Ersatzwahl
Vom Anwalt zum Richter: Andreas Schwager kandidiert für das Bezirksgericht Münchwilen

Am 15. Mai wählen die Hinterthurgauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger einen neuen Berufsrichter am Bezirksgericht Münchwilen. Einziger Kandidat ist der gebürtige Sirnacher Andreas Schwager.

Olaf Kühne Jetzt kommentieren
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Andreas Schwager kandidiert für das Amt des Berufsrichters am Bezirksgericht Münchwilen.

Andreas Schwager kandidiert für das Amt des Berufsrichters am Bezirksgericht Münchwilen.

Bild: Olaf Kühne

«Ich will nicht gewählt werden, nur weil ich auf der Namensliste stehe», sagt Andreas Schwager. Wenn am 15. Mai die Hinterthurgauer Wählerinnen und Wähler an die Urne gerufen werden, um den vakanten Posten eines Berufsrichters am Bezirksgericht Münchwilen wieder zu besetzen, ist der 39-jährige Sirnacher der einzige Kandidat. Schwager könnte sich also entspannt zurücklehnen. Doch er sagt bestimmt:

«Ich will, dass die Menschen wissen, wen sie wählen.»

So bestreitet er einen veritablen Wahlkampf, schaltet Inserate, stellt sich den Präsidien der Hinterthurgauer Bezirksparteien vor und gibt Interviews. Just am kommenden Samstag präsentiert er sich auch der Öffentlichkeit am Politstamm der Mitte-Partei von Bichelsee-Balterswil.

Dieser Auftritt wird für Andreas Schwager gleich ein zweifaches Heimspiel. Bichelsee ist sein Heimatort, die Mitte ist seine Partei. Denn auch wenn Berufsrichter in der Praxis kein politisches Amt ist, auf den Posten gelangt man über den politischen Weg. Aus reinem Opportunismus in einer Partei gelandet, ist Andreas Schwager dennoch nicht. «Es war mir wichtig, dass ich noch vor meiner Kandidatur einer Partei beitrete», sagt er.

Zwar lebt Andreas Schwager derzeit noch mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Zürich. Seine Eltern und seine Schwester mit ihrer Familie leben aber in Sirnach, wo auch er aufgewachsen ist. Weil Andreas Schwager zudem auch im Thurgau zahlreiche Juristinnen und Juristen kennt, hat er auch ennet der Kantonsgrenze erfahren, dass in Münchwilen ein Richterposten frei geworden ist.

Praktikum am Bezirksgericht Pfäffikon nach dem Jusstudium

«Nach meinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich habe ich am Bezirksgericht im zürcherischen Pfäffikon ein Praktikum absolviert», blickt Andreas Schwager zurück. «Deshalb kannte ich die Arbeit eines Bezirksgerichtes bereits.» Gespräche mit Alex Frei, dem langjährigen Gerichtspräsidenten, der Ende April in Pension geht, hätten ihn nicht zuletzt in seinem Entscheid zur Kandidatur bekräftigt.

«Ich arbeite seit über fünf Jahren als Rechtsanwalt für eine Rechtsschutzversicherung. Das ist eine sehr spannende Tätigkeit, in der ich vom Schuldbetreibungs- und Konkursrecht übers Zivilrecht bis hin zum Strafrecht mit allen Rechtsfeldern zu tun habe.» Indes vertrete er dabei die Interessen seiner Klientinnen und Klienten, was ihm zuweilen auch eine «Extremposition» aufzwinge.

«Ich finde es immer sehr befriedigend, wenn es mir gelingt, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das ist etwas Schönes.»

Vom Richterposten verspricht sich Andreas Schwager deshalb, auf Rechtsstreitigkeiten künftig eine neutrale Sicht einnehmen zu können. Denn schon während seiner früheren Tätigkeit als Jurist im Thurgauer Departement für Bau und Umwelt (DBU) habe er erkannt, dass ihm das Vermitteln und das Begründen von Entscheiden besonders liegen. «Es macht auch mehr Spass, als die Extrempositionen eines Anwalts einnehmen zu müssen», sagt er weiter.

Trotz seinen fachlichen Qualifikationen sieht sich Andreas Schwager für das Richteramt als «eine Art Quereinsteiger». Zwar fühle er sich nicht zuletzt dank seinem Anwaltspatent gut gerüstet, er sagt aber auch: «Ich bin mir bewusst, dass ich nicht vom üblichen Weg zu einem Richterposten herkomme.» Weil aber am Bezirksgericht Münchwilen mit Stefan Miori als vormaligem Staatsanwalt und der neuen Präsidentin Nina Schüler-Widmer als langjährige Berufsrichterin bereits zwei ausgewiesene Profis wirken, ist Schwager auch überzeugt:

«Wir werden uns fachlich gut ergänzen.»

So bestreitet Andreas Schwager nun als Einzelkämpfer seine allererste Kandidatur für ein Amt. «Ich hätte mich über einen Wahlkampf gefreut», sagt er. «Er hätte mir erlaubt, den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern meine Kandidatur, meine Motivation und meine Person näherzubringen.» Schliesslich dürfe man von einem Bezirksgericht als erste Instanz in vielen Rechtsfragen auch eine gewisse Nähe zu den Menschen erwarten. Zum Schluss gesteht er dann aber doch noch lachend: «Natürlich bin ich nicht nur unglücklich darüber, der einzige Kandidat zu sein.»

Hinweis
Der öffentliche Politstamm der Mitte-Partei Bichelsee-Balterswil, an welchem sich auch Andreas Schwager vorstellt, findet am kommenden Samstag ab 10 Uhr im Bistro Wohnen im Alter in Bichelsee statt.

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