Fünfte Jahreszeit
Piratenkonfetti aus dem Atommeiler: Zum zweiten Mal zieht sich ein Fasnachtsweg durch die Steckborner Altstadt

Das Ende der Coronamassnahmen kam am Untersee zu kurzfristig, um grössere Events aufzugleisen. Ganz ohne Narreteien müssen die Steckbornerinnen und Steckborner aber auch dieses Jahr nicht auskommen. Ab dem Schmutzigen Donnerstag steht der Fasnachtsweg 2.2 bereit.

Mathias Frei
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Närrischer Süsswasserpirat: Patrik Hösli auf der Seestrasse in Steckborner, wo der Fasnachtsweg durchführt.

Närrischer Süsswasserpirat: Patrik Hösli auf der Seestrasse in Steckborner, wo der Fasnachtsweg durchführt.

Bild: Mathias Frei

Das Versprechen meint es ernst. «Nächstes Jahr machen wir wieder richtig Fasnacht in Steckborn», sagt Patrik Hösli. Er ist bei den Süsswasserpiraten der Mann für die närrische Jahreszeit. Der Verein von Hösli und einer Handvoll Freunde, alle mit oder um Jahrgang 1986 herum, hat sich in den vergangenen Jahren der fünften Jahreszeit am Untersee angenommen.

«Für dieses Jahr ist es leider zu kurzfristig.»

Denn wer hätte schon Ende Januar gedacht, dass innert Monatsfrist alle Coronamassnahmen aufgehoben werden. Doch ganz auf Fasnacht muss man auch heuer nicht verzichten im Unterseestädtli. Nachdem schon im vergangenen Jahr keine Veranstaltungen möglich waren, lancierten die Süsswasserpiraten zusammen mit Nicole Rüedi-Marti und Conny Züllig-Hasler den Fasnachtsweg. Und die Rückmeldungen seien sehr positiv gewesen, sagt Hösli.

Die Route ist einen knappen Kilometer lang

Nun steht der Steckborner Fasnachtsweg 2.2 auf dem Programm. «2.2, weil wir das Jahr 2022 haben und den Weg zum zweiten Mal machen», sagt Hösli. Die Route, die sich durch die Altstadt schlängelt, ist einen knappen Kilometer lang.

«Der Fasnachtsweg entspricht in etwa der Route des Hemdglonggnerumzugs.»

Das sagt Hösli. Dieser Umzug findet traditionell am Abend des Schmutzigen Donnerstags statt. An sicher zehn Orten auf dem Fasnachtweg wird man in närrische Stimmung versetzt, etwa mit dekorierten Schaufenstern von Läden oder Gastrobetrieben. Für das kreative Moment sind die beiden Steckbornerinnen Nicole Rüedi-Marti und Conny Züllig-Hasler, die ein Kreativ-Nähatelier betreibt und deren Mann lange Organisator des Steckborner Fasnachtsumzugs war.

In Konstanz im 19. Jahrhundert entstanden

Die Tradition der Hemdglonggner (oder auch Hemdglunker) kennt man vor allem in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht – eben auch in Steckborn, jeweils am Abend des Schmutzigen Donnerstags. Dabei ziehen Hemdglonggner in weissen Nachthemden und mit weissen Kopfbedeckungen lärmend (etwa mit Glocken und Topfdeckeln) durch den Ort. Das Wort «Glonker» hat seinen Ursprung im Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie Müssiggänger. In Konstanz wollten Internatsschüler auch Fasnacht feiern. So schlichen sie sich in weissen Nachthemden aus dem Internat und mischten sich unter das Festvolk. Der erste Konstanzer Hemdglonggerumzug datiert von 1879. (ma)

Konfetti à gogo zum Mitnehmen

In Betrieb ist der Fasnachtsweg sicher vom Schmutzigen Donnerstag bis und mit Fasnachtsdienstag. Start und Ziel ist beim Gemeindehaus. Von dort geht es über den Obertorplatz und die Spiegelgasse zur Seestrasse hinunter, über die Kirchgasse wieder hoch zum Kehlhofplatz und dann über die Augustinergasse zurück an die Seestrasse. Bei Start und Ziel kann man sich aus umfunktionierten Atommeilern mit Konfetti bedienen.

«Die Fässer haben wir 2016 für unseren Umzugswagen gebastelt, als damals die Atomausstiegsinitiative zur Abstimmung kam.»

Das erzählt Hösli. Er freut sich, wenn spontan noch weitere Gewerbetreibende sowie auch Anwohnerinnen und Anwohner mittun, um ihre Häuser fasnächtlich zu schmücken. Wer Material und Hilfe brauche, könne sich bei Nicole Rüedi-Marti und Conny Züllig-Hasler melden. Wie Hösli erfahren hat, werde Steckborn Mister Fasnacht, Hans «Jules» Stoller, am Schmutzigen Donnerstag wohl noch spontan mit dem «Schwarzen Block», also den weissgewandeten Hemdglonggnern, auf der Gasse sein.

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Am Freitag kommt die «Steckborner Fasnachtszytig» heraus

Trotz all dieser kurzfristigen Bemühungen: Die Steckborner Fasnacht wird nach 2021 zum zweiten Mal schon in einer Lightversion ablaufen. Zwar wird auch dieses Jahr am Fasnachtsfreitag wieder die beliebt-berüchtigte «Steckborner Fasnachtszytig» herauskommen, die sich bissig mit dem gesellschaftlichen und politischen Leben im Unterseestädtli auseinandersetzt. Aber vor der Pandemie gab es nach dem Hemdglonggnerumzug vom Donnerstag jeweils am Samstag den Steckborner Fasnachtsumzug. Abends ging ein kleiner Maskenball über die Bühne. Und der Sonntag gehörte jeweils den kleinen Narren an der Kinderfasnacht.

An der Steckborner Fasnacht hat auch der Verein der Süsswasserpiraten seinen Ursprung. 2009 nahm man erstmals mit einem Piratenschiff am Umzug teil. Zwei Jahre später organisierte der Verein erstmals den Maskenball, später übernahm man auch die Organisation des Umzugs. Mit diesen und anderen Veranstaltungen wolle man Steckborn beleben, sagt Hösli.

«Und klar, wir selber geniessen diese Feste jeweils auch.»