Gruppenunterkünfte
Stadt Frauenfeld muss weniger schmutzige Wäsche waschen: Schuld daran ist die Coronapandemie

Kosten, die unter Budget liegen, machen grundsätzlich Freude. In diesem Fall ist aber die Anzahl Übernachtungen in den städtischen Gruppenunterkünften massiv eingebrochen. So verzeichnete man 2020 gerade einmal 68 Logiernächte – statt deren knapp 1600 im Jahr zuvor. Deshalb ist auch der Aufwand für die Schmutzwäsche fast auf Null gesunken.

Mathias Frei
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Ganz so luxuriös kommt die Bettwäsche in den Frauenfelder Zivilschutzanlagen nicht daher.

Ganz so luxuriös kommt die Bettwäsche in den Frauenfelder Zivilschutzanlagen nicht daher.

Bild: Look Photography

«Das Reich ist zu jung, wir wollen lieber mal unsere schmutzige Wäsche unter vier Augen waschen, nicht vor der Öffentlichkeit zwei Stunden lang den Reichskanzler analysieren.» Das sagte der deutsche Reichskanzler Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen am 14. März 1885 in der Reichtagssession. Bismarck stand also schon vor 136 Jahren nicht darauf, schmutzige Wäsche zu waschen. Zum Glück muss man heutzutage in Frauenfeld wenig schmutzige Wäsche waschen. Vergangenes Jahr hätte sich wohl nicht einmal die Anschaffung einer kleinen Haushaltswaschmaschine gelohnt. Denn die Gruppenunterkünfte der Stadt verzeichneten gerade einmal 68 Logiernächte.

Otto von Bismarck, 1886.

Otto von Bismarck, 1886.

Bild: PD/Bismarck-Stiftung

Schmutzige Wäsche waschen: Diese Redewendung meint, dass man öffentlich über die Fehler anderer Leute spricht. Das ist nicht nett. Dass Bismarck es nicht nett fand, dass man über ihn schmutzige Wäsche wäscht, ist eine andere Sache. Auf jeden Fall soll die Redewendung ihren Ursprung im Mittelalter haben, als nicht nur die Rollenverteilung, sondern auch die Stereotypen hinterherhinkten. Als sich nämlich schwatzhafte Waschweiber jeweils am Wasser trafen und die Kleider ihrer Männer wuschen. Da sei getratscht worden, während schmutzige Wäsche gewaschen wurde. Sei es, wie es wolle.

Kosten von knapp 81 Franken statt 6000 Franken

Bei der Stadt Frauenfeld jedenfalls gibt es keine schwatzhaften Waschweiber. 2020 hätte es sie auch nicht gebraucht. So liest man in der Rechnung 2020 beim Amt für Sicherheit als Bemerkung zum Quartieramt-Konto 1724.3159.80 «Diverser Unterhalt mobile Anlagen»:

«Da in Folge Covid-19 fast keine Unterkünfte mehr belegt wurden, musste auch keine Bettwäsche gewaschen werden.»
Werner Spiri, Leiter des Amtes für Sicherheit der Stadt Frauenfeld.

Werner Spiri, Leiter des Amtes für Sicherheit der Stadt Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Wie Werner Spiri, Leiter des Amtes für Sicherheit der Stadt, erklärt, verzeichnete das Quartieramt 2019 insgesamt 1592 Logiernächte in den städtischen Gruppenunterkünften. Im vergangenen Jahr waren es dagegen nur noch deren 68 Logiernächte. So erstaunt es nicht, dass das besagte Konto in der Rechnung 2020 Kosten von gerade einmal 80,80 Franken aufweist. Budgetiert gewesen waren 6000 Franken.

2020 wurde nur im «luxuriösen» Kurzdorf übernachtet

Die Unterkünfte würden sehr oft von Vereinen gebucht. 2019 waren die Unterkünfte Hummelstrasse (bei der Turnfabrik), Kurzdorf (beim Schulhaus), Sportplatz Kleine Allmend und Neuhauserstrasse (beim Kantisportplatz) in Betrieb. Für die Unterkunft Neuhauserstrasse laufen seit vergangenem Jahr die Planungen für die Renovation. Die Betten an der Hummelstrasse und auf der Kleinen Allmend blieben gänzlich unberührt. Die 68 Logiernächte kamen nur durch Übernachtungen im Kurzdorf zustande. Spiri sagt:

«Was die Anzahl Logiernächte betrifft, haben wir in Frauenfeld wohl am meisten unter der Coronapandemie gelitten.»
Zugang zur Gruppenunterkunft Neuhauserstrasse.

Zugang zur Gruppenunterkunft Neuhauserstrasse.

Bild: Andrea Stalder

Die Unterkunft im Kurzdorf ist ein wenig «luxuriöser». Die Betten verfügen über Nordisch-Duvets. Die Bettwäsche wird nach jeder Buchung gewaschen. In den anderen Übernachtungsorten dagegen bringt man einen Schlafsack mit, die Matratzenüberzüge kommen einmal pro Jahr in die Wäsche. Spiri lässt die schmutzige Wäsche in Münsterlingen bei der Spitalwäscherei wieder sauber machen. «In normalen Jahren ist das eine grössere Menge, das lässt sich nicht mit einer Haushaltswaschmaschine bewerkstelligen.» Und zwei Tage nach Abholung seien die sauberen Laken wieder frisch duftend zurück in Frauenfeld.

Die massiv gesunkenen Belegungszahlen wirkten sich in der Rechnung 2020 natürlich auch auf die Einnahmen aus. Im Budget hatte man mit 10'000 Franken gerechnet, effektiv rein kamen nur deren 1014 Franken. In Folge der Coronapandemie seien fast alle Reservationen im Jahr 2020 storniert worden. Die Stadt habe sich bei Stornierungen sehr kulant gezeigt und keine etwaige Gebühren erhoben, wie das in der Hotellerie ab einem gewissen Zeitpunkt vor der Übernachtung üblich ist. Spiri sagt:

«Es waren sehr oft Vereine im Jugend- und Sportbereich. Und die müssen ja auch auf ihre Finanzen schauen.»