2, dem Veloweg am Rhein entlang von Andermatt, dem Bodensee entlang, bis nach Basel. Die Velofahrer sind meine Hauptzielgruppe, daher habe ich den herkömmlichen Begriff B&B abgewandelt.

Warum wollten Sie nach Kanada auswandern?

Nach abgeschlossener Berufsausbildung habe ich einen einjährigen Sprachaufenthalt in Vancouver gemacht. Später habe ich noch andere Teile des Landes bereist. Die Weite und Vielseitigkeit Kanadas haben es mir sofort angetan. Nebst dem nordischen Klima, schätze ich auch die offene Mentalität der Kanadier sehr.

Tilia B&B

Wie haben Sie Ihr erstes Jahr als Gastgeber erlebt – besonders auch mit der Pandemie?

Sehr positiv. Anfangs hatte ich primär Gäste aus der Schweiz, später dann auch aus dem nahen Ausland. Die Leute haben es besonders zu Coronazeiten geschätzt, dass das B&B klein und familiär ist, und sie nicht Massen anderer Gäste begegneten. Als die meisten Restaurants vorübergehend schliessen mussten, habe ich meinen Gästen auch Abendessen angeboten, denn ich bin gelernter Koch.

Wie viele Zimmer gibt es im Bed & Bike?

Das «Tilia B&B» von aussen.

Das «Tilia B&B» von aussen.

Bild: PD / Christof Aeschbacher

Im «Tilia B&B» gibt es drei Gästezimmer, das Rosen-, das Rhein- und das Lindenzimmer. Für die Namen habe ich mich von der Umgebung inspirieren lassen. Vor den Fenstern des Rosenzimmers etwa blühen drei grosse Rosenstöcke. Im Lindenzimmer sieht man direkt auf die Linde im Innenhof – von ihr habe den Namen Tilia, denn das ist die botanische Bezeichnung für die Linde.

Stemmen Sie die Arbeit alleine?

Bis jetzt, ja. Aber ich arbeite nebenbei noch in einem 60-Prozent-Pensum in einem externen Job. Letztes Jahr hat das gut nebeneinander funktioniert, dieses Jahr folgt die Bewährungsprobe.

Nebst dem B&B betreuen Sie noch ein Café, stellen diverse Produkte her und veranstalten einen «Fiirobig-Anlass».

Frühstück im «Tilia B&B».

Frühstück im «Tilia B&B».

Bild: PD / Christof Aeschbacher

Genau, das Café hat jeweils am ersten und dritten Wochenende im Monat geöffnet. Je nach Wetter auch an weiteren Tagen. Das Angebot umfasst viel Selbstgemachtes, etwa Eistee oder verschiedene Kuchen. Ich backe auch gerne Brot oder Zöpfe aus regionalem Mehl und mache Konfitüre und Sirup aus den Beeren und Früchten der Bäume auf dem Grundstück. Es gibt jeweils auch einen «Fiirobig-Anlass». Dieser richtet sich in erster Linie an die Einwohnerinnen und Einwohner Rheinklingens. Es gibt eine starke Dorfgemeinschaft und ich wurde herzlich aufgenommen. Da es sonst keine Wirtschaft im Dorf gibt, möchte ich mit dem «Fiirobig-Anlass» einen Beitrag leisten, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner treffen und gemeinsam etwas trinken können.