Bildung
Auf dem zweiten Bildungsweg: Erwachsene sind reif für die Universität

Alle 24 Absolventinnen und Absolventen der Thurgauisch-Schaffhausischen Maturitätsschule für Erwachsene bestanden die Maturaprüfung. Doch nicht alle gehen nun an die Uni.

Manuela Olgiati
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Die Absolventinnen und Absolventen der TSME erhalten ihre Diplome.

Die Absolventinnen und Absolventen der TSME erhalten ihre Diplome.

Manuela Olgiati

Festliche Roben an der Maturafeier am Freitagabend in der Aula der Kantonsschule Frauenfeld. Es sind Gäste gemäss Schutzkonzept im Saal. Feierliche Musik erklingt vom «Duo Celloni». Die Absolventen werden auf die Bühne geladen. Regierungsrätin Carmen Haag zeigt mit ihrem Besuch Wertschätzung für ausserordentliche Leistungen.

Es gibt Grund zur Freude: Auf dem zweiten Bildungsweg haben die 24 Frauen und Männer an der TSME, Thurgauisch-Schaffhauserische Maturitätsschule für Erwachsene, berufsbegleitend während sieben Semestern das Reifezeugnis für ein Studium an einer Universität erworben. Es treten Persönlichkeiten ans Rednerpult.

Gute Voraussetzungen, sich ins öffentliche Leben einzubringen

«Sie haben Ziele erreicht und dürfen stolz sein», sagte Rektor Louis Räber der Thurgauisch-Schaffhausischen Maturitätsschule für Erwachsene in seiner Begrüssungsrede des 48. Maturitätskurses.

Patrick Strasser, seit 2020 Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartements des Kantons Schaffhausen, gratulierte den Absolventen mit launigen Worten. Strasser schlug ein Gegengeschäft vor. «Die erfolgreiche Matura bietet Ihnen Möglichkeiten und neue Verpflichtungen.» Nach dem Lern- und Prüfungsstress lasse sich die Freizeit nun wieder selber gestalten. Deshalb Strassers Rat: «Bringen Sie Ihre Fähigkeiten in politischen Ämtern in Vereinen ein.» Sich ins öffentliche Leben einbringen, bedeute Regeln für das funktionierende Zusammenleben zu erarbeiten und das finde durch die Politik statt.

Ausserordentliche Maturarbeit auf dem Gebiet der Medizin

Beste Noten erzielten Oliver Jovicic und Rahel Grüter, beide 5,53. Die beiden Maturaarbeiten von Oliver Jovicic und der Pflegefachfrau Edina Vavassori werden mit je 600 Franken ausgezeichnet. «Ich werde eine neue Stelle in der Anästhesie am Universitätsspital Zürich beginnen», begründet Edina Vavassori ihren weiteren Berufsweg. Die gelernte Pflegefachfrau der Intensivpflege wird kein Studium aufnehmen.

In ihrer Maturaarbeit, die sie mit einem Preis von 600 Franken auszeichnet, hat sie Ergebnisse von 62 Kindern, die zu früh geboren sind und intraventrikuläre Blutungen vorwiesen, untersucht. Um Komplikationen zu verhindern, kam Vavassori zum Schluss, dass zur Vermeidung intraventrikulärer Blutungen im Gehirn ein angemessenes Körpertemperaturmanagement in einer neonatalen Umgebung notwendig sei. Verena Odermatt, Mitglied der Aufsichtskommission, würdigt die ausserordentliche Leistung, die der medizinischen Forschung dienen könnte.

Ständekämpfe im Römischen Reich

«Aus einem Guss geschrieben», würdigt Urs Schwager, der Präsident der Aufsichtskommission die Maturaarbeit von Oliver Jovicic. Unterschiede zwischen historischem Gespür und antikem Geschichtsschreiben seien sichtbar. Die Initialzündung für das Thema, die Auswirkungen von Rom vor 2000 Jahren bis heute, hatte Jovicic auf einer Italienreise. Die Ständekämpfe zwischen den angesehenen wohlhabenden Patriziern und den Plebejern, die arme Bauern waren, prägten die ersten Jahrhunderte der Römischen Republik.

«Ich hoffe, dass Sie diese Arbeit zu einer historischen Seminararbeit ausbauen, um Fragen weiter zu denken», sagte Schwager. Jovicic plant ein Studium aufzunehmen und sagte: «Ich wäge noch ab zwischen den Fachrichtungen Medizin, Psychologie oder Geschichte.»