Frühlingsputz im Rhein bei Eschenz

Am vergangenen Samstag fand die kantonsübergreifende Rhy-Putzete statt. Während die Helfer in Scharen kamen, hielt sich die Abfall-Ausbeute in Grenzen.

Ernst Hunkeler
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Regenschirme und Schraubenschlüssel: Viel mehr holten die Taucher dieses Jahr nicht aus den Tiefen des Rheins. (Bild: Ernst Hunkeler)

Regenschirme und Schraubenschlüssel: Viel mehr holten die Taucher dieses Jahr nicht aus den Tiefen des Rheins. (Bild: Ernst Hunkeler)

Sie ist stets ein kantonsübergreifendes Ereignis, die Steiner Rhy-Putzete. Ins Leben gerufen wurde der Traditionsanlass einst von dem Fischerverein Stein am Rhein, Unterstützung bekam er auch dieses Jahr wieder von der örtlichen SLRG-Tauchergruppe, Froschmannen und -damen aus Lindau und Vorarlberg sowie dem örtlichen Bootsclub.

Trotz nasskalter Witterung marschierten die Helfer in noch nie erlebter Zahl auf: 32 Frauen und Männer aus den Reihen der genannten Vereine versammelten sich am Samstag um 9 Uhr gemeinsam mit etlichen Aussenstehenden beim Steiner Strandbad. Unter ihnen viele Thurgauer, wie etwa Rolf Haltiner, Vereinspräsident des Fischervereins Stein am Rhein, aus Eschenz.

Zu dieser Zeit steckten an der Steiner Schifflände die sieben Taucher, die teils vom östlichsten Bodensee angereist waren, bereits in ihren Neoprenanzügen und warteten auf ihren Einsatz.

Fischer springt mit seinem Boot in die Bresche

Sie sollten auf dem Boot des Fischervereins und jenem der SLRG bis hinauf zur Insel Werd geschippert werden, um dann von dort gründelnd und nach Abfall spähend im bis zu sechs Meter tiefen Rhein abwärts zu schwimmen. Sollten: Denn als der Schlüssel ausgerechnet zum SLRG-Boot trotz diverser Telefonate unauffindbar blieb, machte sich doch eine gewisse Hektik breit.

Besonderes Fundstück

Im vergangenen Jahr fanden die Taucher im Rhein einen Zeitungsautomaten. Der noch volle Kasten wurde mittels eines Hebesacks geborgen. Im Hafen waren anschliessend vier Mann nötig, um den 80-Kilo-Gegenstand die Rampe hoch zum Recycling-Container zu schleppen. (hun)

Nun musste Fischer Emanuel Büel die Taucher zu zweit oder dritt mit dem einzigen verfügbaren Boot hochfahren, auf dem Rückweg Müll an Bord nehmen und die Taucher für den nächsten Einsatz dann wieder an Bord holen und zu ihren Einsätzen schippern. Eine Novität innerhalb der Rhyputz-Tradition war man in früheren Jahren doch mit bis zu drei Booten unterwegs.

Entgegengesetzt proportional zur Rekordzahl der insgesamt rund 50 Abfallsammler zu Lande und zu Wasser schlug die wohl magerste Abfall-Ausbeute aller Zeiten zu Buche. Kein einziges Velo, nur ein paar Schraubenschlüssel und Regenschirme, eine Tafel der örtlichen Badi und ein wenig muschelverkrustetes Baueisen wurden aus dem Rhein gefischt.

Mehr Abfall an Land als im Wasser

Grad den gegenteiligen Eindruck bekam das Trio, das gegenüber von Rheinklingen von der Mündung biberaufwärts unterwegs war: Schon nach der Hälfte der geplanten Suchstrecke bis zur Kläranlage waren die drei mitgeschleppten 110-Liter-Abfallsäcke randvoll mit allen nur erdenklichen Picknick-Überresten, vor allem Einweggrills. Wen wundert’s also, dass beim gemeinsamen Mittagessen bei der Fischerhütte «I de Hose» die Fortsetzung der Tradition verankert wurde.