Corona
«Wir sind positiv überrascht»: Der Kanton Thurgau startet mit den Impfungen in Betrieben – 40 Firmen machen mit

Regierungsrat Urs Martin stellt die Kampagne der betrieblichen Impfungen in der Arboner Saurer AG vor. 4000 Personen wollen sich in einem Thurgauer Unternehmen impfen lassen.

Roman Scherrer
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Die mobile Impfequipe des Kantons Thurgau ist in den Räumlichkeiten der Saurer AG im Einsatz.

Die mobile Impfequipe des Kantons Thurgau ist in den Räumlichkeiten der Saurer AG im Einsatz.

Bild: Ralph Ribi

Die Impfkampagne des Kantons Thurgau gegen Covid-19 ist um eine Komponente reicher. Seit dieser Woche läuft das sogenannte betriebliche Impfen. Am Freitag hat Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Urs Martin die Medien zur offiziellen Eröffnung dieses Schritts in die Saurer AG in Arbon eingeladen.

«Das betriebliche Impfen wird von den Unternehmen sehr geschätzt», sagt Martin, «denn die Mitarbeiter können sich rasch und im gewohnten Umfeld impfen lassen.» Zudem sei die eigene Bereitschaft eventuell grösser, wenn sich Arbeitskollegen impfen lassen.

Die mobilen Impfequipen des Kantons wurden Anfang Jahr in Alterszentren, später in Behinderteninstitutionen eingesetzt. Jetzt sorgen sie dafür, dass Angestellte an ihrem Arbeitsort den Piks erhalten. Aber auch Angehörige der Mitarbeitenden, welche im Thurgau wohnen, dürfen sich in den Unternehmen impfen lassen. Mindestens 50 impfwillige Personen muss ein Betrieb stellen, damit er eine solche Aktion durchführen kann. Bei 25 Personen muss es sich um Angestellte der Firma handeln. Um auf 50 Impfwillige zu kommen, könnten sich kleinere Betriebe zusammenschliessen, betont Martin.

Bisher haben sich so insgesamt 40 Betriebe angemeldet. Diese Zahl scheint nicht besonders hoch im Vergleich zu den über 1800 Thurgauer Unternehmen, welche über mehr als 10 Mitarbeitende verfügen. Martin sagt aber:

«Wir sind sehr positiv überrascht, weil das Angebot noch nicht lange besteht.»
Regierungsrat Urs Martin bei der besucht die Saurer AG während der betrieblichen Impfung

Regierungsrat Urs Martin bei der besucht die Saurer AG während der betrieblichen Impfung

Bild: Ralph Ribi

Er gehe davon aus, dass die Nachfrage durch die Information in den Medien steigen wird. 4000 Personen sind es Stand Freitag, welche über die betrieblichen Impfungen ein Vakzin erhalten wollen. Ein Drittel davon sind Angehörige von Angestellten.

Andere Arboner Betriebe sind beteiligt

Bei der Saurer AG, welche in Arbon rund 80 Mitarbeitende zählt, haben am Freitag 71 Personen ihre erste Impfung erhalten. Ein Teil davon stammt von umliegenden Betrieben, erklärt Jakob Auer, Sicherheitsbeauftragter der Saurer AG und SP-Kantonsrat. So lässt sich beispielsweise ein Dutzend Mitarbeiter der Stadt Arbon in den Saurer-Räumlichkeiten impfen.

Er habe mehrere Betriebe angefragt, damit eine «stattliche Anzahl» an Impfwilligen zusammenkommt. Denn ein Grossteil der Saurer-Belegschaft habe zuvor bereits einen ordentlichen Termin in einem Impfzentrum wahrgenommen. Auer fügt an:

«Für uns Arboner ist es natürlich einfacher, uns hier impfen zu lassen, als wenn wir nach Weinfelden müssen.»
Jakob AuerSicherheitsbeauftragter der Saurer AG und SP-Kantonsrat

Jakob Auer
Sicherheitsbeauftragter der Saurer AG und SP-Kantonsrat

Bild: Tobias Theiler

Die Akzeptanz für die Impfaktion sei sowohl der Belegschaft wie auch in der Geschäftsführung gross gewesen. Und die Anonymität der Teilnehmer sei gewährleistet, bekräftigt Auer. Urs Martin zeigt auf die Stühle, auf denen die Geimpften für einige Minuten zur Überwachung Platz nehmen. Für die Sicherheit der Leute sei gesorgt, versichert er. «Sollte es bei jemandem zu einer Reaktion kommen, ist alles bereit.»

Jakob Auer hat betriebliche Impfungen angeregt

Die ersten betrieblichen Impfungen haben die kantonalen Impfequipen bereits am Montag durchgeführt. Dass Gesundheitsdirektor Martin die Kampagne am Freitag in der Saurer AG vorstellt, kommt nicht von ungefähr, wie er sagt:

«Die Saurer AG war die erste Firma, welche auf den Kanton zugekommen ist und gesagt hat, dass sie betriebliche Impfungen durchführen will.»
Impfspritzen liegen in der Saurer AG bereit.

Impfspritzen liegen in der Saurer AG bereit.

Bild: Ralph Ribi

Jakob Auer sei mit diesem Anliegen bereits zu ihm gekommen, als betriebliche Impfungen im Thurgau noch gar kein Thema waren.

Bisher war der Kanton Thurgau darauf bedacht, keine Personen zur Impfung zuzulassen, welche ausserhalb des Kantons wohnen. Das hat sich nun etwas geändert, sagt Urs Martin. An den betrieblichen Impfungen können auch ausserkantonal Wohnhafte und Grenzgänger teilnehmen, sofern sie in einem Thurgauer Betrieb arbeiten. Das freut nicht zuletzt den in der bayerischen Stadt Kempten beheimateten Geschäftsführer der Saurer AG, Armin Deggendorfer. Er sagt:

«In Deutschland würde es wohl bis im Herbst dauern, bis ich geimpft werden könnte.»
Armin DeggendorferGeschäftsführer der Saurer AG

Armin Deggendorfer
Geschäftsführer der Saurer AG

Bild: Ralph Ribi

Mehr als 80 Prozent seiner Mitarbeiter sind der betrieblichen Impfung von Anfang an positiv gegenübergestanden. Als internationales Unternehmen sei es für die Saurer AG wichtig, möglichst bald wieder zu einer gewissen Normalität zurückzukehren, sagt Deggendorfer. Corona habe die Saurer AG in eine angespannte wirtschaftliche Lage gebracht, sagt Deggendorfer, das habe auch die Belegschaft belastet. Hinsichtlich des zweiten Halbjahrs sieht der Geschäftsführer aber eine «deutliche Belebung», insbesondere im Stickmaschinengeschäft.

Impfzentrum Frauenfeld soll aufgelöst werden

Urs Martin nutzt die Gelegenheit, um auf den Stand der kantonalen Impfkampagne hinzuweisen: «Wer sich jetzt anmeldet, erhält innerhalb von zwei Wochen einen Termin.» Möglich sei dies dank einer grossen Impfstofflieferung, des Hochfahrens des Weinfelder Impfzentrums sowie den Impfungen in Betrieben, bei Ärzten und Apotheken. Im Sommer werde man voraussichtlich das Impfzentrum in Frauenfeld auflösen, kündigt Martin an. «Denn wir haben genügend Ressourcen im zentralen Impfzentrum in Weinfelden.»