Breitbandnetz
«Ein Quantensprung für unsere Gemeinde»: Die Swisscom baut in Neunforn das Glasfasernetz massiv aus

Ein Freudentag für internetaffine Neunfornerinnen und Neunforner: Die Swisscom kündigt an, einen grossen Teil der Gemeinde bis Herbst 2022 mit Glasfaser zu erschliessen. Gemeindepräsident Benjamin Gentsch spricht von einem Standortvorteil, gerade in Zeiten von Homeoffice.

Mathias Frei
Drucken
Glasfaserkabel liegen auf einer Baustelle.

Glasfaserkabel liegen auf einer Baustelle.

Bild: Sina Schuldt (DPA)

«Eine positive Nachricht» zum Jahresbeginn konnte Gemeindepräsident Benjamin Gentsch an der Bechtelisgemeinde vom 2. Januar verkünden: «Die Swisscom will Neunforn upgraden.» Und das soll ziemlich zügig gehen, wie eine Anfrage der TZ ergeben hat.

«Mit dem vorgesehenen Ausbau werden die Ortsteile Niederneunforn, Oberneunforn und Fahrhof erschlossen.»

Das erklärt Adriana Rubin von der Rod Kommunikation AG im Auftrag des national tätigen Telekommunikationsunternehmens. Zurzeit sei die Planung in vollem Gange. Mit sichtbaren Bautätigkeiten muss laut Rubin ab April 2022 gerechnet werden. Der geplante Ausbau in der Gemeinde Neunforn werde im Herbst 2022 abgeschlossen sein, «zum heutigen Zeitpunkt können wir noch kein genaueres Datum bekanntgeben».

Verschiedene Zufahrten auf die Datenautobahn

In der Region Frauenfeld praktizieren die Politischen Gemeinden unterschiedliche Modelle betreffend Glasfasererschliessung. In allen Fällen sind die Swisscom und/oder die Stafag Leucom zumindest als Netzanbieter involviert. In der Stadt Frauenfeld startete der flächendeckende Netzausbau verhältnismässig früh. 2014 begannen Stafag Leucom und Swisscom gemeinsam. Investitionssumme: 25 Millionen Franken. So hat Frauenfeld gratis und franko ein Glasfasernetz bekommen. Noch früher war Pfyn dran, seit 2013. Die Gemeinde arbeitet mit Stafag Leucom und der Swisscom zusammen, die zusammen 75 Prozent der Kosten übernehmen. Uesslingen-Buch und Warth-Weiningen haben mit Stafag Leucom eine einfache Gesellschaft gegründet, die mit der Swisscom zusammenarbeitet. Gachnang hat mit Stafag Leucom einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, ein weiterer Partner ist die Swisscom. Auch Stettfurt haben die Gemeinde, die Swisscom und Stafag Leucom gemeinsam mit Glasfaser erschlossen. Ebenso in Felben-Wellhausen, wo es Mitte des 2010er-Jahres noch Friktionen gab. Nun haben die Gemeinde, die Swisscom und Stafag Leucom im Frühling 2021 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. In Matzingen wiederum hat die Swisscom auf eigene Kosten gebaut. (ma) 

Glasfaserausbau sollte keine Tiefbauarbeiten auslösen

Glasfaserkabel beim Einbau.

Glasfaserkabel beim Einbau.

Bild: Chiccododifc (iStockphoto)

Der Gemeinderat sei vergangenen September über den Ausbau informiert worden. Strassenbauprojekte seitens der Gemeinde würden in der Planung des Ausbaus berücksichtigt, verspricht die Swisscom. Wobei die Glasfaserarbeiten eigentlich keine Tiefbauarbeiten auslösen sollten. Zum konkreten Bauplan sagt Rubin:

«Die Reihenfolge wird von unserem Baupartner geplant und die Gemeinde wird entsprechend über die Bautätigkeiten informiert.»

In Neunforn kommt der Ausbaustandard «Fibre to the Street (FTTS)» zur Anwendung. Das heisst: Die Glasfaser wird bis auf mindestens 200 Meter an die Liegenschaften gezogen. Für die letzte Teilstrecke wird das Signal auf einem bestehenden Kupferkabel geführt. Die Swisscom teilt mit: «FTTS bietet Bandbreiten von bis zu 500 Megabit pro Sekunde.» Die Frage, wie hoch die Kosten für den geplanten Ausbau sind, lässt die Swisscom unbeantwortet. Man lasse sich den Ausbau und den Unterhalt der Netzinfrastruktur schweizweit 1,6 Milliarden Franken pro Jahr kosten. Zu Investitionen pro Gemeinde mache man indes keine Angaben.

Leistung für Upload und Download wird um ein Vielfaches verbessert

Benjamin Gentsch, Gemeindepräsident Neunforn.

Benjamin Gentsch, Gemeindepräsident Neunforn.

Bild: Donato Caspari

Der angekündigte Ausbau sei für Neunforn sehr erfreulich, sagt Gemeindepräsident Benjamin Gentsch. Die Leistung im Upload- wie auch im Download-Bereich werde damit um ein Vielfaches verbessert.

«Das ist für uns ein klarer Standortvorteil, nicht zuletzt in Zeiten von Homeoffice.»

Er spricht von einem Quantensprung. Denn gerade für ländliche Gemeinden sei Glasfaser noch lange nicht Standard. Überdies reiche der FTTS-Standard für weitaus die meisten Nutzerinnen und Nutzer vollends aus. Auf Gemeindegebiet sind laut Gentsch aktuell die Gemeindeverwaltung, die Primarschule und ein Industriegebäude am westlichen Dorfrand von Oberneunforn mit Glasfaser bis ins Gebäude («Fibre to the Home», FTTH) erschlossen. Wie der Gemeindepräsident sagt, werde die Swisscom Neubauten in Neunforn ebenfalls mit FTTH erschliessen.

Glasfaserkabel, bevor sie in den Boden kommen.

Glasfaserkabel, bevor sie in den Boden kommen.

Bild: Petra Orosz (Keystone)

Was Gentsch als ausgewiesenen Finanzfachmann überdies freut: dass die Politische Gemeinde keinen Franken an den geplanten Ausbau beisteuern muss. Bei den mit Glasfaser erschlossenen Gemeinden in der Region gibt es unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit. In Neunforn baut die Swisscom ein eigenes Netz, aber entsprechend auf eigene Kosten. Gleichwohl habe man als Endverbraucher die freie Anbieterwahl, heisst es seitens Swisscom. Gemeindepräsident Gentsch sagt: «Das ist für uns das optimale Modell.»