Bedarfs- und Potenzialanalyse
Primarschulgemeinde Frauenfeld schaut in die Kristallkugel: Im Murgbogen und im Erzenholz sieht es nach neuen Schulhäusern aus

Das Bevölkerungswachstum der Kantonshauptstadt wirkt sich auch auf die Schülerzahlen der Primarschulgemeinde aus. Bis 2034 wird mit einem Wachstum von fast 500 schulpflichtigen Kindern gerechnet. Im Entwicklungsgebiet Murgbogen und im Erzenholz hat das mittelfristig auch Auswirkungen auf die räumliche Infrastruktur.

Mathias Frei
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Blick von der Grossen Allmend auf den Murgbogen.

Blick von der Grossen Allmend auf den Murgbogen.

Bild: Olaf Kühne

Mit Andreas Wirth ging es aufwärts. Im Jahr 2004 übernahm er das Frauenfelder Schulpräsidium, und ab 2008 stiegen die Schülerzahlen – bis heute. Diese Entwicklung geht einher mit den Einwohnerzahlen der Kantonshauptstadt. Im Jahr 2000 zählte man knapp 22'000 Frauenfelderinnen und Frauenfelder. Zehn Jahre später waren es deren 1200 mehr. Und von 2010 bis 2020 wuchs die Stadt um weitere 2700 Personen auf 25'800.

Schulpräsident Andreas Wirth.

Schulpräsident Andreas Wirth.

Bild: Kevin Roth

Das Bevölkerungswachstum hat immer auch Auswirkungen auf die Infrastruktur. Das sei eine Herausforderung, sagt Schulpräsident Wirth. Denn: Mehr Einwohnerinnen und Einwohner bedeuten mehr Kinder, also steigende Kinderzahlen. Heute werden jährlich zwischen 250 und 260 Kinder in Frauenfeld eingeschult.

«Die Schulen Frauenfeld möchten die Entwicklung ihrer Schulanlagen proaktiv steuern.»

Aufgrund der Einschulungen liessen sich verlässliche Aussagen für die kommenden fünf bis sechs Jahre machen, sagt Wirth. Die Primarschulbehörde wollte aber weiter in die Zukunft blicken, «um die strategische Ausrichtung der Schulbauten zu definieren sowie die notwendigen planerischen und baulichen Massnahmen anstossen zu können». Das Beratungsunternehmen Basler & Hofmann aus Zürich wurde mit einer umfassenden Bedarfs- und Potenzialanalyse beauftragt.

Tagesschulangebot Langdorf mit viel Zulauf

In Frauenfeld gibt es seit 2007 Tagesschulangebote (TAF). Diese werden von Stadt und Schulgemeinde partnerschaftlich finanziert. Der Start erfolgte mit einem Pilotprojekt im Oberwiesen. 2010 wurde das dortige TAF definitiv eingeführt. In Huben ging es 2012 los, im Langdorf 2016. Mit der Erweiterung im Schollenholz wird dort auf 2023 ein TAF eingeführt. Während in Huben und im Oberwiesen die TAF-Schülerzahlen nur leichten Schwankungen unterworfen sind, explodierten die Zahlen im Langdorf: von 42 Kindern bei Einführung auf aktuell deren 108. Das hat auch damit zu tun, dass aktuell 27 Kinder aus dem Spannerschulhaus das TAF Langdorf besuchen. Vor allem am Mittag wird es eng. Deshalb soll es ab Schuljahr 2022/23 einen Mittagstisch im Spanner geben. Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten läuft bereits. (ma) 

Schülerzahlen steigen bis 2034/35 um fast 500 Kinder

Wie Wirth sagt, umfasst der Betrachtungshorizont für die Schüler- und Klassenprognose 15 Jahre, also bis etwa 2035. Diverse Parameter wurden einbezogen. Zum einen gab es eine Prognose für das Stadtgebiet, zum anderen im Einzugsgebiet Erzenholz hinsichtlich der Entwicklung der Primarschulanlage Erzenholz. Ein wichtiger Faktor war dabei auch die potenzielle Wohnbautätigkeit.

Entwicklung der Schülerzahlen in Frauenfeld: Betrachtungshorizont bis 2035

Die Zahlen steigen. Umfasste die Primarschulgemeinde im Schuljahr 2019/20 noch 1965 Schülerinnen und Schüler sollen es 2025/26 deren 2066 sein. Und im Schuljahr 2034/35 soll es rund 2400 Primarschülerinnen und Primarschüler in Frauenfeld geben. Das wirkt sich auch auf die Anzahl der Klassen aus. Von 103 Klassen auf deren 120 im Schuljahr 2034/35. Wirth sagt:

«Unser Ziel ist es, dass Kinder in ihrem Quartier auch in die Schule gehen können.»

Ein Schulhausneubau für zwölf Klassen im Murgbogen geplant

Quartiere mit Wachstum sind demnach das Langdorf mit dem Murgbogen als Schwerpunkt sowie das Erzenholz. Im Langdorf ist ein Wachstum der Schülerzahlen von 485 (Schuljahr 2019/20) auf 762 (SJ 2034/35) prognostiziert. Als Konsequenz daraus ist ein Schulhausneubau vorgesehen im Raum Murgbogen. Wirth sagt:

«Wahrscheinlich wird es eine Anlage für zwölf Klassen.»
Das Schulhaus Erzenholz, im Vordergrund der damalige Quartiervereinspräsident Reto Brunschweiler.

Das Schulhaus Erzenholz, im Vordergrund der damalige Quartiervereinspräsident Reto Brunschweiler.

Bild: Donato Caspari (21. Dezember 2016)

Im Erzenholz ist ein Wachstum von 60 auf 90 bis 100 Schülerinnen und Schüler prognostiziert. Die Schulbehörde sieht für dieses Gebiet eine Sanierung des bestehenden Schulhauses und eine Erweiterung um eine Anlage für sechs Klassen vor. Im Gegensatz zum Murgbogen wird es im Erzenholz schon etwas konkreter. Denn auf 2022 ist eine Schulraumerweiterung in Form eines Provisoriums vorgesehen, vergleichbar mit dem Containerprovisorium im Auen. Das Provisorium kann während der späteren Sanierung und Erweiterung ausgebaut werden, damit alle Erzenholzer Kinder auch während der Bauphase weiterhin im Quartier zur Schule gehen können. Die Kosten für die Containerlösung sind im Budget 2022 eingestellt. Gleichzeitig wird ein erster Betrag für die ersten Planungsschritte der Sanierung und Erweiterung ins Budget aufgenommen. Bis zur Fertigstellung und zum Einzug werden dennoch mehrere Jahre vergehen.

In anderen Quartieren Schülerzahlen nur leicht steigend oder stagnierend

Wirth sagt, aus heutiger Sicht sei ein Planungs- und Bauhorizont bei öffentlichen Bauten von fünf bis sieben Jahren realistisch. Dies hätten grössere Sanierungen und Schulraumerweiterungen gezeigt, aktuell der Fall der Schulanlage Schollenholz.

Visualisierung der Schollenholz-Schulraumerweiterung.

Visualisierung der Schollenholz-Schulraumerweiterung.

Bild: PD

Kein grösserer Handlungsbedarf besteht aus heutiger Sicht in anderen Stadtquartieren. Im Schollenholz und Ergaten sind die Zahlen zwar leicht ansteigend, dort wurde aber mit der Schollenholzsanierung Platz geschaffen. Ebenfalls tendenziell leicht aufwärts zeigt die Entwicklung im Oberwiesen und im Kurzdorf. Dagegen wird für Huben und Spanner mit eher stagnierenden Schülerzahlen gerechnet.