Alfred Ilg: Der erstaunliche Auswanderer aus Frauenfeld

Zwei Jahre nach dem 100. Todesjahr von Alfred Ilg erscheint eine Publikation über den Thurgauer Ingenieur. Er gilt als Wegbereiter des modernen Äthiopiens. Aus den geplanten drei Jahren in Ostafrika wurden 27.

Mathias Frei
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Die Buchautoren Peter R. Gerber und Elisabeth Biasio mit Hans Brunschweiler, Präsident der Alfred-Ilg-Gesellschaft. (Bild: Mathias Frei)

Die Buchautoren Peter R. Gerber und Elisabeth Biasio mit Hans Brunschweiler, Präsident der Alfred-Ilg-Gesellschaft. (Bild: Mathias Frei)

Beim zwanglosen Znacht der äthiopischen Kaiserfamilie entstand die Schwarz-Weiss-Fotografie. Am Auslöser Alfred Ilg. Peter R. Gerber sagt:

«Davon kann ein Ethnologe träumen.»

Das Foto zeuge von der grossen Vertrautheit Ilgs zu Kaiser Menelik II. Der ehemalige Kurator des Völkerkundemuseums der Universität Zürich zeigt das weit über 100 Jahre alte Bild am Montagabend.

Zwei Dutzend Interessierte haben sich für die Buchvernissage von «Alfred Ilg. 1854 – 1916. Ein Thurgauer Ingenieur als Staatsminister in Äthiopien» im Kleinen Bürgersaal im Frauenfelder Rathaus eingefunden. Herausgeberin der neuen, schmucken Publikation ist die Alfred-Ilg-Gesellschaft. Gerber hat mitgearbeitet, Hauptautorin ist Elisabeth Biasio, ebenfalls ehemalige Kuratorin am Völkerkundemuseum.

Gefördert vom damaligen ETH-Präsidenten

Ilg wurde 1854 in Frauenfeld geboren. Trotz einer sehr guten Matur blieb kein Geld für ein Studium. Er begann eine Mechanikerlehre, brach diese aber nach zwei Jahren ab und ging ans Eidgenössische Polytechnikum, die heutige ETH, um ein Maschineningenieur-Studium in Angriff zu nehmen. Sein Förderer war der Polytechnikum-Präsident, der Frauenfelder Karl Kappeler. Dieser war es auch, der Ilg nach Äthiopien zum späteren Kaiser Menelik II. vermittelte. Gerber sagt:

«Geplant war ein Aufenthalt von drei Jahren, daraus wurden deren 27.»

Ilg blieb bis ins Jahr 1906. Alt Regierungsrat Kaspar Schläpfer sagt in seiner Laudatio: «Ohne Alfred Ilg wäre Äthiopien der Schritt in die Neuzeit wohl erst viel später gelungen.» So ist Ilg unter anderem der Bau der wichtigen Eisenbahnlinie von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba ins 800 Kilometer entfernte Dschibuti-Stadt zu verdanken. Schläpfer selber arbeitete als junger Mann während dreier Monate in Nordostafrika. Er streift in seiner Rede die Thurgauer Auswanderer Johann Konrad Kern und August Künzler.

«Die erstaunlichste aller Auswandererkarrieren gelang aber Ilg.»
Alfred Ilg. (Bild: PD)

Alfred Ilg. (Bild: PD)

Wie Hans Brunschweiler, Präsident der 2009 gegründeten Alfred-Ilg-Gesellschaft, erklärt, basiert die neue Publikation auf der Jubiläumsausstellung von 2016 zu Ilgs 100. Todesjahr. Die nun erschienene deutschsprachige Version hat eine Auflage von 500 Exemplaren. In Englisch sind 1000 Stück gedruckt wurden. Die entsprechende Buchvernissage findet im Frühling 2019 in Addis Abeba statt.

Lions Iselisberg und Stiftung Selam mitbeteiligt

Zusammen mit der Alfred-Ilg-Ausstellung zum 100. Todestag vor zwei Jahren führte der Lions-Club Iselisberg in der Stadtgalerie Balerie eine Schau mit Tingatinga-Kunst durch. Durch den Verkauf der Kunst aus Tansania und dank eines Beitrags von Lions Schweiz kamen 50000 Franken zusammen. Das Geld ging an die in Zürich beheimatete Stiftung Selam Kinderhilfswerk Äthiopien. Selam betreibt in der Hauptstadt Addis Abeba ein grosses «Children Village» mit verschiedenen Angeboten. Der Betrag wird in die Landwirtschaftsschule von Selam investiert. (ma)

Die Publikation enthält faszinierende Bilder aus Ilgs tausendteiliger Fotografiesammlung. In kurzen Texten wird Ilgs Leben und Wirken beleuchtet. Themen sind aber auch die damalige Gesellschaftsstruktur Äthiopiens von der traditionellen Feudalgesellschaft in die Moderne, die lange Anreise nach Ostafrika und Ilgs zwei Familien. Nicht fehlen darf eine Literaturliste.

«Alfred Ilg. 1854 – 1916. Ein Thurgauer Ingenieur als Staatsminister in Äthiopien»: ISBN 978-03789-022-6