Gesamterneuerungswahlen
Drei auf einen Streich: Auf Sommer 2023 treten in Uesslingen-Buch die langjährige Gemeindepräsidentin Elisabeth Engel sowie zwei Gemeinderäte zurück

Elisabeth Engel war seit 2003 im Gemeinderat, wurde zwei Jahre später Frau Gemeindeammann. Sie hatte ihre letzte Legislatur schon bei den Gesamterneuerungswahlen 2019 angekündigt. Willy Hohl gehört der Behörde seit 2011 an. Matthias Tschanz wurde 2015 in den Gemeinderat gewählt.

Mathias Frei
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Elisabeth Engel, Gemeindepräsidentin von Uesslingen-Buch.

Elisabeth Engel, Gemeindepräsidentin von Uesslingen-Buch.

Bild: Andrea Stalder

Wenn drei langjährige Behördenmitglieder gehen und die beiden amtsjüngsten Gemeinderäte zurücklassen, riecht das nach Stunk. Nicht so in Uesslingen-Buch. Denn die Rücktritte erfolgen nicht Knall auf Fall, sondern sind auf Ende der laufenden Legislatur angekündigt, also auf Sommer 2023. Und zumindest von Gemeindepräsidentin Elisabeth Engel war schon vor zwei Jahren bei ihrer Wiederwahl bekannt, dass die aktuelle Amtszeit ihre letzte sein wird. Nebst Engel treten auch die Gemeinderäte Willy Hohl und Matthias Tschanz auf Mitte 2023 ab.

Zur Wiederwahl für die Legislatur 2023 bis 2027 stellen sich hingegen Thomas Heusser, seit 2018 Behördenmitglied und zuständig fürs Ressort Flur- und Strassenunterhalt, sowie Andreas Richiger (Ressort Energieversorgung), der erst im vergangenen Frühling ins Gremium gekommen ist.

2023 werden es vier Legislaturen sein

Vorgänger von Elisabeth Engel in Uesslingen-Buch: Jakob Thurnheer.

Vorgänger von Elisabeth Engel in Uesslingen-Buch: Jakob Thurnheer.

Bild: Reto Martin (21.Mai 2015)

Elisabeth Engel schaffte 2003 die Wahl in den Gemeinderat. Zwei Jahre später trat sie als Frau Gemeindeammann die Nachfolge von Jakob Thurnheer an, den damals dasselbe Amt nach Müllheim lockte. Engel sagt heute:

«Bei meiner Wahl in den Gemeinderat war ich die Quotenfrau.»

Aus der Quotenfrau wurde die Frau Gemeindeammann und hernach die Gemeindepräsidentin, die ihre Gemeinde all die Jahre im Griff hatte, aber als Frau in der Politik im ländlichen Raum auch Kritiker auf den Plan rief. Die heute 67-Jährige wusste sich aber zu behaupten, brachte auch schwierigere Geschäfte unbeschadet an der Gemeindeversammlung durch. Ihre berufliche Vergangenheit im Kader einer Schweizer Grossbank war ihr sicherlich zu Nutzen. Zuletzt hatte sie bei den Gesamterneuerungswahlen ihre ehemalige Gemeinderatskollegin Cornelia Büchi als Mitbewerberin um das Gemeindepräsidium, konnte sich aber durchsetzen.

«Ich glaube, Uesslingen-Buch ist gut aufgestellt.»

Das sagt Gemeindepräsidentin Engel. Sie habe jedenfalls keine Bedenken betreffend der Nachfolgen von Hohl, Tschanz und ihr. Kleinere Gemeinden im ländlichen Raum würden aber vor grossen Veränderungen stehen, sagt sie. Es gelte, auf regionale Zusammenarbeiten zu setzen, um die Gemeindeautonomie weiter hochhalten zu können.

