Fasnacht
«Fit wie ein Hirsch»: Reto Schneider hat als Obernarr die Stadt Frauenfeld übernommen

Der Donnerstagabend, 24. Februar, wird Reto Schneider im Gedächtnis bleiben. Er hat als neu gewählter Obernarr die Stadt Frauenfeld übernommen. Für den gelernten Metzger erfüllt sich damit ein langgehegter Traum.

Janine Bollhalder
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Der neue Obernarr Reto Schneider mit seinen Begleiterinnen Michaela Bianchi und Claudia Müller.

Der neue Obernarr Reto Schneider mit seinen Begleiterinnen Michaela Bianchi und Claudia Müller.

Bild: Tobias Garcia

Noch weiss niemand, wer die Stadt Frauenfeld über die Fasnachtstage übernehmen wird. Am Donnerstagabend haben sich die Mitglieder der Narrengesellschaft Murganesen im Rathaussaal zur vereinsinternen Bekanntgabe getroffen. Ohne Maske, mit Küssli links und Küssli rechts und strahlenden Gesichtern. Auch Stadtpräsident Anders Stokholm war vor Ort und stimmte ins fasnächtliche «Ho Narro!» ein.

Dass die Fasnacht nach zwei Jahren wieder ohne Maske – zumindest ohne Coronamaske – stattfinden kann, freut Ivan Gubler, Präsident der Murganesen. In seiner Ansprache ist die Pandemie doch ein grosses Thema, denn sie hat die Suche nach der Obernärrin oder dem Obernarr verkompliziert. «Es gab jemanden», erzählte Gubler. Aber diese Person musste Anfang der Woche von seinem künftigen Amt zurücktreten – wegen einer Coronainfektion. Eine Lösung via Zoom oder Teams wollte er nicht umsetzen, denn wie er am Telefon sagte:

«Entweder mache ich es richtig oder gar nicht.»

Also begann für Präsident Gubler die Suche nach einem neuen Obernarr. Eine, die sich erst als erfolglos zeigte. «Ich habe mehrere Leute angerufen und es war eigentlich immer dasselbe», erzählte Gubler. «Ja, ich würde gerne, aber nein, das geht aktuell nicht. Aber ich hätte noch Namen für dich.» Fast hätte er aufgegeben und den Murganesen am Donnerstagabend mit Wehmut verkündet, dass es keinen neuen Obernarr gibt. Denn Antonella Pasina, die pandemiebedingt über zwei Jahre Obernärrin war, noch ein drittes Jahr im Amt zu gewähren, wären mafiöse Zustände gewesen, scherzt Gubler.

Die letztjährige Stadtübergabe von Anders Stokholm an Antonella Pasina.

Die letztjährige Stadtübergabe von Anders Stokholm an Antonella Pasina.

Bild: Andrea Stalder (11.02.2021)

Hirsch übernimmt die Stadt

«En geile Siech» sei der neue Obernarr, sagt der Murganesen-Präsident. Er habe am Donnerstagmorgen um 10 Uhr zugesagt, dass er am Abend um 18.13 Uhr die Stadt offiziell übernehme. Dann lüftete er das grosse Geheimnis: In die Fussstapfen von Pasina tritt Reto Schneider – oder wie die Fasnächtler ihn nennen: Hirsch. So will er übrigens auch über die Fasnachtstage bis zur Stadtrückgabe am Dienstag von allen genannt werden, sagt der frischgekürte Obernarr.

Für Hirsch erfüllt sich mit der Wahl zum Obernarren ein grosser Traum. «Ich habe das schon lange machen wollen. Aber ich war lange Zeit selbstständig und der eigene Betrieb hat eine Tätigkeit wie diese verunmöglicht», erklärt er. Der 54-Jährige ist Metzger und erst seit kurzer Zeit angestellt. Mit Gubler verbindet ihn eine lange Freundschaft, sie kennen sich aus der Guggenmusik. Für beide ist klar: Das Grundnahrungsmittel über die nächsten Tage ist flüssig – auch wenn Schneider als Metzger auch gerne ein Stück Fleisch dazu isst. Der neue Obernarr ist angefressener Fasnächtler und war langjähriges Mitglied der Guggenmusik Rungglä-Süüder. Von da kommt auch sein Spitzname, wie er erklärt:

«Wenn die anderen Fasnächtler mich jeweils gefragt haben, wie es mir geht, sagte ich: Ich bin fit wie ein Hirsch.»
12 Bilder
Präsident der Murganesen, Ivan Gubler, hält eine Rede.
Stadtpräsident Anders Stokholm hält eine Rede.
Reto Schneider steigt aus dem Volvo, in dem er vorgefahren wurde.

Bilder: Tobias Garcia

Bei der Bekanntgabe des neuen Obernarren vor der Öffentlichkeit vor dem Rathaus übergibt Murganesen-Präsident Gubler Stadtpräsident Stokholm das Mikrofon für «seine letzten Worte an einen Teil seines Volkes». Stokholm bezeichnet die fasnächtliche Übergabe als «einen durchaus politischen Akt».In den nächsten fünf Tagen, in denen Hirsch die Stadt übernimmt, hätte er Lust, in den Osten zu reisen, um «dem dortigen Obernarren achli d Chappe z’putze». Aber, sagte er, das wäre dann wohl Moskau einfach. Und Hirsch müsste sich noch etwas länger mit den Frauenfelderinnen und Frauenfeldern herumschlagen.

Was Stokholm den Zuhörerinnen und Zuhörern noch verspricht, ist, dass er das nächste Mal mit den Rungglä-Süüder musizieren wird. Flankiert von seinen Begleiterinnen Claudia Müller und Michaela Bianchi erhält der neue Obernarr dann die Insignien der Macht vom Stadtpräsidenten – nicht aber bevor die Frauenfeld-Wil-Bahn noch ein wiederholtes Mal zwischen dem Festwagen als Bühne und den Zuschauerinnen und Zuschauern durchfährt. Nach der Übergabe spielt die Guggenmusik weiter, die fasnächtlichen Festlichkeiten beginnen.

Das Fasnachtsprogramm in Frauenfeld

Die Fasnacht Frauenfeld steht unter dem Motto «Maske-r-Ade». Nach der Stadtübergabe am Donnerstag, 24. Februar, gehen die fastnächtlichen Aktivitäten am Samstag, 26. Februar, weiter. Ab 18 Uhr gibt es einen Spaghettiplausch und danach, ab 20.01 Uhr, eine Unterhaltung im Casino. Die Fasnacht in der Stadt findet am Sonntag, 27. Februar, statt und dauert von 11.11 bis 17.13 Uhr. (jab)

Mehr Informationen unter: www.murganesen-frauenfeld.ch