Das sagt der Schafzüchter nach dem Wolfsriss bei Bischofszell: «Wir hätten nie damit gerechnet, dass der Wolf so nah kommt» – Wolf im Thurgau am hellichten Tag gefilmt

An der Grenze von St. Gallen zum Thurgau hat das Raubtier erneut zugeschlagen und drei Mutterschafe gerissen.

Martina Eggenberger
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 Ein totes Schaf als Köder. Landwirt Thomas Christen vor der extra für den Wolf installierten Fotofalle.

Ein totes Schaf als Köder. Landwirt Thomas Christen vor der extra für den Wolf installierten Fotofalle.

Reto Martin

Bei der Nachtkontrolle sei noch alles ruhig im Stall gewesen, sagt Hobby-Schafzüchter Thomas Christen. Dann muss der Wolf irgendwann in den Stall eingedrungen sein.

Sie haben die Meldungen über Angriffe des Wolfs in unserer Region mitbekommen. Hätten Sie gedacht, dass Sie je selber Opfer zu werden?

Thomas Christen: So auf keinen Fall. Wir holen unsere Muttertiere und die Lämmer über Nacht immer rein, in den gedeckten Unterstand beim Stall und Wohnhaus. Das machen wir, damit wir sie besser füttern können. Der andere Teil der Herde bleibt jeweils auf der Weide. Ich habe gedacht: Wenn, dann trifft es die. Dass der Wolf so nah ans Wohnhaus kommen könnte, damit hätte ich nie gerechnet. Zumal unser Betrieb ja auch noch direkt an der Hauptstrasse liegt.

Gab es in der Nacht auf Samstag Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt?

Wir haben gar nichts mitbekommen. Bei der Nachtkontrolle im Stall nach 22 Uhr war alles ruhig. Wir haben nichts gesehen und nichts gehört. Das Bild des Grauens am Morgen kam unvermittelt. Dabei muss der Wolf schon eine ganze Weile da gewesen sein, wie das aussah.

 Landwirt Thomas Christen aus dem Weiler Enetschwil hat durch einen Wolf mehrere Schafe verloren.

Landwirt Thomas Christen aus dem Weiler Enetschwil hat durch einen Wolf mehrere Schafe verloren.

Reto Martin

Wie gross ist Ihr Verlust?

Wir haben 16 Schafe, eine kleine Herde. Die Zucht ist für uns nur Hobby. Zwei Mutterschafe waren tot, als wir am Samstag in den Stall kamen, übel zugerichtet. Ein anderes und zwei Lämmer mussten aufgrund ihrer schweren Verletzungen erlöst werden. Zwei weitere Lämmer haben Bisswunden. Wir versuchen jetzt, sie durchzubringen. Die Lämmer sind alle erst im Dezember geboren, sie wären auf Muttermilch angewiesen.

Wie haben ihre anderen Tiere auf die Attacke reagiert?

Der Rest der Herde ist ziemlich durch den Wind. Die Schafe haben kaum gefressen. Wir haben auch noch zwei Pferde. Die sind seither auch ganz unruhig.

Wie ist ihre Einstellung zum Wolf, nach diesem Vorfall?

Wenn man selbst betroffen ist, gibt es einem sehr zu denken, dass das Tier offensichtlich keine Scheu hat, in die Dörfer zu kommen. Man sollte sich schon fragen, wie viel Schaden es noch anrichten muss.

Was raten Sie anderen Schafzüchtern?

Wir haben sofort unsere benachbarten Schafzüchter informiert und ihnen geraten, die Tiere rein zu holen. Ideal ist natürlich, wenn man einen Stall richtig zumachen kann. Das war bei uns nicht möglich, wir haben einen offenen Stall mit Gatter, das für den Wolf offensichtlich kein Hindernis darstellte.

Video eines Wolfes

Ein Leserreporter hat einen Wolf gefilmt, der sich am helllichten Tag in der Nähe eines Wohnhauses herumtreibt. Vermutlich sind die Aufnahmen in der Nähe von Amlikon-Bissegg entstanden. Ob es sich um das Tier handelt, das in der Nähe von Bischofszell mehrere Schafe gerissen hat, ist unklar.