Internationale Bodenseekonferenz
Ein chinesischer Container mit regionalen Zutaten umrundet den See

Die Internationale Bodenseekonferenz feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum mit der Wanderausstellung «Grenzenlos». Der aktuelle Präsident, der Ausserrhoder Alfred Stricker, wünscht sich, dass Grenzen als verbindendes Element wahrgenommen werden.

Judith Schuck
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Alfred Stricker, Präsident der Internationalen Bodensee-Konferenz, hört sich einen Tonbeitrag der Wanderausstellung «Grenzenlos »an.

Alfred Stricker, Präsident der Internationalen Bodensee-Konferenz, hört sich einen Tonbeitrag der Wanderausstellung «Grenzenlos »an.

Donato Caspari

Als der Bodensee Anfang der 1970er-Jahre zunehmend verschmutzte, musste schnell etwas geschehen. Die verschiedenen Kantone und Anrainerstaaten mit ihren jeweils unterschiedlichen Gesetzgebungen machten ein flottes Handeln in diesem Umweltnotstand nicht gerade einfacher. Alfred Stricker, Regierungsrat aus Appenzell Ausserrhoden und aktuell Präsident der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) erinnert sich:

«Wir hatten damals einen gemeinsamen Gegner, den Dreck.»

Tatsächlich war die Verschmutzung des Bodensees Anlass, sich zusammenzutun. Am 14. Januar 1972 wurde die Bodenseekonferenz in Konstanz als informelle Plattform begründet. Mitglieder waren damals Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, St.Gallen, Schaffhausen und Thurgau.

50 Jahre später sind es elf Regierungsräte, die ihre Region vertreten, darunter auch das Fürstentum Liechtenstein und Zürich. Beim Gipfeltreffen 2022 auf dem Säntis formulierte der Vorstand seine Entschlossenheit, «eine europäische Vorzeigeregion mit hoher Wirtschaftskraft, sozialer Gesinnung und Engagement für Nachhaltigkeit zu sein».

Verkehrspolitik ist bei der IBK zentral

Meilensteine während dieser 50 Jahre sind die Initiative zum Bodenseeradweg 1983, der IBK-Kulturförderpreis, mit dem seit 1990 jährlich junge Kunstschaffende ausgezeichnet werden. Mit der Internationalen Bodeseehochschule wird seit 2020 die Zusammenarbeit der Hochschulen in der Vierländerregion gefördert.

Dem Thema Gesundheit widmet sich die IBK ebenso, zum Beispiel mit einem Preis für Gesundheitsförderung und Prävention oder dem IBK-Gesundheitsschiff, das 2011 unter dem Motto «Grenzenlos gesund» die Häfen in Rorschach, Bregenz, Lindau und Friedrichshafen ansteuerte. Wichtig ist gerade auch die Verkehrspolitik. «Ein Beispiel hierfür ist die Euregia, die dritte Fähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen», sagt Klaus-Dieter Schnell, Geschäftsführer der IBK. 1993 habe sich die Vernetzungsorganisation für einen zinslosen Kredit eingesetzt, damit das Schiff gebaut werden konnte. Schnell sagt:

«Die IBK setzt häufig Impulse. Oft geht vergessen, dass sie ursprünglich hinter einer Initiative stand, aber wichtig ist ja, dass etwas geschieht im Bodenseeraum.»

Im Jubiläumsjahr soll das Augenmerk dennoch auf das Wirken der IBK gelenkt werden. Hierzu dient in erster Linie das Projekt der IBK-Containertour. Projektleiterin ist Margrit Bürer. Sie baute einst das Kulturamt in Appenzell Ausserrhoden auf. Da der Kanton turnusmässig 2022 den Vorsitz hat, obliegt den Ausserrhoder Regierungsräten die Hauptplanung des Jubiläums. Dabei geht ein blauer Schiffscontainer aus China auf Tour und macht Halt an elf Stationen im Bodenseeraum.

Gestaltet und ausgebaut hat ihn Architekt Roger Graf: «Der Container entfaltet seine Qualitäten, wenn er vor Ort ankommt.» Viele Elemente aus der Bodenseeregion sind für den Ausbau wiederverwertet worden, darunter Holz aus Altstätten.

Die Regierungsräte Alfred Stricker (AR), Patrick Strasser (SH) und Carmen Haag (TG) in der Ausstellung «Grenzenlos».

Die Regierungsräte Alfred Stricker (AR), Patrick Strasser (SH) und Carmen Haag (TG) in der Ausstellung «Grenzenlos».

Donato Caspari

Die Ausstellung «Grenzenlos», die im Container gezeigt wird, möchte sichtbar machen, was hinter der IBK steht. Alfred Stricker erklärte in seiner Rede zur Vernissage am 16. Mai im Hof des Siemensareals in Konstanz, zu der auch die Thurgauer Noch-Regierungsrätin Carmen Haag anreiste:

«Grenzen sollen nicht als trennendes, sondern verbindendes Element wahrgenommen werden.»

Dort ist der erste Standort des Containers. Neben dem Hauptcontainer befindet sich noch ein «Litfassblock, das Container-Baby», erklärt Architekt Graf. IBK-Präsident will Zentren besser ansprechen. Der Block wird vor Ort von den Ausstellungsbetreuenden zu ihrem Schwerpunktthema gestaltet, dazu gibt es ein Rahmenprogramm wie ein Theaterstück des Café Fuerte zum Thema äussere und innere Grenzen, Diskussionen und Informationsveranstaltungen. Stricker ist überzeugt:

«Es braucht diese Regierungskonferenz. Die Vernetzung muss funktionieren.»

Künftig müssten die Fühler allerdings noch vermehrt in die Zentren ausgestreckt werden, um die Attraktivität der Bodenseeregion bekannter zu machen.


Standort Kreuzlingen

Von Mitte Mai bis Ende Juli macht die Wanderausstellung jeweils eine Woche Station in jedem der elf Mitgliedsländer. Der Thurgauer Container-Standort ist das Kreuzlinger Kulturzentrum Kult-X vom 21. bis 25. Mai. Am 23. Mai wird in einem Gespräch erörtert, wie vielschichtig die Beziehungen in der Bodenseeregion sind. Ein Podium widmet sich am selben Tag dem Thema «Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Werden die Potenziale ausgeschöpft?»