Vor den diesjährigen Sommerferien habe der Gemeinderat den Entscheid betreffend Nachfolgeplanung gefällt, erklärt die Gemeindepräsidentin. Man habe auch lange über eine Staffelung der Rücktritte diskutiert, aber dann wäre man bis 2023 im Dauer-Wahlmodus gewesen. «Das hätte keine Ruhe hineingebracht.»

Markus Frei präsidiert Findungskommission

Präsident der Findungskommission: Markus Frei, Winzer und alt Kantonsrat CVP aus Uesslingen.

Präsident der Findungskommission: Markus Frei, Winzer und alt Kantonsrat CVP aus Uesslingen.

Bild: Andrea Stalder

Die Gesamterneuerungswahlen für die Legislatur 2023 bis 2027 sind für die Bechtelisgemeinde 2023 geplant. Amtsantritt ist also erst ein halbes Jahr nach der Wahl. Engel sagt:

«So bleibt genügend Zeit für eine geordnete und den Aufgaben gerechte Übergabe der Geschäfte.»

Schon heute ist bekannt, dass der Gemeinderat auf eine Findungskommission setzen will bei der Suche nach Kandidierenden. Das überparteiliche Gremium wird der Uesslinger Winzer und alt CVP-Kantonsrat Markus Frei präsidieren. Frei ist dafür prädestiniert, denn er ist einer, der in Uesslingen-Buch Leute zusammenbringen kann – und nicht auseinander. Wie Engel sagt, wird Frei seine Arbeit noch Ende von diesem Jahr aufnehmen.

Willy Hohl zieht nach zwölf intensiven Amtsjahren Schlussstrich

Willy Hohl, Gemeinderat von Uesslingen-Buch.

Willy Hohl, Gemeinderat von Uesslingen-Buch.

Bild: PD

Elisabeth Engel wird zum Zeitpunkt ihres Rücktritts 2023 zwei Jahrzehnte in der Gemeindepolitik tätig gewesen sein – und sie wird 69 Jahre alt sein. Sie könne sich gut vorstellen, dass sie sich nach ihrer Pensionierung in der Förderung von Frauen in der Politik engagieren wird. Schon vor 30 Jahren war Engel bei der Initiative «Taten statt Worte» aktiv, die sich im deutschsprachigen Raum für die Geschlechtergleichstellung in der Wirtschaft einsetzte.

«Ich will Frauen ermutigen, sich etwas zu getrauen.»

Während die Gemeindepräsidentin eigentlich schon im Pensionsalter ist, hat Gemeinderat Willy Hohl (Ressort Wasser, Abwasser, Entsorgung) regulär noch vier Jahre. Er ist 61-jährig. Hohl ist seit 2011 Gemeinderat in Uesslingen-Buch, unaufgeregt, aber sehr engagiert. Er wolle dieses Amt nicht bis zur Pensionierung ausüben, sagt er.

Matthias Tschanz, Gemeinderat von Uesslingen-Buch.

Matthias Tschanz, Gemeinderat von Uesslingen-Buch.

Bild: Benjamin Manser
«Für mich war von Anfang an klar, dass drei Legislaturen einen guten Zeitraum darstellen.»

Hohl spricht von einer intensiven Zeit, die ihm grundsätzlich immer Freude bereitet habe. Matthias Tschanz gehört der Behörde seit 2015 an. 2023 wird der Ressortverantwortliche Sicherheit/Soziales/Kultur zwei Legislaturen abgeschlossen haben. Es sei eine spannende, lehrreiche Zeit gewesen, aber nach acht Jahren könne man auch neuen, motivierten Kräften Platz machen, sagt Tschanz, der selber junger Familienvater ist. Arbeit, Familie und Politik unter einen Hut zu bringen, sei eine Herausforderung. Die Arbeit im Gemeinderatsgremium bereite ihm auch jetzt noch viel Spass. Das konstruktive Arbeiten bestätigt auch Gemeindepräsidentin Engel.

«Wir waren aber nie ein Kuschel-Gemeinderat, sondern haben Themen ausdiskutiert.»